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Euro-Staatsanleihen in ruhigen Bahnen gehandelt


23.09.19 08:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach den turbulenten Vorwochen handelten Euro-Staatsanleihen in der abgelaufenen Handelswoche überwiegend seitwärts, so die Experten von Union Investment.

Im Nachgang der EZB-Sitzung habe sich offenbar die Erkenntnis durchgesetzt, dass vorerst kein Ende des Negativzinsumfelds zu erwarten sei. Einige Investoren hätten daher die etwas höheren Niveaus der Vorwoche für einen Einstieg genutzt.

Negativnachrichten habe es aus den europäischen Peripherieländern gegeben. In Spanien sei die Suche nach einer mehrheitsfähigen Regierung endgültig gescheitert. Für Mitte November seien nun Neuwahlen angesetzt. In diesem Zusammenhang stelle sich die Frage, ob die neue Führung den eingeschlagenen Reformkurs fortführen werde. Darüber hinaus seien niedrigere Wachstumsschätzungen für Italien bekannt geworden. Diese dürften die Budgetverhandlungen mit Brüssel erschweren. Irische Staatsanleihen seien zwischenzeitlich weniger gefragt gewesen, weil die Unsicherheiten rund um den möglichen EU-Austritt Großbritanniens hoch bleiben würden. Doch mit Blick auf das bald startende Ankaufprogramm der EZB hätten sich diese Themen im Wochenvergleich letztlich nicht renditesteigernd ausgewirkt.

Am US-Interbankenmarkt habe sich in der letzten Woche Bemerkenswertes getan. Der Zinssatz für Übernachtkredite, also die kurzfristige Geldaufnahme, sei über die Marke von 10 Prozent gestiegen. Schnell seien Sorgen bezüglich einer Liquiditätsknappheit aufgekommen. Gleichzeitig seien Erinnerungen an die Finanzmarktkrise vor zehn Jahren wach geworden. Die US-Notenbank habe sich daraufhin gezwungen gesehen zu intervenieren und kurzfristig 75 Milliarden US-Dollar bereitgestellt. Danach hätten sich die Ausleihsätze wieder am oberen Ende des Leitzinsbandes bewegt. Die jüngste Verwerfung mache deutlich, wie problematisch die Rückführung der expansiven Geldpolitik der Vorjahre sei. Die Notenbank habe den Geldbedarf ihrer Geschäftsbanken offenbar unterschätzt. Mit weiteren Maßnahmen solle eine Wiederholung vermieden werden. (Ausgabe vom 20.09.2019) (23.09.2019/alc/a/a)