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Europäische Staatsanleihen: Renditen gen Süden


28.05.24 08:49
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Trotz des vorsichtigen Ausblicks von EZB-Chefvolkswirt Lane trieben taubenhafte Aussagen des französischen Governing Councils de Galhau die Anleiherenditen europäischer Staatsanleihen gestern gen Süden, so die Analysten der Nord LB.

Deutsche zehnjährige Bunds: 2,55% (-4bp), das italienische Pendant sei sogar um 6 Basispunkte auf 3,82% gefallen.

Laut EZB-Chefvolkswirt Lane stehe einer ersten Zinssenkung in der kommenden Woche (06. Juni) nichts mehr entgegen. Lane: "Wenn es keine größeren Überraschungen gibt, reicht das, was wir derzeit sehen, aus, um das oberste Niveau der Restriktion wegzunehmen". Für den Zukunftspfad bleibe Lane zurückhaltend und deute an, dass die Zinsen in diesem Jahr im restriktiven Territorium bleiben würden. "Die Diskussion über eine Zinssenkung nächste Woche ist keine Siegeserklärung." Die übernächste EZB-Zinssitzung sei für den 18. Juli terminiert.

Die Aufsicht zeige Zähne. In einem neuen Leitfaden der EZB würden die Bankenaufseher jetzt mit einer "Neubewertung der Eignung" von Geschäftsleitern sowie (in schweren Fällen) sogar mit der "Entfernung solcher Mitglieder" aus dem Management drohen. Seit längerer Zeit sei die Aufsicht unzufrieden. Bspw. bei den Fortschritten der Institute in der Aggregation von Risikodaten.

Der ifo-Geschäftsklimaindex habe im Mai seinen ausgebildeten Aufwärtstrend nicht fortsetzen können und verharre bei 89,3 Punkten. Während die Geschäftserwartungen optimistischer beurteilt würden, überrasche die aktuelle Geschäftslage mit einem deutlichen Rückgang. Im Dienstleistungssektor gehe es im Mai abwärts, während die anderen Sektoren positive Signale senden würden. Die gestrigen Zahlen sollten trotz der Enttäuschung nicht überbewertet werden. Die Zeichen für eine allmähliche Konjunkturstabilisierung in Deutschland würden klar in der Mehrzahl bleiben. Allerdings mahne die eingetrübte Geschäftslage vor überschäumendem Optimismus, derzeit würden die Konjunkturbäume noch nicht in den Himmel wachsen. Andererseits gebe es zumindest konjunkturseitig kein ernstzunehmendes Hindernis für eine Zinssenkung im Juni.

Heute stünden vor allem US-Wirtschaftsdaten im Blickfeld der Anleger. Neben den Zahlen zum Verbrauchervertrauen des Conference Boards werde vor allem auf neue Angaben zur Entwicklung der Immobilienpreise zu achten sein. Die Case-Shiller- und die FHFA-Daten für den März stünden zur Meldung an. Im Monatsvergleich sollte es hier beim Anstieg zu einer spürbaren Verlangsamung kommen. Die nachhaltige Verschlechterung des NAHB-Bauklimas im Mai dürfte sich - wenn der Einbruch keine Eintagsfliege bleiben sollte - wohl frühestens ab dem Berichtsmonat Juni auch klarer bei den US-Hauspreisen zeigen. Der NAHB-Index sei schließlich ein Frühindikator für die Immobilienpreise in den Vereinigten Staaten. (28.05.2024/alc/a/a)