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Euro-Staatsanleihen: Japanische Verhältnisse
15.09.14 15:45
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Die Konjunktur in der Eurozone überraschte zuletzt negativ, berichten die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "bondreport".
Die ohnehin zaghafte Wachstumsdynamik drehe bereits wieder nach unten. Italien sei überraschend schon wieder in die Rezession zurückgefallen. Selbst in Deutschland, dem bisherigen Konjunkturmotor der Eurozone, hätten die Zuwachsraten enttäuscht und in Frankreich stelle sich die Situation ohnehin seit längerem schon recht prekär dar. Die realwirtschaftlichen Effekte der Sanktionen gegen Russland und der Gegensanktionen aus Moskau seien darin noch gar nicht enthalten (auch wenn die seit März stetig verschärfte Konfrontation mit Russland im Sentiment von Investoren und Unternehmern sicherlich schon einige Spuren hinterlassen habe, noch bevor die tatsächliche Sanktionsspirale begonnen habe).
Zugleich bleibe die Inflation sehr niedrig und auch die Inflationserwartungen würden weiter fallen. Neben der Peripherie würden weitere Länder drohen, in eine zumindest leichte Deflation zu rutschen, vor allem in Osteuropa. Die Kreditvergabe an den Unternehmenssektor bleibe trotz einer leichten Verbesserung nahezu in der gesamten Eurozone schwach.
Die EZB habe angesichts dessen ein Anleihekaufprogramm gestartet, das sich auf den privaten Anleihemarkt fokussiere (Covered Bonds, ABS), und zugleich überraschend auch die Leitzinsen nochmals gesenkt. Auch die Strafzinsen auf Einlagen der Banken bei der EZB seien erhöht worden. Offenkundig herrsche jetzt in der EZB eine Art Alarmstimmung. Die vorgestellten Maßnahmen könnten durchaus die Kreditvergabe in bestimmten Segmenten ankurbeln, die Inflationserwartungen etwas nach oben ziehen und den Euro schwächen. Ob die EZB damit aber tatsächlich eine mögliche Deflation zu verhindern vermöge, bleibe offen. Deutschlands Finanzminister beispielsweise habe öffentlich Zweifel daran geäußert.
EZB-Chef Draghi habe unterdessen strukturelle Reformen in den Euro-Staaten angemahnt - die Geldpolitik stoße an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Euro-Staatsanleihen (Kern- und Peripheriestaaten) sollten aber bis auf weiteres unterstützt bleiben. 10jährige spanische Staatsanleihen hätten inzwischen übrigens eine rund 20 Basispunkte geringere Rendite als die entsprechenden US-Treasuries. Ausfallsrisiken seien derzeit überhaupt kein Thema mehr - auch nicht angesichts der jüngsten Bankenpleite in Portugal.
Zugleich würden deutsche Bundrenditen immer neue Allzeittiefs markieren. Seit dem Jahreswechsel hätten sie sich von rund 2% auf derzeit 0,9% mehr als halbiert. Damit seien diesbezüglich japanische Verhältnisse erreicht. Ähnlich wie in Japan sei auch in Deutschland beispielsweise nicht zu beobachten, dass die Minizinsen die Sparneigung der Bürger reduzieren würden. Allenfalls würden sie die Spareinkünfte verringern und damit sogar eher auf den Konsum drücken als ihn stimulieren.
Volkswirtschaftlich gebe es natürlich andererseits auch gravierende Unterschiede zwischen der Eurozone und Japan. Für Renditeprognosen wären solche Vergleiche aber ohnehin nur bedingt hilfreich, denn auch Japan habe in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach Phasen erlebt, in denen die Staatsanleiherenditen zwischen 1% und 3% geschwankt hätten. Solche Bewegungen seien durchaus auch in der Eurozone möglich. Im langfristigen Bild bleibe es aber mehr denn je dabei, dass auf viele Jahre hinaus die Eurozone im extremen Niedrigzinsumfeld verharren werde. Eine "große Zinswende" nach oben sei nicht in Sicht.
Damit würden auch Euro-Unternehmensanleihen tendenziell attraktiv bleiben - auf relativer Basis. Gerade im Investmentgrade-Segment sei die Luft bereits recht dünn. Bei HighYield-Anleihen habe die kräftige Korrektur im Frühsommer hingegen wieder zu etwas attraktiveren Bewertungen geführt. Aus absoluter und langfristiger Bewertungssicht seien Unternehmensanleihen freilich ebenso wie Staatsanleihen sehr teuer und würden faktisch kaum noch Kompensation für etwaige Zahlungsausfälle bieten. Dennoch könnten die Kurse weiter steigen - getrieben von der Jagd der Investoren nach Mehrerträgen in einer Welt dauerhafter Nullzinspolitik.
Die Rendite deutscher 10jähriger Bundesanleihen könnte trotz des bereits extrem tiefen Niveaus durchaus noch etwas weiter fallen. Langfristig sei das Chance-Risiko-Verhältnis aber inzwischen natürlich extrem asymmetrisch. Eine Verdopplung der Renditen zurück auf 2% sei zudem jederzeit möglich. Eine große Zinswende nach oben, etwa zurück zu nominellen Renditen von 4% bis 5% für Staatsanleihen der Euro-Kernländer, sei angesichts der volkswirtschaftlichen Lage in der Eurozone aber zumindest für die kommenden drei bis fünf Jahre überaus unwahrscheinlich. (Ausgabe September 2014) (15.09.2014/alc/a/a)
Die ohnehin zaghafte Wachstumsdynamik drehe bereits wieder nach unten. Italien sei überraschend schon wieder in die Rezession zurückgefallen. Selbst in Deutschland, dem bisherigen Konjunkturmotor der Eurozone, hätten die Zuwachsraten enttäuscht und in Frankreich stelle sich die Situation ohnehin seit längerem schon recht prekär dar. Die realwirtschaftlichen Effekte der Sanktionen gegen Russland und der Gegensanktionen aus Moskau seien darin noch gar nicht enthalten (auch wenn die seit März stetig verschärfte Konfrontation mit Russland im Sentiment von Investoren und Unternehmern sicherlich schon einige Spuren hinterlassen habe, noch bevor die tatsächliche Sanktionsspirale begonnen habe).
Zugleich bleibe die Inflation sehr niedrig und auch die Inflationserwartungen würden weiter fallen. Neben der Peripherie würden weitere Länder drohen, in eine zumindest leichte Deflation zu rutschen, vor allem in Osteuropa. Die Kreditvergabe an den Unternehmenssektor bleibe trotz einer leichten Verbesserung nahezu in der gesamten Eurozone schwach.
Die EZB habe angesichts dessen ein Anleihekaufprogramm gestartet, das sich auf den privaten Anleihemarkt fokussiere (Covered Bonds, ABS), und zugleich überraschend auch die Leitzinsen nochmals gesenkt. Auch die Strafzinsen auf Einlagen der Banken bei der EZB seien erhöht worden. Offenkundig herrsche jetzt in der EZB eine Art Alarmstimmung. Die vorgestellten Maßnahmen könnten durchaus die Kreditvergabe in bestimmten Segmenten ankurbeln, die Inflationserwartungen etwas nach oben ziehen und den Euro schwächen. Ob die EZB damit aber tatsächlich eine mögliche Deflation zu verhindern vermöge, bleibe offen. Deutschlands Finanzminister beispielsweise habe öffentlich Zweifel daran geäußert.
Zugleich würden deutsche Bundrenditen immer neue Allzeittiefs markieren. Seit dem Jahreswechsel hätten sie sich von rund 2% auf derzeit 0,9% mehr als halbiert. Damit seien diesbezüglich japanische Verhältnisse erreicht. Ähnlich wie in Japan sei auch in Deutschland beispielsweise nicht zu beobachten, dass die Minizinsen die Sparneigung der Bürger reduzieren würden. Allenfalls würden sie die Spareinkünfte verringern und damit sogar eher auf den Konsum drücken als ihn stimulieren.
Volkswirtschaftlich gebe es natürlich andererseits auch gravierende Unterschiede zwischen der Eurozone und Japan. Für Renditeprognosen wären solche Vergleiche aber ohnehin nur bedingt hilfreich, denn auch Japan habe in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach Phasen erlebt, in denen die Staatsanleiherenditen zwischen 1% und 3% geschwankt hätten. Solche Bewegungen seien durchaus auch in der Eurozone möglich. Im langfristigen Bild bleibe es aber mehr denn je dabei, dass auf viele Jahre hinaus die Eurozone im extremen Niedrigzinsumfeld verharren werde. Eine "große Zinswende" nach oben sei nicht in Sicht.
Damit würden auch Euro-Unternehmensanleihen tendenziell attraktiv bleiben - auf relativer Basis. Gerade im Investmentgrade-Segment sei die Luft bereits recht dünn. Bei HighYield-Anleihen habe die kräftige Korrektur im Frühsommer hingegen wieder zu etwas attraktiveren Bewertungen geführt. Aus absoluter und langfristiger Bewertungssicht seien Unternehmensanleihen freilich ebenso wie Staatsanleihen sehr teuer und würden faktisch kaum noch Kompensation für etwaige Zahlungsausfälle bieten. Dennoch könnten die Kurse weiter steigen - getrieben von der Jagd der Investoren nach Mehrerträgen in einer Welt dauerhafter Nullzinspolitik.
Die Rendite deutscher 10jähriger Bundesanleihen könnte trotz des bereits extrem tiefen Niveaus durchaus noch etwas weiter fallen. Langfristig sei das Chance-Risiko-Verhältnis aber inzwischen natürlich extrem asymmetrisch. Eine Verdopplung der Renditen zurück auf 2% sei zudem jederzeit möglich. Eine große Zinswende nach oben, etwa zurück zu nominellen Renditen von 4% bis 5% für Staatsanleihen der Euro-Kernländer, sei angesichts der volkswirtschaftlichen Lage in der Eurozone aber zumindest für die kommenden drei bis fünf Jahre überaus unwahrscheinlich. (Ausgabe September 2014) (15.09.2014/alc/a/a)


