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Erhöhte Inflation in CE/SEE - Neues makroökonomisches Gleichgewicht im Euroraum
20.02.23 10:02
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Die makroökonomischen Effekte/Verluste durch den Ukraine-Krieg werden am deutlichsten in einem direkten Vergleich der jetzt bzw. aktuell (erwarteten) Wachstums- und Inflationsraten für die Jahre 2022, 2023 und 2024 gemäß aktuellen Projektionen (Februar 2023) im Vergleich zu unseren Projektionen vor dem Krieg (Januar 2022), so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Der Großteil der Verluste in der Wirtschaftsleistung werde für Westeuropa und CE/SEE im laufenden Jahr erwartet, während die Inflationseffekte bereits 2022 eingetreten seien, 2023 fortbestünden und höchstwahrscheinlich auch 2024 noch spürbar sein würden. Interessanterweise sei die Erholung im 1. Halbjahr 2022 so stark gewesen, dass trotz der zunehmenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen im 2. Halbjahr 2022 einige CE/SEE-Länder oder die österreichische Wirtschaft unsere ursprünglichen (Vorkriegs-)BIP-Prognosen für das Jahr 2022 erreicht oder sogar übertroffen hätten. Der herausfordernde Winter unter völlig neuen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen werde jedoch die Ergebnisse für 2023 erheblich belasten und den Aufschwung in den folgenden Quartalen begrenzen.
Obwohl sich der Inflationsdruck - vor allem in CE/SEE, teils im Euroraum - bereits vor dem Ukraine-Krieg ausgebreitet habe (was sich auch in den bereits damals steigenden Inflationserwartungen in der Vorkriegszeit widergespiegelt habe), hätten zusätzliche angebotsseitige Faktoren, die durch den Ukraine-Krieg und die Sanktionen verstärkt worden seien, die Inflation in Europa auf ein historisch hohes Niveau beschleunigt - weit über Inflationsziele und/oder Toleranzbereiche der Zentralbanken hinaus.
Darüber hinaus seien Unternehmen lange Zeit in der Lage gewesen, höhere Inputkosten an die Verbraucher weiterzugeben (zum Teil aufgrund überschüssiger Ersparnisse aus COVID-Zeiten), was zu einer weiteren Verstärkung des Preisdrucks und einem weiteren Aufwärtstrend bei den Inflationserwartungen geführt habe. Der kriegsbedingte Inflationsschock sei in der CE/SEE-Region im Vergleich zu Westeuropa sogar noch viel stärker gewesen. Der Anteil der am stärksten betroffenen Posten (Energie, Brennstoffe, Nahrungsmittel) in den Verbraucherpreis-Warenkörben sei hier höher als in Westeuropa. Der Preisdruck sei in Mittelosteuropa nach wie vor am stärksten, wo er bereits vor der Pandemie zu spüren gewesen sei und 2020 keine Entlastung gebracht habe, wie im Euroraum zu beobachten gewesen sei. Ende 2022 habe die breit angelegte Teuerung auch in Südosteuropa auf die Kernkategorien der Inflation übergegriffen.
Für den Euroraum bedeute das veränderte Inflationsprofil, dass die Zeiten niedriger Inflation plus sehr niedriger Inflationserwartungen (unterhalb der EZB-Zielgrößen), die das letzte Jahrzehnt gekennzeichnet hätten, endgültig vorbei seien. Daher sei eine ultra-akkommodierende (unkonventionelle) Geldpolitik (d.h. negative Zinssätze, massive Ankäufe von Vermögenswerten, langfristige Zinsversprechen für niedrigere Zinssätze) zur Abwendung von Deflationsrisiken sowie zur Stabilisierung und Anhebung der Inflationserwartungen heute nicht mehr notwendig. Insofern hätten die inflationären Auswirkungen des Ukraine-Krieges zu einer Abkehr der EZB von der zuvor extrem akkommodierenden sowie marktverzerrenden unkonventionellen Geldpolitik geführt.
Auch Deutschland verzeichne nun eine höhere Inflation oberhalb des EZB-Inflationsziels, was - wenn nötig - sog. "interne" Abwertungen zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit in anderen Euroländern erleichtere, ohne die Gesamtinflation im Euroraum wieder in einen zu niedrigen Bereich zu drücken. Daher sähen die Analysten der RBI den Euroraum jetzt in einem völlig neuen makroökonomischen Gleichgewicht, das der EZB mehr Flexibilität und Spielraum biete.
Gleichzeitig hätten die Inflationseffekte dazu geführt, dass die öffentliche(n) Schuldenquote(n) kurzfristig (deutlich) gesunken seien. Vor dem Ukraine-Krieg sei der öffentliche Schuldenstand im Verhältnis zum BIP im Euroraum für 2023/2024 auf nahezu 100% geschätzt worden. Heute könnte diese Quote, trotz hoher Defizite im Jahr 2023/2024, um etwa 10 Prozentpunkte niedriger liegen (bei etwa 90%). Auf den ersten Blick bedeute dies eine Entlastung in diesem Politikbereich, doch langfristig könnten die Auswirkungen des strukturell höheren Zinsniveaus ab Mitte der 2020er Jahre zu neuen Herausforderungen führen.
Trotz aller skizzierten Korrekturen der Wirtschaftsprognosen sei es wichtig zu betonen, dass die europäische Wirtschaft insgesamt aufgrund einer Mischung verschiedener Faktoren (z.B. milder Winter, starke LNG-Käufe und pragmatische Sanktionspolitik) einen tiefen Wirtschaftsschock oder gar ein Katastrophenszenario vermieden habe. Die aktuellen und erwarteten Werte für das Wirtschaftswachstum und die Inflation im Euroraum insgesamt ähneln in etwa dem, was wir in der deutschen Wirtschaft in Zeiten hoher Energiepreise/Schocks in den 1970er/1980er Jahren gesehen haben, so die Analysten der RBI. Die Schwäche des privaten Verbrauchs und der Investitionen im zweiten Halbjahr 2022 passe ebenfalls gut zu einem breit angelegten, aber moderaten Rezessionsszenario in einer sog. Stagflation. Dennoch sei es wichtig zu betonen, dass sich wichtige Frühindikatoren bereits stabilisieren oder sogar nach oben tendieren würden. Diese Entwicklungen würden gut zu unseren "Stagflations"-Wachstumsprognosen im Jahr 2023 passen, die vor allem durch den schwachen Jahresauftakt überschattet würden.
Insgesamt würden die Analysten der RBI erwarten, dass im zweiten Halbjahr 2023 und 2024 eine bescheidene investitionsgetriebene Erholung einsetzen werde. Auch in Zukunft werden (wie in unserem ursprünglichen Vorkriegsszenario) EU-Mittel eine wichtige Quelle für die Finanzierung des Aufschwungs und des Übergangs in größeren Teilen des (südlichen) Euroraums und in Mittel- und Südosteuropa bleiben, so die Analysten der RBI. Diese Mittel würden ein wichtiger Wachstumsfaktor bleiben, von dem die meisten Länder bereits im Jahr 2022 in gewissem Umfang profitieren würden, und es werde erwartet, dass dies in den Jahren 2023 und 2024 noch stärker der Fall sein werde. (20.02.2023/alc/a/a)
Der Großteil der Verluste in der Wirtschaftsleistung werde für Westeuropa und CE/SEE im laufenden Jahr erwartet, während die Inflationseffekte bereits 2022 eingetreten seien, 2023 fortbestünden und höchstwahrscheinlich auch 2024 noch spürbar sein würden. Interessanterweise sei die Erholung im 1. Halbjahr 2022 so stark gewesen, dass trotz der zunehmenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen im 2. Halbjahr 2022 einige CE/SEE-Länder oder die österreichische Wirtschaft unsere ursprünglichen (Vorkriegs-)BIP-Prognosen für das Jahr 2022 erreicht oder sogar übertroffen hätten. Der herausfordernde Winter unter völlig neuen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen werde jedoch die Ergebnisse für 2023 erheblich belasten und den Aufschwung in den folgenden Quartalen begrenzen.
Obwohl sich der Inflationsdruck - vor allem in CE/SEE, teils im Euroraum - bereits vor dem Ukraine-Krieg ausgebreitet habe (was sich auch in den bereits damals steigenden Inflationserwartungen in der Vorkriegszeit widergespiegelt habe), hätten zusätzliche angebotsseitige Faktoren, die durch den Ukraine-Krieg und die Sanktionen verstärkt worden seien, die Inflation in Europa auf ein historisch hohes Niveau beschleunigt - weit über Inflationsziele und/oder Toleranzbereiche der Zentralbanken hinaus.
Darüber hinaus seien Unternehmen lange Zeit in der Lage gewesen, höhere Inputkosten an die Verbraucher weiterzugeben (zum Teil aufgrund überschüssiger Ersparnisse aus COVID-Zeiten), was zu einer weiteren Verstärkung des Preisdrucks und einem weiteren Aufwärtstrend bei den Inflationserwartungen geführt habe. Der kriegsbedingte Inflationsschock sei in der CE/SEE-Region im Vergleich zu Westeuropa sogar noch viel stärker gewesen. Der Anteil der am stärksten betroffenen Posten (Energie, Brennstoffe, Nahrungsmittel) in den Verbraucherpreis-Warenkörben sei hier höher als in Westeuropa. Der Preisdruck sei in Mittelosteuropa nach wie vor am stärksten, wo er bereits vor der Pandemie zu spüren gewesen sei und 2020 keine Entlastung gebracht habe, wie im Euroraum zu beobachten gewesen sei. Ende 2022 habe die breit angelegte Teuerung auch in Südosteuropa auf die Kernkategorien der Inflation übergegriffen.
Auch Deutschland verzeichne nun eine höhere Inflation oberhalb des EZB-Inflationsziels, was - wenn nötig - sog. "interne" Abwertungen zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit in anderen Euroländern erleichtere, ohne die Gesamtinflation im Euroraum wieder in einen zu niedrigen Bereich zu drücken. Daher sähen die Analysten der RBI den Euroraum jetzt in einem völlig neuen makroökonomischen Gleichgewicht, das der EZB mehr Flexibilität und Spielraum biete.
Gleichzeitig hätten die Inflationseffekte dazu geführt, dass die öffentliche(n) Schuldenquote(n) kurzfristig (deutlich) gesunken seien. Vor dem Ukraine-Krieg sei der öffentliche Schuldenstand im Verhältnis zum BIP im Euroraum für 2023/2024 auf nahezu 100% geschätzt worden. Heute könnte diese Quote, trotz hoher Defizite im Jahr 2023/2024, um etwa 10 Prozentpunkte niedriger liegen (bei etwa 90%). Auf den ersten Blick bedeute dies eine Entlastung in diesem Politikbereich, doch langfristig könnten die Auswirkungen des strukturell höheren Zinsniveaus ab Mitte der 2020er Jahre zu neuen Herausforderungen führen.
Trotz aller skizzierten Korrekturen der Wirtschaftsprognosen sei es wichtig zu betonen, dass die europäische Wirtschaft insgesamt aufgrund einer Mischung verschiedener Faktoren (z.B. milder Winter, starke LNG-Käufe und pragmatische Sanktionspolitik) einen tiefen Wirtschaftsschock oder gar ein Katastrophenszenario vermieden habe. Die aktuellen und erwarteten Werte für das Wirtschaftswachstum und die Inflation im Euroraum insgesamt ähneln in etwa dem, was wir in der deutschen Wirtschaft in Zeiten hoher Energiepreise/Schocks in den 1970er/1980er Jahren gesehen haben, so die Analysten der RBI. Die Schwäche des privaten Verbrauchs und der Investitionen im zweiten Halbjahr 2022 passe ebenfalls gut zu einem breit angelegten, aber moderaten Rezessionsszenario in einer sog. Stagflation. Dennoch sei es wichtig zu betonen, dass sich wichtige Frühindikatoren bereits stabilisieren oder sogar nach oben tendieren würden. Diese Entwicklungen würden gut zu unseren "Stagflations"-Wachstumsprognosen im Jahr 2023 passen, die vor allem durch den schwachen Jahresauftakt überschattet würden.
Insgesamt würden die Analysten der RBI erwarten, dass im zweiten Halbjahr 2023 und 2024 eine bescheidene investitionsgetriebene Erholung einsetzen werde. Auch in Zukunft werden (wie in unserem ursprünglichen Vorkriegsszenario) EU-Mittel eine wichtige Quelle für die Finanzierung des Aufschwungs und des Übergangs in größeren Teilen des (südlichen) Euroraums und in Mittel- und Südosteuropa bleiben, so die Analysten der RBI. Diese Mittel würden ein wichtiger Wachstumsfaktor bleiben, von dem die meisten Länder bereits im Jahr 2022 in gewissem Umfang profitieren würden, und es werde erwartet, dass dies in den Jahren 2023 und 2024 noch stärker der Fall sein werde. (20.02.2023/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 24.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


