Euro-Bund-Future: Der Countdown läuft


29.11.12 13:38
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Nach unzähligen erfolglosen Besprechungen wurde in der Nacht von Montag auf Dienstag nach über zwölf Stunden Verhandlungsmarathon endlich ein Kompromiss für Griechenland gefunden, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Ob hierfür ein Haltbarkeitsdatum bestimmt werden könne, sei mehr als ungewiss und sicherlich handle es sich hierbei dann nicht um ein Mindest- sondern um ein Maximal-Haltbarkeitsdatum. Dennoch sei kurz vor dem "Fest der Liebe" ein gemeinsamer Liederabend der Finanzminister der Eurogruppe für den 13. Dezember des Jahres anberaumt.

Seien mit der letzten Zeile die Schulden gemeint? Oder das Vermögen? Oder sogar Beides? Man brauche kein Prophet zu sein, um zu wissen, dass in 100 Jahren die Welt eine andere sein werde. Denn die "Lösung" für Griechenland werde Nachahmer bei anderen Staaten auf den Plan rufen und es würden sicherlich noch viele Klagen bei Gerichten eingereicht werden, die die Verfassungsmäßigkeit der Beschlüsse betreffen würden.

Hierdurch würden zum Beispiel unserem Bundeshaushalt Mittel i.H.v. 730 Mio. EUR entzogen. Diese resultieren aus Kursgewinnen (599 Mio. EUR) und Zinseinnahmen (131 Mio. EUR), die allesamt einer anderen Verwendung hätten zugeführt werden könnten. Nun sollten diese Gelder aber der griechischen Regierung direkt überwiesen werden und der deutsche Steuerzahler müsse die entstandene Lücke selbst schließen. Die Zinssenkung suggeriere sogar noch, dass im Vorfeld "sittenwidrige" Zinsen seitens Hellas zu zahlen gewesen seien. Dem sei aber nicht so und Griechenland sollte froh sein, dass andere Staaten - auf eigenes Risiko - Geld an den Kapitalmärkten aufnehmen würden, um Athen zu unterstützen.

Alles habe grundsätzlich einen Preis und wenn die Garantiegeber wirklich zur Kasse gebeten würden, dann sei kein Puffer mehr vorhanden. Somit könne man in Anlehnung an die Gebrüder Grimm konstatieren: "Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen". Wohl dem der ein deutsches Kröpfchen habe.

Kontrolle der Kritiker der mittelmäßigen Finanzpolitik - nicht anders sei die Übereinkunft der EU-Kommission, des Europaparlaments und der EU-Staaten zu verstehen, die sich auf schärfere Regeln für Rating-Agenturen geeinigt hätten. Die Bewertungen von EU-Staaten sollten nur noch zu vorher ganz bestimmten Terminen verkündet werden. Außerdem sollten die Kriterien offen gelegt werden, nach denen die Agenturen ihre Entscheidung gefällt haben, und komplexe Papiere sollten von verschiedenen Agenturen abwechselnd bewertet werden.

Damit möchten die Eurokraten verhindern, dass gewinnorientierte Rating-Agenturen sich mit günstigen Benotungen das Wohlwollen ihrer Geldgeber sichern würden. Die Bonitätswächter sollten darüber hinaus für grobe Fehlentscheidungen haftbar gemacht werden können. Hier stelle sich aber die Frage, wer die Fehlentscheidungen unter den Urteilen identifiziere? Die europäischen Politiker oder eine unabhängige europäische Rating-Agentur? Das könne ja noch heiter werden.

Der zweite Schuldenschnitt Griechenlands sei nach langer Debatte abgelehnt worden - noch. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte noch im Frühjahr beteuert, dass dieser Schuldenschnitt - überhaupt der erste in der Eurozone - ein Einzelfall bleiben solle. Auch der damalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy habe dem zugestimmt.

Doch trotz dieser Beteuerungen hätten die Regierungen Fakten geschaffen. Mit der Einführung des Euro-Rettungsschirms ESM sei gleichzeitig vorgeschrieben worden, dass ab Silvester alle neu aufgelegten Staatsanleihen ab einer Laufzeit von mehr als zwölf Monaten eine spezielle Umschuldungsklausel - so genannte Collective Action Clauses (CAC) - enthalten müssten. Diese würden Gläubigermehrheiten festlegen, um Änderungen der Zahlungsbedingungen verbindlich beschließen zu können. Das schließe die Verlängerung der Restlaufzeiten, die Senkung der Zinsen, ein Zahlungsmoratorium oder einen Forderungsabschlag ein. Diese CAC seien international kein Novum.

Viele Staaten haben die CAC in ihren Statuten festgeschrieben. Nur in Europa hätten die Staaten ihre Anleihen jeweils unter nationalem Recht begeben. Da die vor 2013 aufgelegten Anleihen diese Klauseln nicht enthalten würden, würden nun Experten befürchten, dass die CAC-Anleihen mit einem kleinen Abschlag gehandelt würden. Sie würden erwarten, dass das Bestreben, den Haushalt gut auszubalancieren, deutlich nachlasse, weil die CAC den Staaten einfache Umschuldungen erlauben würden.

Auch gegen Monatsende habe sich der Primärmarkt für Euro-Corporates im November erneut aktiv präsentiert. Von vorweihnachtlicher Ruhe sei in diesem Markt noch nichts zu spüren.

Zu Wochenbeginn habe der deutsche Automobilkonzern BMW eine Anleihe mit einer Laufzeit von fünfeinhalb Jahren und einem Kupon von 1,50% emittiert. Die Anleihe mit Fälligkeit Juni 2018 im Volumen von 750 Mio. EUR sei bei einem Kurs von 99,825% begeben worden. Dies habe einem Spread von +53 BP über Midswaps Entsprochen.

BASF, das nach Umsatz und Marktkapitalisierung führende Chemieunternehmen der Welt, habe am Dienstag 1 Mrd. EUR am Kapitalmarkt platziert. Die Konditionen der Emission seien mit 40 BP über Midswaps, dies entspreche einem Kurs von 98,822%, fixiert worden. Der Kupon der Anleihe mit Fälligkeit Dezember 2022 betrage 2,00%.

Der belgische Versorger Eandis habe den Investoren am gleichen Tag eine 500 Mio. EUR große Anleihe zu einem Spread von 115 BP über Midswaps präsentiert. Die Rückzahlung der Inhaber-Schuldverschreibung sei für November 2022 avisiert. Der Emissionspreis der mit einem Kupon von 2,75% ausgestatteten Anleihe betrage 98,97%.

Der größte französische Medienkonzern Vivendi, der in den Branchen Musik, Fernsehen, Film, Verlagswesen, Telekommunikation und Internet tätig sei, habe ebenfalls am Dienstag eine Anleihe mit Fälligkeit Januar 2020 emittiert. Gepreist worden seien die 700 Mio. EUR bei 135 BP über Midswaps. Der Emissionspreis für die Anleihe mit einem Kupon in Höhe von 2,50% habe bei 99,265% gelegen.

Zusätzlich hätten in dieser Woche die beiden Autohersteller Fiat und Renault jeweils eine Altemission aufgestockt. Refinanzieren können habe Fiat 400 Mio. EUR bis Oktober 2016 und Renault 250 Mio. EUR bis September 2017. Die beiden Anleihetranchen würden dann in naher Zukunft mit den bereits bestehenden Tranchen zusammengeführt.

Es sei einmal eine Staatskrise gewesen und diese sei unter Mitwirkung der EZB zu einer Bankenkrise geworden. Denn die EZB durfte bisher den Staaten nicht direkt helfen. Die Banken hätten diesen Part übernommen und mit dem billigen Geld Staatsanleihen erworben, denn auch die Staaten hätten sich gegenseitig nicht finanziell unterstützen dürfen. Aber das sei gestern gewesen und nun habe es wieder einen tiefen Griff in die Trickkiste gegeben: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) habe den Politikern den Weg zu einer noch größeren Vergemeinschaftung von Schulden geebnet.

Der Gerichtshof habe die "Nichtbestandsklausel" im Artikel 125 des EU-Vertrages aufgeweicht. Die Richter hätten erklärt, dass es der EU-Vertrag den europäischen Ländern nicht verbiete, sich untereinander finanzielle Unterstützung zu gewähren. Das sei nicht nur die Erlaubnis zum Vertragsbruch, es zwinge die Notenbanken auch, eine höhere Inflation zuzulassen. Die Europäische Notenbank müsse die Folgen durch die Maßnahmen des ESM hinnehmen, heiße es in der Urteilsbegründung. Denn der ESM solle nicht die Preisstabilität gewährleisten, sondern den Finanzierungsbedarf seiner Mitglieder decken würden.

Von was habe sich Justitia nur leiten lassen? Auch im Hinblick auf die gescheiterten Verhandlungen zum EU-Haushalt könne das Urteil fatale Folgen haben. Denn in diesen Gesprächen habe sich ebenso gezeigt, dass man nicht in der Lage sei, Investoren zu signalisieren: "Wir haben die Zeichen der Zeit verstanden und werden uns nach der Decke strecken, die uns zur Verfügung steht".

Frankreich werde immer mehr zum Problem für Europa und insbesondere für Euroland. Denn nach der jüngsten Herabstufung habe nun auch Fitch sich zu Wort gemeldet und der Grande Nation zu Verstehen gegeben, dass jede Underperformance bei den Schulden- und Reformzielen eine Neueinstufung der Bonität nach sich ziehen würde. Zusätzlich hätten die Analysten darauf verwiesen, dass das Defizitziel von 3% des BIP angesichts der düsteren Wachstumsaussichten eine Herausforderung sei. Denn unter anderem sei die Arbeitslosigkeit im Oktober des Jahres auf den höchsten Stand seit 14 Jahren geklettert.

Somit könne man bereits heute Wetten abschließen, wann Frankreich auch von Fitch herabgestuft werden werde.

Der Countdown läaufe. Nur noch 18 Handelstage und der Rest von heute würden uns vom Jahresultimo trennen. In dieser Zeit werde sich allerdings noch vieles ereignen, denn neben Entscheidungen zu Griechenland, Fiskalklippe und anderen Brandherden stehe bei den Zinsfutures noch der Roll-Over vom Dezember- in den März-Kontrakt an.

Habe in der ersten Euphorie der Griechenland-Lösung das Sorgenbarometer gen Süden schnellen lassen, so habe inzwischen aber u.a. die Unsicherheit in den USA bzgl. des Haushaltsstreits den Euro-Bund-Future, ähnlich einem Bungee-Band, wieder nach oben tendieren lassen. Somit habe sich an der Tradingrange nicht allzu viel geändert und die Begrenzungen seien weiterhin der Bereich um 141,84% (Tief vom 27.11.) und 144,49% (Hoch vom 23.07.). Es sei also noch alles möglich und somit gelte grundsätzlich auch der Spruch: "Totgesagte leben länger".

Meist beschäftige man sich am Kapitalmarkt mit den bekannten Emittenten und versuche zu analysieren, wie deren Refinanzierungs-Möglichkeiten aussehen würden. Kapitalbedarf besteht auch weiterhin bei verschiedenen Euroländern und so wagten sich die Staaten Belgien und Italien aus der Deckung und stockten bzw. stocken heute diverse Altemissionen auf, so die Analysten der Baader Bank.

Dass die Bundesrepublik Deutschland sich auch am gestrigen Mittwoch 3 Mrd. EUR in Form einer Aufstockung der fünfjährigen 0,50%-igen Bundesobligation Serie 164 am Kapitalmarkt habe beschaffen können, sei keine Überraschung gewesen. Auch nicht die Konditionen, die mit einer Durchschnittsrendite von 0,41% infolge einer 1,9-fachen Überzeichnung im Bereich des Üblichen gelegen hätten, hätten keinen Anlass gegeben, sich bei zukünftigen Emissionen auf eine sinkende Nachfrage einrichten zu müssen. Deutschland werde auch weiterhin eine exponierte Stellung einnehmen.

Gerne werde in diesem Zusammenhang auf die Absicht Irlands verwiesen, das ab dem kommenden Jahr wieder regelmäßig am Kapitalmarkt - und zwar monatlich - in Erscheinung treten möchte. Dadurch werde ein Teil der freudigen Erwartung der Kapitalmärkte bereits jetzt ins neue Jahr übertragen.

Es komme einem so vor als hätte man ein Déjà-vu, Griechenland sei abermals vor dem Bankrott gerettet worden. Wie oft habe man diese Meldung schon gelesen, aber so richtig daran glauben falle schwer. So sei auch diesmal die Nachricht am Devisenmarkt aufgenommen worden. Nach der Einigung der internationalen Geldgeber habe der Euro zuerst freundlich reagiert und sogar kurzzeitig die Marke von 1,30 USD zurückerobern können. Doch schnell habe sich unter den Devisenanlegern Ernüchterung breit gemacht und die Gemeinschaftswährung habe wieder an Boden verloren. Aktuell koste der Euro knapp 1,2947 US-Dollar.

Gegen den Trend habe der Euro in den vergangenen Handelswochen von einer erwarteten Änderung der japanischen Notenbankpolitik profitieren können. Denn mit 107,13 Yen habe ein neues sechseinhalb Monats-Hoch markiert werden können. Dieser Trend sei nun allerdings zum Erliegen und der Euro notiert aktuell bei 106,36 Yen gekommen.

Das Vertrauen der Anleger in die Eurozone sei auch nach den neuen Lösungen für Griechenland nicht sonderlich groß. Somit würden Fremdwährungsanleihen weiterhin im Fokus bleiben. Ganz oben auf der Watchlist der Privatanleger stünden Anleihen auf Australische Dollar, Norwegische Kronen und Türkische Lira.

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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (29.11.2012/alc/a/a)






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