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Erwartungen an die EZB sind ins Unermessliche gestiegen


10.12.20 12:00
PGIM Fixed Income

Newark (www.anleihencheck.de) - Katharine Neiss, Chefvolkswirtin bei PGIM Fixed Income, kommentiert die heutige EZB-Sitzung im Vorfeld.

Vor dem Hintergrund der großen politischen Entscheidungen, die in dieser Woche in Europa anstünden, seien alle Augen auf die EZB gerichtet, die weitere Impulse geben dürfte. Seit Wochen würden die Mitglieder des EZB-Rats eine "Neujustierung der Förderinstrumente" signalisieren. Diese würden vermutlich über den Pandemie-Notkaufplan, bekannt als PEPP, und gezielte langfristige Refinanzierungsgeschäfte erfolgen, die dazu beitragen würden, den Kreditfluss in die Realwirtschaft zu unterstützen. Die Erwartungen seien inzwischen ins Unermessliche gestiegen, sodass die Gefahr bestehe, dass die EZB bei ihrer heutigen Sitzung unter den Erwartungen des Marktes bleibe. Eine Reihe von Faktoren spreche jedoch für weitere wesentliche geldpolitische Maßnahmen, möglicherweise bis Mitte 2022 bis zu 600 Milliarden Euro an zusätzlichen Käufen von Vermögenswerten.

Die Anfang März angekündigten zusätzlichen Nettoankäufe von Vermögenswerten in Höhe von 120 Mrd. Euro würden im Januar auslaufen, was zu einer geringfügigen Verschärfung der Finanzierungsbedingungen führen werde, unter ansonsten gleichen Bedingungen.

Die gesamte Region befinde sich mitten in einer zweiten Infektionswelle in diesem Winter, die früher eingesetzt habe, sich schneller ausbreite und länger andauern dürfte als angenommen. Dies habe die politischen Entscheidungsträger in Europa dazu veranlasst, einen Lockdown light einzuführen. Dieser werde vermutlich bis Anfang nächsten Jahres bestehen bleiben und sich entsprechend auf die Wirtschaftstätigkeit auswirken, insbesondere im Dienstleistungssektor.

Die Inflation sei nach wie vor besorgniserregend niedrig und setze den Abwärtstrend fort, der bereits vor der Pandemie beobachtet worden sei. Es sei unerlässlich, dass die europäischen geldpolitischen Entscheidungsträger unmissverständlich signalisieren würden, dass sie sich der Erreichung ihres Preisstabilitätsziels verpflichtet fühlen würden.

Der EZB-Rat könne diese drei Faktoren etwas besser angehen, indem er sein Programm zum Erwerb von Vermögenswerten weiter und länger ausdehne. Wir alle hoffen, dass die Pandemie dann nur noch eine vage Erinnerung sein wird, so Katharine Neiss, Chefvolkswirtin bei PGIM Fixed Income. (10.12.2020/alc/a/a)