Erweiterte Funktionen
Das Erbe von Mario Draghi
04.10.19 10:45
Raiffeisen Centrobank
Wien (www.anleihencheck.de) - Als neue EZB-Chefin dürfte Christine Lagarde ab November die extrem expansive Geldpolitik ihres Vorgängers fortsetzen, so die Analysten der Raiffeisen Centrobank.
Bei der Sitzung der Europäischen Zentralbank am 12. September habe Mario Draghi für einen Paukenschlag gesorgt: Neben der Senkung des Einlagezinssatzes um 10 Basispunkte auf minus 0,5 Prozent habe der Präsident des EZB-Direktoriums eine neue Runde der Quantitativen Lockerung (QE) angekündigt: Ab November wolle die Notenbank monatlich Anleihen im Volumen von 20 Mrd. Euro kaufen. Damit solle die Inflationsrate in der Eurozone in die Nähe des EZB-Ziels von "nahe, aber unter zwei Prozent" gebracht und damit die Konjunktur angekurbelt werden.
Mit den jüngsten Entscheidungen habe der scheidende EZB-Präsident Draghi seiner Nachfolgerin Christine Lagarde die künftige Marschroute der Notenbank vorgegeben. Im November werde die bisherige geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Draghi an der EZB-Spitze ablösen. Nach allgemeiner Einschätzung gelte Lagarde als "Taube", also als Verfechterin einer expansiven Geldpolitik. Schon als IWF-Chefin habe sie den Kurs der EZB stets gut geheißen.
Als Lagarde kürzlich dem EU-Parlament Rede und Antwort gestanden habe, habe sie keine Zweifel an einer Fortsetzung der extrem expansiven Geldpolitik aufkommen lassen. Zweieinhalb Stunden lang hätten die Parlamentarier von ihr wissen wollen, welchen Kurs sie als künftige Präsidentin der EZB einschlagen werde. Es gehe um "innovative Maßnahmen", habe Lagarde mehrmals betont, wie Teilnehmer berichtet hätten. Ihr Ziel sei es, die Konjunktur zu stützen.
Eine Überlegung sei, dass die EZB neben Anleihen künftig auch Aktien erwerbe - ein Instrument, das beispielsweise in Japan schon seit Jahren eingesetzt werde. Auf diese Weise könnte die Notenbank zusätzliche Milliarden in die Finanzmärkte pumpen - in der Hoffnung, dass dadurch die Konjunktur stimuliert werde. In Finanzkreisen werde seit Längerem auch über ein so genanntes "Helikoptergeld" diskutiert. Schon Draghi habe 2016 die Idee, die auf den US-Ökonomen Milton Friedman zurückgehe, als "sehr interessant" bezeichnet. Dabei würde jeder Bürger der EU einen gewissen Geldbetrag in bar erhalten, der anschließend in den Konsum fließen müsse. Auch dabei stehe die Ankurbelung von Wirtschaft und Inflation im Fokus.
Eine besonders kühne Idee habe Lagarde zu Jahresbeginn auf den Seiten des IWF publizieren lassen. Darin hätten Ökonomen vorgeschlagen, eine Strafsteuer auf Bargeld einzuführen. Eine solche Maßnahme würde insbesondere dann nötig, wenn der Leitzins unter null sinken würde. Denn dann könnten Sparer dazu übergehen, ihre Guthaben von den Bankkonten abzuheben und "unters Kopfkissen" zu legen, um der Geldentwertung zu entkommen. Deshalb würden die Experten in diesem Fall empfehlen, Bargeld mittels einer Strafsteuer möglichst unbeliebt zu machen.
Welche der Ideen eines Tages Realität werde, sei heute zwar noch nicht absehbar. Doch schon allein die Vorschläge würden zeigen, dass der "Werkzeugkasten" der EZB - trotz des Leitzinses bei null und des Einlagezinssatzes bei minus 0,5 Prozent - noch längst nicht ausgeschöpft sei. (Ausgabe vom 03.10.2019) (04.10.2019/alc/a/a)
Bei der Sitzung der Europäischen Zentralbank am 12. September habe Mario Draghi für einen Paukenschlag gesorgt: Neben der Senkung des Einlagezinssatzes um 10 Basispunkte auf minus 0,5 Prozent habe der Präsident des EZB-Direktoriums eine neue Runde der Quantitativen Lockerung (QE) angekündigt: Ab November wolle die Notenbank monatlich Anleihen im Volumen von 20 Mrd. Euro kaufen. Damit solle die Inflationsrate in der Eurozone in die Nähe des EZB-Ziels von "nahe, aber unter zwei Prozent" gebracht und damit die Konjunktur angekurbelt werden.
Mit den jüngsten Entscheidungen habe der scheidende EZB-Präsident Draghi seiner Nachfolgerin Christine Lagarde die künftige Marschroute der Notenbank vorgegeben. Im November werde die bisherige geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Draghi an der EZB-Spitze ablösen. Nach allgemeiner Einschätzung gelte Lagarde als "Taube", also als Verfechterin einer expansiven Geldpolitik. Schon als IWF-Chefin habe sie den Kurs der EZB stets gut geheißen.
Eine Überlegung sei, dass die EZB neben Anleihen künftig auch Aktien erwerbe - ein Instrument, das beispielsweise in Japan schon seit Jahren eingesetzt werde. Auf diese Weise könnte die Notenbank zusätzliche Milliarden in die Finanzmärkte pumpen - in der Hoffnung, dass dadurch die Konjunktur stimuliert werde. In Finanzkreisen werde seit Längerem auch über ein so genanntes "Helikoptergeld" diskutiert. Schon Draghi habe 2016 die Idee, die auf den US-Ökonomen Milton Friedman zurückgehe, als "sehr interessant" bezeichnet. Dabei würde jeder Bürger der EU einen gewissen Geldbetrag in bar erhalten, der anschließend in den Konsum fließen müsse. Auch dabei stehe die Ankurbelung von Wirtschaft und Inflation im Fokus.
Eine besonders kühne Idee habe Lagarde zu Jahresbeginn auf den Seiten des IWF publizieren lassen. Darin hätten Ökonomen vorgeschlagen, eine Strafsteuer auf Bargeld einzuführen. Eine solche Maßnahme würde insbesondere dann nötig, wenn der Leitzins unter null sinken würde. Denn dann könnten Sparer dazu übergehen, ihre Guthaben von den Bankkonten abzuheben und "unters Kopfkissen" zu legen, um der Geldentwertung zu entkommen. Deshalb würden die Experten in diesem Fall empfehlen, Bargeld mittels einer Strafsteuer möglichst unbeliebt zu machen.
Welche der Ideen eines Tages Realität werde, sei heute zwar noch nicht absehbar. Doch schon allein die Vorschläge würden zeigen, dass der "Werkzeugkasten" der EZB - trotz des Leitzinses bei null und des Einlagezinssatzes bei minus 0,5 Prozent - noch längst nicht ausgeschöpft sei. (Ausgabe vom 03.10.2019) (04.10.2019/alc/a/a)


