Es kommt zunehmend auf die Kerninflation an


14.02.23 16:15
Merck Finck

München (www.anleihencheck.de) - Die heutigen US-Inflationsdaten zeigen, dass die Verbraucherpreise im Januar nur noch leicht gesunken sind, so Robert Greil, CFA, Chefstratege der Merck Finck A Quintet Private Bank.

Der Rückgang um lediglich ein Zehntel Prozentpunkt auf 6,4 Prozent bleibe hinter der Analystenerwartung von im Konsens 6,2 Prozent zurück. Damit werde von Seiten der FED ein restriktiverer Kurs als bisher erwartet wahrscheinlicher, mit Potenzial für weitere Leitzinsanhebungen. Zugleich sinke die Wahrscheinlichkeit sogar erster US-Leitzinssenkungen im späteren Jahresverlauf, mit denen Greil - anders als viele Marktteilnehmer - nach wie vor nicht rechne.

Dabei sollte der Fokus nicht nur auf die Gesamtinflation gelegt werden, die in den vergangenen Monaten vor allem durch den spürbaren Rückgang der Energiepreise gesunken sei. Problematischer dürften jetzt andere, hartnäckigere, Komponenten in der Inflationsberechnung werden, wie vor allem die Preise von Dienstleistungen oder auch die Mieten. Vor diesem Hintergrund gelte es, verstärkt auf die Kerninflation, also die um Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Inflationsrate, zu schauen. Diese sei in den USA im Januar ebenfalls nur noch um ein Zehntel Prozentpunkte auf 5,6 Prozent gesunken, wobei auch hier die Analysten im Durchschnitt mit einem etwas stärkeren Rückgang auf 5,5 Prozent gerechnet hätten. Während damit Amerikas Verbraucherpreisinflation seit ihrem Höchststand vom Sommer bei 9,1 Prozent um 2,7 Prozentpunkte nachgegeben habe, sei die Kerninflation lediglich (von ihrem Höchststand bei 6,6%) um einen einzigen Prozentpunkt gesunken.

Während die FED von Haus aus primär die Kerninflation im Blick habe, würden auch andere Notenbanken wie die EZB zunehmend auf die Kerninflation schielen, wie beispielsweise EZB-Ratsmitglied Isabel Schnabel vergangene Woche deutlich gemacht habe: Die Leitzinsen sollten laut ihr ein ausreichend restriktives Niveau erreichen, wobei es "robuste" Anzeichen dafür geben sollte, dass die "underlying inflation", also nichts anderes als die Kerninflation, zu ihrem Ziel zurückkehre. Dies sei bisher aber nicht erkennbar: Während in der Eurozone die Gesamtinflation im Januar von 9,2 Prozent auf 8,5 Prozent gefallen sei, habe die Kerninflation mit 5,2 Prozent auf dem höchsten Stand seit der Einführung des Euro verharrt.

Was heiße das für die nächsten Monate? Es bestehe das Risiko, dass nicht nur die FED, sondern auch die EZB ihre Geldpolitik restriktiver mit möglicherweise mehr Leitzinsanhebungen gestalte als von den Märkten bislang erwartet. Greil rechne nach wie vor auf beiden Seiten des Atlantiks - anders als andere Marktteilnehmer - in diesem Jahr weder bei der FED noch bei der EZB schon wieder mit ersten Leitzinssenkungen. (14.02.2023/alc/a/a)