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Ende der Leitzinserhöhungen?
10.08.23 09:45
LOYS
Oldenburg (www.anleihencheck.de) - An den Finanzmärkten der Welt machte sich zuletzt Hoffnung auf ein baldiges Ende der Leitzinserhöhungen durch die Notenbanken breit, so Dr. Christoph Bruns und Ufuk Boydak von LOYS.
Vor allem auf den Aktienmärkten habe dies zu steigenden Notierungen geführt. Begründet werde die Aussicht auf nicht weiter steigenden Leitzinsen mit den Inflationsraten, die zuletzt zurückgegangen seien.
Für den amerikanischen Wirtschaftsraum sei jüngst eine Geldentwertungsrate von 3% gemeldet worden. Dieser Wert liege zwar deutlich oberhalb des Zielwertes von 2%, sei aber gegenüber den veröffentlichten Werten der Vormonate klar rückläufig.
Wesentlich schwieriger sei die Situation in Europa. Während Deutschland für den Juli einen vorläufigen Schätzwert von 6,2% vermeldet habe, sei die Geldentwertungsrate in Spanien auf 1,9% gesunken. Hinter diesen Zahlen verberge sich obendrein der Hinweis, dass von wirtschaftlicher Angleichung zwischen den EU-Ländern, wie sie durch die Einführung des Euro 1999 angestrebt worden sei, bis heute nicht die Rede sein könne. Immerhin seien aber auch in der Eurozone die Inflationsraten rückläufig. Man sollte sich erinnern, dass die Inflationsrate im Oktober 2022 stramme 10,2% betragen habe.
Ebenso sei inzwischen klar erkennbar, dass die gestiegenen Zinsen dämpfenden Einfluss auf die konjunkturelle Entwicklung entfalten würden. Somit würden die Notenbanken in ihr klassisches Dilemma geraten, zumal in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort nämlich bestehe das Mandat des Federal Reserve Systems darin, für geringe Geldentwertung und Vollbeschäftigung zu sorgen, während die Europäische Zentralbank ausschließlich der Preisstabilität verpflichtet sei. Für die amerikanischen Notenbanker entspanne sich der zielimmanente Konflikt durch die demografiebedingten Verbesserungen am Arbeitsmarkt. Der in der sog. Phillips-Kurve postulierte inverse Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit sei heutzutage weidlich entschärft. Dies erlaube der FED, sich vorwiegend der Inflationsbekämpfung zu widmen.
Die fortbestehende Vollbeschäftigung in den USA erkläre auch, warum die US-Zentralbank wesentlich aggressiver und schneller die Leitzinsen angehoben habe als etwa die Europäische Zentralbank, wobei zu bedenken sei, dass die europäischen Kurzfristzinsen sogar für einen längeren Zeitraum negativ gewesen seien (Stichwort "Verwahrentgelte"). Insofern wirke es kurios und aus deutschen Augen sogar unhistorisch, dass Amerika geringere Geldentwertung und zugleich höheren Preisstabilitätseifer an den Tag lege. Dergleichen sei zu D-Mark Zeiten, in welchen die Bundesbank noch etwas zu sagen gehabt habe, unvorstellbar gewesen. Tempi passati!
Weitaus problematischer als die Leitzinsentwicklung zeige sich jedoch die Lage am langen Ende der Zinsstrukturkurve. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege derzeit bei ca. 2,5% und damit 3,7% unterhalb der aktuellen Geldentwertungsrate. Zwar seien deutsche Zinsanleger mittlerweile hohe Realzinsverluste gewohnt, im Gegensatz zu den USA sei aber die Realvermögensentwicklung schwach; was freilich auch an der traditionellen Zinsobsession in Deutschland liege. Aber die inverse Zinsstrukturkurve bringe zusätzliche Herausforderungen für die Marktteilnehmer mit sich, denn die Notenbanken hätten in den vergangenen Jahren einen seinerzeit unvorstellbar hohen Betrag an Staatsanleihen am Markt unter der Chiffre "Quantitative Easing" aufgekauft. Sollten die Zentralbanker den Zinsmarkt normalisieren und wieder den Marktkräften überlassen wollen, dann müssten sie ungeheuerlich hohe Summe von Anleihen auf den Markt werfen. Es sei nicht zu erkennen, wer diese Anleihen zu den derzeitig gebotenen Renditen (d.h. negativen Realzinsen!) aufkaufen wollte. Insofern hänge über dem Rentenmarkt ein gigantisches Damoklesschwert.
Demgegenüber seien die Marktmechanismen auf dem Aktienmarkt vitaler. Hier sei der Marktprozess von Angebot und Nachfrage strukturell robuster, denn einen dominanten Marktakteur, wie es die Notenbanken am Rentenmarkt seien, gebe es gottlob nicht. (Ausgabe vom 31.07.2023) (10.08.2023/alc/a/a)
Vor allem auf den Aktienmärkten habe dies zu steigenden Notierungen geführt. Begründet werde die Aussicht auf nicht weiter steigenden Leitzinsen mit den Inflationsraten, die zuletzt zurückgegangen seien.
Für den amerikanischen Wirtschaftsraum sei jüngst eine Geldentwertungsrate von 3% gemeldet worden. Dieser Wert liege zwar deutlich oberhalb des Zielwertes von 2%, sei aber gegenüber den veröffentlichten Werten der Vormonate klar rückläufig.
Ebenso sei inzwischen klar erkennbar, dass die gestiegenen Zinsen dämpfenden Einfluss auf die konjunkturelle Entwicklung entfalten würden. Somit würden die Notenbanken in ihr klassisches Dilemma geraten, zumal in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort nämlich bestehe das Mandat des Federal Reserve Systems darin, für geringe Geldentwertung und Vollbeschäftigung zu sorgen, während die Europäische Zentralbank ausschließlich der Preisstabilität verpflichtet sei. Für die amerikanischen Notenbanker entspanne sich der zielimmanente Konflikt durch die demografiebedingten Verbesserungen am Arbeitsmarkt. Der in der sog. Phillips-Kurve postulierte inverse Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit sei heutzutage weidlich entschärft. Dies erlaube der FED, sich vorwiegend der Inflationsbekämpfung zu widmen.
Die fortbestehende Vollbeschäftigung in den USA erkläre auch, warum die US-Zentralbank wesentlich aggressiver und schneller die Leitzinsen angehoben habe als etwa die Europäische Zentralbank, wobei zu bedenken sei, dass die europäischen Kurzfristzinsen sogar für einen längeren Zeitraum negativ gewesen seien (Stichwort "Verwahrentgelte"). Insofern wirke es kurios und aus deutschen Augen sogar unhistorisch, dass Amerika geringere Geldentwertung und zugleich höheren Preisstabilitätseifer an den Tag lege. Dergleichen sei zu D-Mark Zeiten, in welchen die Bundesbank noch etwas zu sagen gehabt habe, unvorstellbar gewesen. Tempi passati!
Weitaus problematischer als die Leitzinsentwicklung zeige sich jedoch die Lage am langen Ende der Zinsstrukturkurve. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege derzeit bei ca. 2,5% und damit 3,7% unterhalb der aktuellen Geldentwertungsrate. Zwar seien deutsche Zinsanleger mittlerweile hohe Realzinsverluste gewohnt, im Gegensatz zu den USA sei aber die Realvermögensentwicklung schwach; was freilich auch an der traditionellen Zinsobsession in Deutschland liege. Aber die inverse Zinsstrukturkurve bringe zusätzliche Herausforderungen für die Marktteilnehmer mit sich, denn die Notenbanken hätten in den vergangenen Jahren einen seinerzeit unvorstellbar hohen Betrag an Staatsanleihen am Markt unter der Chiffre "Quantitative Easing" aufgekauft. Sollten die Zentralbanker den Zinsmarkt normalisieren und wieder den Marktkräften überlassen wollen, dann müssten sie ungeheuerlich hohe Summe von Anleihen auf den Markt werfen. Es sei nicht zu erkennen, wer diese Anleihen zu den derzeitig gebotenen Renditen (d.h. negativen Realzinsen!) aufkaufen wollte. Insofern hänge über dem Rentenmarkt ein gigantisches Damoklesschwert.
Demgegenüber seien die Marktmechanismen auf dem Aktienmarkt vitaler. Hier sei der Marktprozess von Angebot und Nachfrage strukturell robuster, denn einen dominanten Marktakteur, wie es die Notenbanken am Rentenmarkt seien, gebe es gottlob nicht. (Ausgabe vom 31.07.2023) (10.08.2023/alc/a/a)
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| 2,15 % | 2,15 % | - % | 0,00% | 31.05./17:30 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| XFARIV001614 | 2,65 % | 2,15 % | ||


