Euro-Bund-Future: Seitwärts auf hohem Niveau


13.12.12 14:09
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Es zeigt sich insbesondere in der Staatschuldenkrise, dass Versprechen heutzutage nichts mehr wert sind, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Noch im Oktober 2008 habe Deutschland eine gemeinsame europäische Bankenrettung verhindert. Jetzt im Dezember 2012 solle diese Entscheidung revidiert werden. Die EU-Finanzminister würden derzeit miteinander verhandeln, um über den ersten Schritt zu einer so genannten Bankenunion zu entscheiden. Dabei solle erst einmal "lediglich" eine gemeinsame europäische Aufsicht geschaffen werden, die 2013 aufgebaut werde und 2014 mit der Arbeit beginnen solle.

Bereits im Juni 2012 hatte sich unsere Bundeskanzlerin, Angela Merkel, die Zusage abringen lassen, dass sobald eine gemeinsame Aufsicht installiert sei, auch Hilfen aus dem europäischen Rettungsfonds ESM an die notleidenden Banken in Spanien oder Irland fließen könnten, so die Analysten der Baader Bank. Damit wäre dann der Grundstein einer Bankenrettungsunion gelegt und der deutsche Michel würde mit seinen Steuergeldern auch die in Not geratenen Banken der gesamten EU stützen müssen. Ein Umstand, den Frau Merkel noch vier Jahre zuvor habe verhindern wollen.

Damit sei das Tor für eine Vergemeinschaftung von Haftungsrisiken endgültig auf, denn bereits im Kindergarten lerne man: "Teilen, teilen das macht Spaß, denn dann hat ein jeder was". An unsere Politiker gerichtet sei aber auch ein altes Sprichwort erwähnt, das da heißt: "Versprechen ist ehrlich, Halten beschwerlich" und das sollte man sich vorher immer vor Augen führen, so die Analysten der Baader Bank.

Nun sei es endlich soweit. Am vergangenen Sonntag, dem 2. Advent sei auch die "stade Zeit" am Markt für Unternehmensanleihen eingeläutet worden. Zwar habe es in dieser Handelswoche noch einige Neuemissionen gegeben, aber längst nicht mehr in der Fülle wie in den Wochen zuvor. Bereits Ende letzter Woche habe der französische Einzelhandelskonzern Auchan SA 750 Mio. EUR frisches Kapital eingesammelt. Die im Dezember 2022 fällige Anleihe sei mit einem Kupon von 2,375% ausgestattet und sei zu einem Kurs von 99,587% begeben worden, was einem Spread von 78 BP über Midswaps entsprochen habe. Das Unternehmen werde bei S&P mit A bewertet.

Mit Carrefour SA sei am Dienstag dieser Woche ein weiterer französischer Einzelhändler am Primärmarkt aktiv geworden. Für die fünfjährige Anleihe, mit einem Volumen von 1 Mrd. EUR bezahle das mit BBB geratete Unternehmen einen jährlichen Kupon von 1,875%. Der Emissionskurs sei mit 99,613% festgelegt worden, was einem Spread von 120 BP über Midswaps entsprochen habe.

Zusätzlich habe das deutsche Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Holding GmbH eine bis 2020 laufende Anleihe in Höhe von 325 Mio. EUR mit einem Emissionskurs von 100,00% emittiert. Das von S&P mit B- bewertete Unternehmen müsse bei einem Kupon von 8,75% seinem Rating entsprechend tief in die Tasche greifen. Allerdings sei die Nachfrage sehr groß gewesen, sodass der Kurs der Anleihe am ersten Handelstag bis auf 104% angestiegen sei.

Aber auch ein Unternehmen aus Übersee habe seinen Kapitaldurst für dieses Jahr noch nicht gestillt. Der amerikanische Telekommunikationsriese AT&T habe den Kapitalmarkt mit einer 20-jährigen Anleihe im Volumen von 1 Mrd. EUR angezapft. Das von Moody's mit A2 geratete Unternehmen zahle einen Kupon von 3,55%. Der Emissionskurs der Anleihe sei mit 99,746% festgelegt worden. Dies habe einem Spread von 140 BP über Midswaps entsprochen.

Bereits am Samstag hätten die Athener Medien gefeiert, dass der Rückkauf der eigenen Staatsanleihen erfolgreich gewesen sei. Aber wie so viele Meldungen aus dieser Region hätten sie nicht der Realität entsprochen. Die Griechen hätten erfahren müssen, dass ihnen zwar die Europolitiker, aber nicht die Gläubiger Weihnachtsgeschenke machen würden.

Nachdem Anleihen im Nennwert von ca. 26 Mrd. EUR angedient worden seien, sei der Prozess ins Stocken geraten. Erst durch eine zeitliche Verlängerung und eine Nachbesserung des Angebots habe das Ziel von 30 Mrd. EUR erreicht werden können. Diesmal seien es nicht die bösen Hedgefonds gewesen, die sich geziert hätten, sondern die griechischen Banken. Aber denen gegenüber habe man sicherlich gute Argumente gehabt, denn ohne deren Entgegenkommen wäre die Aktion gescheitert und der Wert der Anleihen in den Keller gefallen. Somit habe man einen griechischen Kuhhandel initiieren können: "Gib mir meine Anleihen und es soll dein Schaden nicht sein".

Damit sei der Rückkauf teurer geworden als erwartet, denn der zu zahlende Durchschnittspreis habe mit einem Niveau von 33,5 Cent pro Euro Nennwert etwas höher gelegen als geplant. Athen habe dadurch wahrscheinlich rund 450 Mio. EUR mehr auf den Tisch legen müssen, sodass der Schuldenstand statt um 11% lediglich um 9,5% habe reduziert werden können. Damit würden die von der Eurogruppe genehmigten 10 Mrd. EUR aus dem Rettungsfonds EFSF nicht ausreichen, aber man habe ja reiche Freunde! Der Internationale Währungsfonds (IWF) werde sicherlich die Summe aufstocken. Denn ohne die Entlastung des Schuldenbergs um 20 Mrd. EUR würden die Zahlungen der rund 44 Mrd. EUR nicht freigegeben. Und die seien notwendig, damit der teure griechische Staatsapparat am Laufen gehalten werden könne.

Kein Comedian hätte sich das Vorgehen besser ausdenken können. Mit europäischen Steuergeldern würden griechische Schulden beglichen, damit ein noch größerer Betrag an Steuergeldern als so genannte Hilfsgelder nach Griechenland fließen dürfe. Aber mit solchen Tricks werde die Wut der Bürger in Europa neue Nahrung erhalten und trotz des erst kürzlich überreichten Friedensnobelpreises Europa schon bald kein Ort des Friedens mehr sein.

Die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte sei in den vergangenen Tagen auf den Rückkauf griechischer Staatsanleihen gerichtet gewesen. Doch wesentlich wichtiger für die Weltwirtschaft seien die Budgetverhandlungen in den USA.

Seit Wochen würden die Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern stattfinden, ohne dass es bisher eine Einigung gebe. Hauptstreitpunkt sei die Forderung von Steuererhöhungen für Reiche, auf der US-Präsident Barack Obama und die Demokraten beharren würden. Regierung und Opposition müssten bis zum Jahresende einen Kompromiss finden, ansonsten würden Etatkürzungen und Steuererhöhungen im Umfang von 600 Mrd. USD (460 Mrd. EUR) in Kraft treten. Doch selbst wenn die "fiscal cliff", also die Fiskalklippe, umschifft werden könne, drohe die erst im August vergangenen Jahres erhöhte staatliche Schuldengrenze bereits im Februar 2013 erreicht zu werden. Und das Haushaltsdefizit würde dann bei atemberaubenden 7,3% liegen.

Die US-Staatsschulden würden sich bereits heute auf 107% des Bruttoinlandsprodukts belaufen. Dies sei sogar deutlich über dem durchschnittlichen Schuldenstand in der Eurozone, der ca. 93% betrage. Dies zeige, dass auch in den USA ebenso wie in Europa Haushaltsreformen notwendig seien. Es scheine nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann die Märkte diese Karte ausspielen würden.

"Angst frisst Kurse auf." Die Vorstellung eines politischen Comebacks von Silvio Berlusconi und der angekündigte Rücktritt von Mario Monti hätten zu einem leichten Beben an den Finanzmärkten geführt. Sowohl Minister als auch Regierungschefs in der EU würden am Willen zu Sparbemühungen und Reformanstrengungen des Ex-Regierungschefs zweifeln. Doch Berlusconi werde alles, aber auch alles daran setzen, wieder das politisch höchste Amt in Italien zu erklimmen, denn nur so könne er seine Verfehlungen der Vergangenheit juristisch schützen. Doch Monti werde nur noch so lange weitermachen, bis das Stabilitätsgesetz mit dem Budget 2013 das Parlament passiert habe. Berlusconis Partei Popolo della Libertà habe angekündigt, nur noch diesen zwei Vorhaben zustimmen zu wollen. Danach wolle sie dem Regierungschef das Vertrauen entziehen und Neuwahlen erzwingen.

Damit ende der von Monti initiierte Reformprozess, und der für 2013 geplante Haushaltsausgleich gerate in weite Ferne. Aber dieser sei nötiger denn je! Denn mit einer Staatsverschuldung von 200 Mrd. EUR bzw. 129% des Bruttoinlandsprodukts sei Italien nicht weit von den griechischen Verhältnissen entfernt. Sollte Berlusconi tatsächlich die im Februar oder März stattfindenden Wahlen gewinnen, würden sich nicht nur die Experten fragen, ob ein Land mit einem solchen Ministerpräsidenten zu Europa passen würde. Doch es sei zu befürchten, dass sich die Eurokraten auch in diesem Fall etwas einfallen lassen und sich durchwursteln würden. Wie habe der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble jüngst auf die Frage geantwortet, ob die Eurogruppe einen langfristigen Plan in der Eurokrise habe: "Wir fahren auf Sicht"!

Nun sei es endlich soweit. Die amerikanische Notenbank habe sich entschieden und den Leitzins an das Ach und Weh der US-Arbeitslosenquote gekoppelt. Es sei schon lange bekannt, dass ohne einen Aufschwung am US-Immobilien- und am US-Arbeitsmarkt eine konjunkturelle Belebung nicht möglich sein werde. Aber bei einer aktuellen Arbeitslosenquote von 7,7% einen Zielwert von 6,5% auszurufen, sei schon sehr gewagt. Das bedeute sicherlich für mindestens zwei Jahre einen "Nullzins", wenn nicht sogar noch länger! Zusätzlich würden die langfristigen Zinsen "manipuliert", indem man monatlich für 45 Mrd. USD langfristige Anleihen aufkaufe. Das entspreche einem Großteil der monatlichen notwendigen langfristigen Refinanzierung der US-Regierung und somit dem Motto: "Linke Tasche, rechte Tasche".

Bereits im September des Jahres sei beschlossen worden, dass monatlich für 40 Mrd. USD Hypothekenpapiere angekauft würden. Zinspolitisch seien die USA nun endlich auf den japanischen Weg eingeschwenkt. Stelle sich nur noch die Frage, wann es die ersten Konsumgutscheine nach japanischem Vorbild gebe.

Das Jahr der Renten neige sich seinem Ende zu. Denn nur wenige Marktteilnehmer hätten bei einem Euro-Bund-Future von ca. 127,00% zu Jahresbeginn einen solchen fulminanten Anstieg bis auf 146,17% für möglich gehalten. Politiker und Notenbanker hätten es allerdings ermöglicht. Inzwischen scheine sich auch die Meinung manifestiert zu haben, dass nicht passieren werde, was nicht passieren dürfe, nämlich das Zerbrechen der Eurozone.

Somit bestehe nur noch ein bedingter Grund auf eine Spreadausweitung zwischen deutschen und anderen euroländischen Anleihen zu setzen. Dies bedeute aber nicht, dass es von nun an für das Sorgenbarometer nur noch nach unten gehe. Die Zinsen würden über kurz oder lang auf dem aktuellen Niveau eingefroren und sich nur noch in einer engen Bandbreite bewegen. Dieses Spiel kenne man bereits seit Jahren aus der Schweiz und die Zeit der großen Zugewinne scheine vorbei zu sein.

Durch den Rollover am vergangenen Donnerstag und die damit verbundene Anpassung des Wertes um ca. 170 BP nach oben sei man auf die Charttechnik angewiesen. Dabei sei nach den Gewinnmitnahmen der letzten beiden Handelstage die Marke von 146,89% (Allzeithoch vom 01.06.) in weite Ferne gerückt, aber dennoch habe die Unterstützung bei 144,87% (Hoch vom 28. und 30.11.) noch immer Bestand. Erst bei Durchbrechen dieser Unterstützungslinie würde sich das Augenmerk auf den Bereich um 143,50% richten.

Obwohl in Deutschland die Mittelaufnahme für das Jahr 2012 bereits am vergangenen Mittwoch abgeschlossen worden sei, hätten andere europäische Staaten noch Refinanzierungsbedarf. So werde heute Spanien mittels Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten ca. 3 Mrd. EUR am Markt aufnehmen. Diese Auktion werde aufmerksam verfolgt, aber mit Spannung erwarte man die ebenfalls für heute geplante Refinanzierung Italiens. Vor dem Hintergrund der Regierungskrise in Rom werde sich an der zu erzielenden Rendite das Investorenverhalten ablesen lassen.

Auch im nächsten Jahr würden die Regierungen auf das Wohlwollen der Kapitalsammelstellen angewiesen sein und erfahrungsgemäß bereits zu Beginn des Jahres die ersten Neuemissionen auflegen. Dann werde sich zeigen, ob auch im Jahr 2013 die gezahlten "Minizinsen" den Investoren genügen würden oder ob nach Alternativen Ausschau gehalten werde.

Trotz der nur noch wenigen verbleibenden Handelstage in 2012 scheine am Devisenmarkt keine weihnachtliche Ruhe einzukehren. Denn in der Eurozone gebe es noch zu viele Themen, die für reichlich Unsicherheit an den Märkten sorgen würden.

Habe man noch vor Wochenfrist den Eindruck gehabt, dass der Euro lediglich von der "Fiskalklippe" positiv profitieren könnte, so habe man die Rechnung ohne Berlusconi gemacht. Die neuerliche Regierungskrise in Italien und die Besorgnis über die konjunkturelle Entwicklung in Euroland seitens der EZB hätten einen schwächeren Euro zur Folge gehabt (1,2876 USD), aber inzwischen habe die psychologisch wichtige Marke von 1,30 wieder überwunden werden können.

Gegenüber den meisten anderen Leitwährungen sei der Euro stabil gewesen, nur gegenüber dem Kiwi-Dollar (Neuseeland-Dollar, NZD) habe es anders ausgesehen. Sei die neuseeländische Landeswährung zum Monatsanfang noch bei 1,5925 NZD gehandelt worden, so würden Investoren aktuell für einen Euro nur noch 1,5490 NZD erhalten.

Weiterhin seien Privatanleger - im Hinblick auf die Eurokrise - auch zum Jahresende auf der Suche nach vernünftigen Alternativen zum Euro. Besonders im Fokus stünden hierbei nach wie vor Fremdwährungsanleihen und zwar insbesondere auf Norwegische Kronen, Australische Dollar und Türkische Lira lautende.

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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (13.12.2012/alc/a/a)






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