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Euro-Bund-Future: Goldene Zeiten für Bonds vorbei?
20.09.12 12:58
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - "Solange ich lebe" - Diese Aussage unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel, getroffen im Juni auf einer Sitzung der FDP-Bundestagsfraktion, ist inzwischen so nicht mehr nachvollziehbar, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Damals sollte damit einer gesamtschuldnerischen Haftung - zum Beispiel über Euro-Bonds - eine Absage erteilt werden. Doch durch die - bisher lediglich angedachten - unbegrenzten Käufe der Anleihen von Eurostaaten seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) werde die gesamtschuldnerische Haftung über die Hintertür initiiert. Dass diese Käufe bei genauerer Betrachtung der Urteilsbegründung aus Karlsruhe sogar verboten seien, scheine allerdings in Deutschland nur wenige Volksvertreter zu stören.
Zu den 190 Mrd. Euro würde Deutschland ansonsten noch, über ihre Beteiligung an der EZB im Falle eines Zahlungsausfalls oder Schuldenschnitts, eine zusätzliche Zahlungsverpflichtung übernehmen. Somit habe Frau Merkel bereits zu Lebzeiten das Zepter des Handelns aus der Hand gegeben. "In Brüssel wird es erdacht, in Deutschland wird es gemacht, in Italien wird gelacht", sagte Rainer Brüderle von der FDP jüngst in einem Interview. Dem sei nichts mehr hinzuzufügen.
In diesem Zusammenhang stelle sich immer wieder die Frage: "Ist ein Vertrag noch ein Vertrag"? Rechtssicherheit und Staatsschuldenkrise würden anscheinend nicht zusammenpassen. Denn der Maastrichter Vertrag enthalte die Bestimmungen zur Schaffung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Diese Maßgaben scheinen allerdings für verschiedene Politiker nicht mehr die Leitplanken für Interpretationen darzustellen und somit wird fleißig dagegen verstoßen, so die Analysten der Baader Bank.
Dass zum Beispiel die Gesamtverschuldung nicht mehr als 60% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen würden und das jährliche Haushaltsdefizit nicht höher als 3% des BIP sein dürfe (Art. 126 AEUV), sei anscheinend nicht so starr zu handhaben, wie es auf den ersten Blick erscheine. Sonst wäre bei einer deutschen Gesamtverschuldung von über 2 Billionen Euro eine Schuldenquote von über 80% des BIP nicht vertretbar. Darüber hinaus würden sogar die Schattenhaushalte unberücksichtigt bleiben.
Was mache man nicht alles zum Wohle Europas? Wohl dem, der einen "deutschen Michel" habe.
In punkto Neuemissionen habe es in den vergangenen Wochen einen wahren Ansturm am Kapitalmarkt gegeben. Nach den Beschlüssen der Europäischen Zentralbank und dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts über den ESM hätten sich auch Anleihen von Emittenten der Peripherieländer einer gestiegenen Nachfrage erfreuen können.
In der vergangenen Berichtswoche hätten vor allem die neuen Anleihen des Energiedienstleisters Techem für Aufsehen gesorgt. Das Unternehmen habe zwei Tranchen mit Laufzeiten von sieben und acht Jahren und Kupons von 6,125% bzw. 7,875% im Gesamtvolumen von ca. 750 Mio. Euro emittiert. Beide Anleihen seien mehrfach überzeichnet gewesen und hätten im Schnitt 3 Punkte bzw. 3% zulegen können. Techem sei mit Ba3/B+ benotet.
Aber auch die französische Unternehmensgruppe Bouygues SA habe 700 Mio. Euro am Kapitalmarkt einsammeln können. Der Bond des mit A3/BBB+ gerateten Unternehmens sei mit einem Kupon von 3,625% ausgestattet und im Jahre 2023 endfällig.
Darüber hinaus habe das spanische Petrochemieunternehmen Repsol 750 Mio. Euro zu 4,375% refinanzieren können. Die Schuldverschreibung werde in 2018 zurückbezahlt und sei mit Baa3/BBB- benotet.
Nicht zuletzt sei mit Energias de Portugal ein weiterer Emittent aus der Peripherie am Primärmarkt aktiv geworden. Der Energieversorger biete den Investoren einen jährlichen Kupon von 5,75%. Das Gesamtvolumen der 2018 endfälligen Anleihe betrage 750 Mio. Euro. Die Benotung liege mit Ba1/BB+ allerdings im Ramschbereich.
Die Investoren hätten vorerst ihre Bedenken ad acta gelegt und es bleibe zu hoffen, dass sich dieser Trend nicht schon bald wieder umkehren werde.
Die US-Notenbank habe das dritte Quantitative Easing angekündigt, um der amerikanischen Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Kritiker würden die Aktion auch als eine indirekte Unterstützung für den US-Präsidenten im amerikanischen Wahlkampf sehen. Denn dadurch würden wieder Mrd. USD in den Markt gepumpt und es werde eine künstliche Nachfrage erzeugt. Mit dem vorerst unbegrenzten Kaufprogramm wolle man die Konjunktur ankurbeln und zusätzlich den Leitzins auf tiefem Niveau einfrieren.
Bei der Verschuldung der USA hänge das Wohl einer ganzen Nation und ihrer Partner von der Höhe der Finanzierungskosten ab. Ein großer Schuldenberg und die daraus resultierende Gefahr von steigenden Zinsen seien eine tickende Zeitbombe. Dieses Problem habe die kleine, aber feine Ratingagentur Egan-Jones wiederum als erste erkannt und die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten von AA auf AA- herabgesetzt. Der Beschluss der FED werde der Wirtschaft mehr schaden als helfen, schätze Egan-Jones die Folgen ein. Sie verweise auf die Auswirkungen, wie den sinkenden USD und den Anstieg der Energiepreise sowie den Import von Waren. Bereits im April habe die Agentur die Kreditwürdigkeit des Landes von AA+ auf AA herabgestuft. Man dürfe gespannt sein, ob die großen Ratingagenturen folgen würden oder ob der politische Druck auf die Bonitätswächter so hoch sei, dass weitere Herabstufungen nicht stattfinden würden.
Noch vor wenigen Wochen hätten alle Zeichen auf einem "erkauften" Austritt Griechenlands aus der Eurozone gestanden. Aber inzwischen würden sich die Zeichen mehren, dass das Konstrukt unter allen Umständen am Leben gehalten werden solle. Koste es, was es wolle! Das könne aber für die Bundesrepublik Deutschland in zweierlei Hinsicht teuer werden. Einerseits wenn der Haftungsfall eintrete, aber auch andererseits wenn sich die Investitionen in Krisenländern wieder als "relativ sicher" einstufen lassen würden.
Dann würde nichts gegen einen Switch von "gut" in "weniger gut" sprechen und die Refinanzierungskosten würden für Deutschland merklich und nachhaltig steigen. Dennoch bestehe auch in einem solchen Falle kein Grund zur Panik, denn die Schuldenkrise habe auch deutlich gemacht, dass Anleihen guter Schuldner ein immer knapper werdendes Gut würden. Somit bestehe nicht die Gefahr eines Ausverkaufs von deutschen Staatsanleihen. Diese würden weiterhin zur Beimischung in den Depots der Investoren benötigt.
Auch die Gefahr eines einheitlichen Renditegefüges sei vorerst vom Tisch. Aus der Vergangenheit seien Lehren gezogen worden und die zu zahlenden Zinsen würden sich wieder an den Fundamentaldaten und der Bonität des einzelnen Schuldners orientieren.
Die japanische Notenbank sei immer wieder für eine Überraschung gut. Trotz jahrelanger Nullzinspolitik und drohender Zahlungsunfähigkeit sei auch in dieser Woche eine weitere Lockerung der Geldpolitik beschlossen worden. Das Programm zum Ankauf von Staatsanleihen sei um 10 Billionen JPY auf nunmehr 80 Billionen JPY ausgeweitet worden. Japan kämpfe wirtschaftlich weiterhin mit den Folgen der Naturkatastrophen und auch die Spannungen mit China würden der exportabhängigen Wirtschaft zu schaffen machen.
Die japanische Zinspolitik sei bereits vor vielen Jahren Anlass vieler Diskussionen gewesen und viele Experten hätten schon damals düstere Zukunftsperspektiven aufgezeigt. Japan ist zwar in vielerlei Hinsicht nicht mit anderen Staaten zu vergleichen, aber es zeigt uns auf, wie lange uns die Schuldenkrisen noch begleiten können, so die Analysten der Baader Bank. Es werde in diesem Zusammenhang zwar oft nur auf die europäische Krise verwiesen, aber auch in Amerika und Japan sei die Welt nicht in Ordnung.
Seien zu Wochenmitte vergangener Woche noch alle Blicke auf Karlsruhe gerichtet gewesen, so habe sich in dieser Handelswoche wieder Normalität eingestellt. Nach der juristischen Entscheidung liege das Augenmerk nun auf der politischen Umsetzung verschiedener Vorgaben. Aber auch die jüngsten Gerüchte bezüglich benötigter Hilfsgelder für Spanien und nicht zuletzt für Griechenland würden weiterhin die Märkte bestimmen. Bis zu diesen wichtigen Entscheidungen würden sich die Rentenmärkte in einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau einpendeln.
Die aktuelle Tradingrange liege zwischen 138,26% (Tief vom 29.06.12) und 140,50% (Hoch vom 12.09.12). Grundsätzlich könne man davon ausgehen, dass die Goldenen Zeiten für Bonds vorerst vorüber seien und sich die Anpassung der Renditeniveaus zwischen den Euroländern fortsetzen werde. Das bedeute aber keineswegs einen Kursverfall bei deutschen Anleihen und den entsprechenden Futures. Qualität werde auch weiterhin ihren Stellenwert behalten. Grundvoraussetzung für eine sanfte Spreadanpassung sei allerdings, dass es keinerlei Störfeuer seitens der Politik geben werde.
Nach der Ankündigung der Europäischen Zentralbank bezüglich des Rückkaufprogramms für Anleihen sei zwar noch nichts Konkretes passiert, aber die Lippenbekenntnisse hätten ausgereicht, um die Phantasie der Anleger anzuregen und die Renditen für die Sorgenkinder deutlich zu verringern. Die Gunst der Stunde hätten die Regierungen in Spanien und Italien genutzt, um sich ein finanzielles Polster zu verschaffen. Ein gesondertes Dankesschreiben an Herrn Draghi sei sicherlich zugestellt worden.
Dennoch seien weiterhin Renditeunterschiede innerhalb der Eurozone auszumachen und von den deutschen Refinanzierungskonditionen könnten die meisten Regierungen nur träumen. So sei die Aufstockung der zweijährigen Bundesschatzanweisungen bei einer 2,1fachen Überzeichnung zu einer Durchschnittsrendite von 0,06% erfolgt.
Lang, lang sei es her, dass man in der Eurozone so viel Optimismus und Zuversicht habe verspüren dürfen. Und das alles Dank der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Federal Reserve (FED). Die Ankündigung der EZB, Staatsanleihen von den Krisenstaaten zu kaufen, sowie die Aussicht auf ein neues QE3 seitens der FED hätten beim Euro ein wahres Kursfeuerwerk ausgelöst.
Die europäische Gemeinschaftswährung habe in der ersten Euphorie die Hürde bei 1,30 USD mit Leichtigkeit genommen und bei 1,3169 USD sogar ein neues Vier-Monats-Hoch markiert. Allerdings bleibe abzuwarten, ob sich der Euro nachhaltig über der Marke von 1,30 USD etablieren könne.
Aber nicht nur gegenüber dem Greenback, sondern auch im Vergleich zu den Alternativwährungen habe deutlich zugelegt werden können. Besonders hervorzuheben sei hier die Entwicklung zum Australischen Dollar (AUD). Anfang August sei dieser noch bei 1,16 AUD gehandelt worden und notiere aktuell wieder bei 1,2501.
Trotz der Stabilisierung des Euro seien die Anleger weiterhin daran interessiert, ihr Vermögen zu diversifizieren. Somit beobachte man ein unverändert großes Interesse an Fremdwährungsanleihen. Zu "Anleger’s Lieblingen" würden nach wie vor Anleihen auf Norwegische Kronen und Australische Dollar gehören.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
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Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Marie-Curie-Straße 24-28, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (20.09.2012/alc/a/a)
Damals sollte damit einer gesamtschuldnerischen Haftung - zum Beispiel über Euro-Bonds - eine Absage erteilt werden. Doch durch die - bisher lediglich angedachten - unbegrenzten Käufe der Anleihen von Eurostaaten seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) werde die gesamtschuldnerische Haftung über die Hintertür initiiert. Dass diese Käufe bei genauerer Betrachtung der Urteilsbegründung aus Karlsruhe sogar verboten seien, scheine allerdings in Deutschland nur wenige Volksvertreter zu stören.
Zu den 190 Mrd. Euro würde Deutschland ansonsten noch, über ihre Beteiligung an der EZB im Falle eines Zahlungsausfalls oder Schuldenschnitts, eine zusätzliche Zahlungsverpflichtung übernehmen. Somit habe Frau Merkel bereits zu Lebzeiten das Zepter des Handelns aus der Hand gegeben. "In Brüssel wird es erdacht, in Deutschland wird es gemacht, in Italien wird gelacht", sagte Rainer Brüderle von der FDP jüngst in einem Interview. Dem sei nichts mehr hinzuzufügen.
In diesem Zusammenhang stelle sich immer wieder die Frage: "Ist ein Vertrag noch ein Vertrag"? Rechtssicherheit und Staatsschuldenkrise würden anscheinend nicht zusammenpassen. Denn der Maastrichter Vertrag enthalte die Bestimmungen zur Schaffung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Diese Maßgaben scheinen allerdings für verschiedene Politiker nicht mehr die Leitplanken für Interpretationen darzustellen und somit wird fleißig dagegen verstoßen, so die Analysten der Baader Bank.
Dass zum Beispiel die Gesamtverschuldung nicht mehr als 60% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen würden und das jährliche Haushaltsdefizit nicht höher als 3% des BIP sein dürfe (Art. 126 AEUV), sei anscheinend nicht so starr zu handhaben, wie es auf den ersten Blick erscheine. Sonst wäre bei einer deutschen Gesamtverschuldung von über 2 Billionen Euro eine Schuldenquote von über 80% des BIP nicht vertretbar. Darüber hinaus würden sogar die Schattenhaushalte unberücksichtigt bleiben.
Was mache man nicht alles zum Wohle Europas? Wohl dem, der einen "deutschen Michel" habe.
In punkto Neuemissionen habe es in den vergangenen Wochen einen wahren Ansturm am Kapitalmarkt gegeben. Nach den Beschlüssen der Europäischen Zentralbank und dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts über den ESM hätten sich auch Anleihen von Emittenten der Peripherieländer einer gestiegenen Nachfrage erfreuen können.
In der vergangenen Berichtswoche hätten vor allem die neuen Anleihen des Energiedienstleisters Techem für Aufsehen gesorgt. Das Unternehmen habe zwei Tranchen mit Laufzeiten von sieben und acht Jahren und Kupons von 6,125% bzw. 7,875% im Gesamtvolumen von ca. 750 Mio. Euro emittiert. Beide Anleihen seien mehrfach überzeichnet gewesen und hätten im Schnitt 3 Punkte bzw. 3% zulegen können. Techem sei mit Ba3/B+ benotet.
Aber auch die französische Unternehmensgruppe Bouygues SA habe 700 Mio. Euro am Kapitalmarkt einsammeln können. Der Bond des mit A3/BBB+ gerateten Unternehmens sei mit einem Kupon von 3,625% ausgestattet und im Jahre 2023 endfällig.
Darüber hinaus habe das spanische Petrochemieunternehmen Repsol 750 Mio. Euro zu 4,375% refinanzieren können. Die Schuldverschreibung werde in 2018 zurückbezahlt und sei mit Baa3/BBB- benotet.
Nicht zuletzt sei mit Energias de Portugal ein weiterer Emittent aus der Peripherie am Primärmarkt aktiv geworden. Der Energieversorger biete den Investoren einen jährlichen Kupon von 5,75%. Das Gesamtvolumen der 2018 endfälligen Anleihe betrage 750 Mio. Euro. Die Benotung liege mit Ba1/BB+ allerdings im Ramschbereich.
Die Investoren hätten vorerst ihre Bedenken ad acta gelegt und es bleibe zu hoffen, dass sich dieser Trend nicht schon bald wieder umkehren werde.
Die US-Notenbank habe das dritte Quantitative Easing angekündigt, um der amerikanischen Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Kritiker würden die Aktion auch als eine indirekte Unterstützung für den US-Präsidenten im amerikanischen Wahlkampf sehen. Denn dadurch würden wieder Mrd. USD in den Markt gepumpt und es werde eine künstliche Nachfrage erzeugt. Mit dem vorerst unbegrenzten Kaufprogramm wolle man die Konjunktur ankurbeln und zusätzlich den Leitzins auf tiefem Niveau einfrieren.
Bei der Verschuldung der USA hänge das Wohl einer ganzen Nation und ihrer Partner von der Höhe der Finanzierungskosten ab. Ein großer Schuldenberg und die daraus resultierende Gefahr von steigenden Zinsen seien eine tickende Zeitbombe. Dieses Problem habe die kleine, aber feine Ratingagentur Egan-Jones wiederum als erste erkannt und die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten von AA auf AA- herabgesetzt. Der Beschluss der FED werde der Wirtschaft mehr schaden als helfen, schätze Egan-Jones die Folgen ein. Sie verweise auf die Auswirkungen, wie den sinkenden USD und den Anstieg der Energiepreise sowie den Import von Waren. Bereits im April habe die Agentur die Kreditwürdigkeit des Landes von AA+ auf AA herabgestuft. Man dürfe gespannt sein, ob die großen Ratingagenturen folgen würden oder ob der politische Druck auf die Bonitätswächter so hoch sei, dass weitere Herabstufungen nicht stattfinden würden.
Noch vor wenigen Wochen hätten alle Zeichen auf einem "erkauften" Austritt Griechenlands aus der Eurozone gestanden. Aber inzwischen würden sich die Zeichen mehren, dass das Konstrukt unter allen Umständen am Leben gehalten werden solle. Koste es, was es wolle! Das könne aber für die Bundesrepublik Deutschland in zweierlei Hinsicht teuer werden. Einerseits wenn der Haftungsfall eintrete, aber auch andererseits wenn sich die Investitionen in Krisenländern wieder als "relativ sicher" einstufen lassen würden.
Dann würde nichts gegen einen Switch von "gut" in "weniger gut" sprechen und die Refinanzierungskosten würden für Deutschland merklich und nachhaltig steigen. Dennoch bestehe auch in einem solchen Falle kein Grund zur Panik, denn die Schuldenkrise habe auch deutlich gemacht, dass Anleihen guter Schuldner ein immer knapper werdendes Gut würden. Somit bestehe nicht die Gefahr eines Ausverkaufs von deutschen Staatsanleihen. Diese würden weiterhin zur Beimischung in den Depots der Investoren benötigt.
Auch die Gefahr eines einheitlichen Renditegefüges sei vorerst vom Tisch. Aus der Vergangenheit seien Lehren gezogen worden und die zu zahlenden Zinsen würden sich wieder an den Fundamentaldaten und der Bonität des einzelnen Schuldners orientieren.
Die japanische Notenbank sei immer wieder für eine Überraschung gut. Trotz jahrelanger Nullzinspolitik und drohender Zahlungsunfähigkeit sei auch in dieser Woche eine weitere Lockerung der Geldpolitik beschlossen worden. Das Programm zum Ankauf von Staatsanleihen sei um 10 Billionen JPY auf nunmehr 80 Billionen JPY ausgeweitet worden. Japan kämpfe wirtschaftlich weiterhin mit den Folgen der Naturkatastrophen und auch die Spannungen mit China würden der exportabhängigen Wirtschaft zu schaffen machen.
Seien zu Wochenmitte vergangener Woche noch alle Blicke auf Karlsruhe gerichtet gewesen, so habe sich in dieser Handelswoche wieder Normalität eingestellt. Nach der juristischen Entscheidung liege das Augenmerk nun auf der politischen Umsetzung verschiedener Vorgaben. Aber auch die jüngsten Gerüchte bezüglich benötigter Hilfsgelder für Spanien und nicht zuletzt für Griechenland würden weiterhin die Märkte bestimmen. Bis zu diesen wichtigen Entscheidungen würden sich die Rentenmärkte in einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau einpendeln.
Die aktuelle Tradingrange liege zwischen 138,26% (Tief vom 29.06.12) und 140,50% (Hoch vom 12.09.12). Grundsätzlich könne man davon ausgehen, dass die Goldenen Zeiten für Bonds vorerst vorüber seien und sich die Anpassung der Renditeniveaus zwischen den Euroländern fortsetzen werde. Das bedeute aber keineswegs einen Kursverfall bei deutschen Anleihen und den entsprechenden Futures. Qualität werde auch weiterhin ihren Stellenwert behalten. Grundvoraussetzung für eine sanfte Spreadanpassung sei allerdings, dass es keinerlei Störfeuer seitens der Politik geben werde.
Nach der Ankündigung der Europäischen Zentralbank bezüglich des Rückkaufprogramms für Anleihen sei zwar noch nichts Konkretes passiert, aber die Lippenbekenntnisse hätten ausgereicht, um die Phantasie der Anleger anzuregen und die Renditen für die Sorgenkinder deutlich zu verringern. Die Gunst der Stunde hätten die Regierungen in Spanien und Italien genutzt, um sich ein finanzielles Polster zu verschaffen. Ein gesondertes Dankesschreiben an Herrn Draghi sei sicherlich zugestellt worden.
Dennoch seien weiterhin Renditeunterschiede innerhalb der Eurozone auszumachen und von den deutschen Refinanzierungskonditionen könnten die meisten Regierungen nur träumen. So sei die Aufstockung der zweijährigen Bundesschatzanweisungen bei einer 2,1fachen Überzeichnung zu einer Durchschnittsrendite von 0,06% erfolgt.
Lang, lang sei es her, dass man in der Eurozone so viel Optimismus und Zuversicht habe verspüren dürfen. Und das alles Dank der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Federal Reserve (FED). Die Ankündigung der EZB, Staatsanleihen von den Krisenstaaten zu kaufen, sowie die Aussicht auf ein neues QE3 seitens der FED hätten beim Euro ein wahres Kursfeuerwerk ausgelöst.
Die europäische Gemeinschaftswährung habe in der ersten Euphorie die Hürde bei 1,30 USD mit Leichtigkeit genommen und bei 1,3169 USD sogar ein neues Vier-Monats-Hoch markiert. Allerdings bleibe abzuwarten, ob sich der Euro nachhaltig über der Marke von 1,30 USD etablieren könne.
Aber nicht nur gegenüber dem Greenback, sondern auch im Vergleich zu den Alternativwährungen habe deutlich zugelegt werden können. Besonders hervorzuheben sei hier die Entwicklung zum Australischen Dollar (AUD). Anfang August sei dieser noch bei 1,16 AUD gehandelt worden und notiere aktuell wieder bei 1,2501.
Trotz der Stabilisierung des Euro seien die Anleger weiterhin daran interessiert, ihr Vermögen zu diversifizieren. Somit beobachte man ein unverändert großes Interesse an Fremdwährungsanleihen. Zu "Anleger’s Lieblingen" würden nach wie vor Anleihen auf Norwegische Kronen und Australische Dollar gehören.
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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (20.09.2012/alc/a/a)
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16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie


