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Es geht um die Wirtschaft


09.08.24 10:15
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - In der vergangenen Woche kam es an den Finanzmärkten zu erheblichen Schwankungen, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Sowohl die Anleiherenditen als auch die Aktienkurse seien deutlich gefallen, bevor sie sich wieder erholt hätten. Ausgelöst worden seien die Marktbewegungen ursprünglich durch eine Aufwertung des Yen, nachdem die Bank of Japan (BoJ) die Zinsen etwas stärker angehoben habe als erwartet.

Dies habe bei einigen großen Makro- und systematischen Fonds Stopp-Losses ausgelöst, die zu weiteren Yen-Käufen und zusätzlichen Stopps geführt hätten. In der Folge seien Carry-Trades aufgelöst worden. Es sei zu einer Flucht in Qualität gekommen - die Renditen hätten nachgegeben und Risikoanlagen seien unter Druck geraten.

Das alles sei zu einer Jahreszeit geschehen, in der die Liquidität gering sei und viele Investoren nicht an ihren Schreibtischen sitzen würden. Dadurch sei es zu übertriebenen Kursbewegungen gekommen. Diese seien durch den unerwartet schwachen US-Arbeitsmarktbericht Ende vergangener Woche noch verstärkt worden.

Am Ende eines turbulenten Handelstags in Asien sei der japanische Nikkei-Index am Montag innerhalb von nur acht Stunden um mehr als 12 Prozent gefallen.

Begleitet worden seien die Marktentwicklungen von Befürchtungen, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession abgleite. Nach Meinung der Experten seien diese Sorgen jedoch unbegründet. Insgesamt würden die Daten auf eine sanfte Landung hindeuten. Es gebe kaum Anhaltspunkte für einen Abschwung. Eine Reihe von Statistiken über den US-Arbeitsmarkt zeichne weiterhin ein gesundes Bild.

Die Arbeitslosenquote sei im vergangenen Monat gestiegen. Allerdings habe es Verzerrungen aufgrund des Hurrikans gegeben. Die Daten zu den offenen Stellen, den Anträgen auf Arbeitslosenunterstützung und dem Nettozuwachs an Arbeitsplätzen seien allesamt weiterhin positiv - auch wenn die Dynamik unbestreitbar geringer sei als zu Beginn des Jahres.

Unterdessen liege die Nowcast-Wachstumsprognose der Atlanta FED für das laufende Quartal bei 2,9 Prozent. Es gebe wenig Grund für den Offenmarktausschuss der US-Notenbank Federal Reserve (FED), seine Einschätzung der Wirtschaftslage zu ändern - es sei denn, ein weiterer erheblicher Rückgang der Aktienkurse würde zu einer spürbaren Verschärfung der finanziellen Bedingungen führen.

Die Experten würden weiterhin davon ausgehen, dass die FED die Zinsen auf ihrer September-Sitzung wahrscheinlich um 25 Basispunkte herabsetzen werde. Senkungen in ähnlicher Größenordnung seien im Dezember und im ersten Quartal des kommenden Jahres möglich, solange die Inflationsdaten günstig seien.

Diese Einschätzung stehe in krassem Gegensatz zu den Erwartungen der Marktteilnehmer, die Anfang dieser Woche eine Lockerung um bis zu 140 Basispunkte in den kommenden sechs Monaten prognostiziert hätten. Das gehe weit über das hinaus, was die Experten - und die Währungshüter selbst - erwarten würden.

Die Experten seien der Meinung, dass die Preisbildung derzeit von technischen Faktoren bestimmt werde und sich von den fundamentalen Bewertungen gelöst habe. Solche Zeiten der Volatilität und überschießender Märkte böten aus Sicht der Experten Chancen für aktive Anleger.

In einer Welt, in der viele Gelder passiv verwaltet würden, werde ein Großteil des Kapitals auf den Märkten von Maschinen gesteuert. Deren Modelle würden dazu neigen, den Faktor Momentum zu bevorzugen. Dies könne zu periodischen Schwankungen und Flash-Crashs führen. Solche aber würden einen attraktiven Einstiegspunkt für diejenigen bedeuten, die bereit seien, einen konträren Standpunkt einzunehmen.

Der Grund, warum die Zinserwartungen der Marktteilnehmer höchstwahrscheinlich falsch seien, liege letztlich darin, dass sich die geldpolitischen Entscheidungsträger auf die Realwirtschaft konzentrieren würden. Und da gebe es wenig Neuigkeiten. Die Zentralbanken würden sich zwar immer Gedanken über die Märkte machen. Letzten Endes würden sie sich bei der Erfüllung ihres geldpolitischen Mandats aber auf die Wirtschaftsdaten konzentrieren. Es gehe schließlich um die Wirtschaft. (09.08.2024/alc/a/a)