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Emerging Markets-Anleihen sind nach wie vor Ziel hoher Mittelzuflüsse


11.04.13 10:38
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Aktienmärkte der meisten Schwellenländer gaben im März abermals nach - der MSCI Emerging Markets-Index verlor fast 2%, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "emreport".

Die Schere gegenüber den etablierten Aktienmärkten habe sich damit weiter geöffnet, denn jene hätten im gleichen Zeitraum um rund 2% zugelegt. Innerhalb der Schwellenländerbörsen hätten vor allem die osteuropäischen Börsen deutliche Verluste verzeichnet, während einige südostasiatische Märkte zwischenzeitlich sogar auf neue Rekordhochs geklettert seien. Besonders die Entwicklungen rund um die zypriotische Bankenkrise hätten in der zweiten Monatshälfte spürbar auf dem weltweiten Risikosentiment gelastet.

Bei den Konjunkturaussichten für die Emerging Markets (EM) gebe es letztlich wenig Neues zu vermelden. In China scheine sich das Wachstumsbild zuletzt wieder etwas aufzuhellen, nachdem in den ersten Wochen des Jahres die Daten eher enttäuscht hätten. Insgesamt werde aber eine neuerliche wirtschaftliche Belebung in den Schellenländern vermutlich erst in der zweiten Jahreshälfte sichtbar werden. Und auch diesbezüglich gebe es durchaus Fragezeichen. Denn in der Eurozone scheine sich die wirtschaftliche Abschwächung derzeit eher zu vertiefen und für die USA könnten die nächsten Quartale ebenfalls schwächer verlaufen als vom Marktkonsens derzeit erwartet werde - die zwar moderaten, aber dennoch spürbaren fiskalischen Einschnitte dürften ihre volle Wirkung dort erst in den kommenden Monaten entfalten.

Damit falle China derzeit mehr denn je die Rolle der Wachstumslokomotive auch und gerade für die übrigen Schwellenländer zu. Immerhin würden letztere inzwischen fast genauso viele Güter nach China exportieren, wie in die USA oder die Eurozone. Chinas Importwachstum sei allerdings vergleichsweise moderat - ablesbar nicht zuletzt am recht kräftigen Rückgang der Rohstoffpreise in den vergangenen Monaten. Besonders rohstoffexportierende Schwellenländer (beispielsweise Brasilien, Russland, Chile, Südafrika) dürften daher eher mit anhaltend schwachen Wachstumsraten zu kämpfen haben. Staaten, wie Mexiko, Indien, Thailand oder die Philippinen hätten demgegenüber einen deutlich besseren Wachstumsausblick. Allerdings würden das auch ihre Aktienmärkte mit entsprechend überdurchschnittlichen, wenn nicht sogar schon teilweise recht hohen Bewertungen widerspiegeln.

Bemerkenswert sei der unerwartete Anstieg der Inflationsraten bzw. das überraschende Verharren trotz eigentlich erwarteter Rückgänge in einer ganzen Reihe von EM-Staaten - beispielsweise China, Brasilien, Indien. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, würde es den Handlungsspielraum der jeweiligen Notenbanken doch recht empfindlich einengen und zugleich könnte es negativ auf die EM-Anleihemärkte wirken. Denn diese seien nach den kräftigen Wertzuwächsen der vergangenen Jahre auf Bewertungsniveaus angelangt, die nicht mehr als "billig" zu bezeichnen seien und damit auch anfällig für größere negative Überraschungen auf der Inflationsfront.

Ungeachtet dessen seien Emerging Markets-Anleihen nach wie vor das Ziel hoher Mittelzuflüsse. Interessant werde die Frage, ob bei einem Abflauen dieser Zuflüsse mehr Kapital in Schwellenländer-Aktienmärkte fließen werde. Denn am Niedrigzinsumfeld in den entwickelten Industrienationen werde sich so bald nichts ändern. (Ausgabe April 2013) (11.04.2013/alc/a/a)