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Emerging Markets-Anleihen: Oase in der Zinswüste oder Dschungel voller Risiken?
01.07.20 10:30
Merck Finck Privatbankiers
München (www.anleihencheck.de) - Die Renditen an den Anleihemärkten sind in den vergangenen Jahren geschmolzen wie Eis in der Sonne, so Marc Decker, Leiter Asset Management, Merck Finck Privatbankiers.
Bei Staatsanleihen bester Bonität würden sie fast überall unter oder nahe null liegen. Deutlich positive Renditen gebe es nur noch für Anleger, die sich auf extrem lange Laufzeiten einlassen oder höhere Risiken eingehen würden. Auf der Suche nach einer Oase in der Zinswüste seien viele private wie institutionelle Anleger in die Schwellenländer gewandert. Doch hier würden nicht nur höhere, sondern teils auch ganz andere Fallstricke als in den entwickelten Ländern lauern. Anleger müssten aufpassen, damit die rettende Oase nicht zum Dschungel voller Risiken werde.
Besonders offensichtlich würden die erhöhten Risiken am Beispiel Argentinien. Der südamerikanische Staat steuere gerade auf die neunte Staatspleite in der Geschichte des Landes zu. Strukturelle wirtschaftliche Probleme würden hier Hand in Hand mit haushaltspolitischen Fehlentscheidungen und einem ineffizienten Verwaltungsapparat gehen. Würden zusätzlich negative externe Faktoren wie die Coronakrise hinzukommen, könne es für ein solches Land schnell eng werden.
Grundsätzlich seien politische Risiken in Schwellenländern größer als in Industrieländern. Während in Argentinien vor allem die Haushaltspolitik zu wünschen übrig lasse, gebe es andere Staaten, in denen sogar das politische System insgesamt instabil sei oder ein autokratisches System herrsche, das stets dem Risiko staatlicher Willkür ausgesetzt sei. Solche Faktoren müssten Anleger vorausschauend beobachten und handeln, bevor sie zu echten Bedrohungen für die Bonität eines Landes würden. Denn wenn solche Risiken wirklich schlagend würden, sei es meist schon zu spät für einen Ausstieg, weil die Anleihekurse dann schon kräftig gesunken seien. Umgekehrt gelte: Wer rechtzeitig agiere, könne bei Aufwärtsbewegungen dabei sein und schaue Abwärtsbewegungen vom Spielfeldrand zu.
Neben dem Bonitätsrisiko müsse bei Schwellenländeranleihen auch das Währungsrisiko in die Betrachtung mit einbezogen werden. Das gelte zumindest bei Schwellenländeranleihen in lokaler Währung. Denn die Währungen der Schwellenländer würden häufig heftigen Ausschlägen unterliegen. Gerade im Zusammenhang mit der Coronakrise und den damit verbundenen wirtschaftlichen Herausforderungen erhöhe sich das Risiko von Schwellenländeranleihen in lokaler Währung überproportional. Ein Blick auf die Währungsreserven der jeweiligen Länder sei deswegen elementar, denn so könnten Anleger eventuelle Unterdeckungen kurzfristiger Währungsschulden im Verhältnis zu den Währungsreserven frühzeitig aufspüren.
Vor allem Privatanleger würden die Risiken von Schwellenländeranleihen häufig unterschätzen. Zugleich seien die Risiken hier oft noch mit adäquaten Risikoprämien und entsprechenden Renditen vergütet. Bei entsprechend aktiver Risikosteuern würden die Experten Schwellenländer für attraktiv halten. Hier würden sie Schwellenländeranleihen in Hartwährung (zumeist US-Dollar) bevorzugen, die von anhaltenden makroökonomische Verbesserungen, einer positiven Marktdynamik und den relativ attraktiven Bewertungen profitieren würden, ohne dem lokalen Währungsrisiko ausgesetzt zu sein. (01.07.2020/alc/a/a)
Bei Staatsanleihen bester Bonität würden sie fast überall unter oder nahe null liegen. Deutlich positive Renditen gebe es nur noch für Anleger, die sich auf extrem lange Laufzeiten einlassen oder höhere Risiken eingehen würden. Auf der Suche nach einer Oase in der Zinswüste seien viele private wie institutionelle Anleger in die Schwellenländer gewandert. Doch hier würden nicht nur höhere, sondern teils auch ganz andere Fallstricke als in den entwickelten Ländern lauern. Anleger müssten aufpassen, damit die rettende Oase nicht zum Dschungel voller Risiken werde.
Grundsätzlich seien politische Risiken in Schwellenländern größer als in Industrieländern. Während in Argentinien vor allem die Haushaltspolitik zu wünschen übrig lasse, gebe es andere Staaten, in denen sogar das politische System insgesamt instabil sei oder ein autokratisches System herrsche, das stets dem Risiko staatlicher Willkür ausgesetzt sei. Solche Faktoren müssten Anleger vorausschauend beobachten und handeln, bevor sie zu echten Bedrohungen für die Bonität eines Landes würden. Denn wenn solche Risiken wirklich schlagend würden, sei es meist schon zu spät für einen Ausstieg, weil die Anleihekurse dann schon kräftig gesunken seien. Umgekehrt gelte: Wer rechtzeitig agiere, könne bei Aufwärtsbewegungen dabei sein und schaue Abwärtsbewegungen vom Spielfeldrand zu.
Neben dem Bonitätsrisiko müsse bei Schwellenländeranleihen auch das Währungsrisiko in die Betrachtung mit einbezogen werden. Das gelte zumindest bei Schwellenländeranleihen in lokaler Währung. Denn die Währungen der Schwellenländer würden häufig heftigen Ausschlägen unterliegen. Gerade im Zusammenhang mit der Coronakrise und den damit verbundenen wirtschaftlichen Herausforderungen erhöhe sich das Risiko von Schwellenländeranleihen in lokaler Währung überproportional. Ein Blick auf die Währungsreserven der jeweiligen Länder sei deswegen elementar, denn so könnten Anleger eventuelle Unterdeckungen kurzfristiger Währungsschulden im Verhältnis zu den Währungsreserven frühzeitig aufspüren.
Vor allem Privatanleger würden die Risiken von Schwellenländeranleihen häufig unterschätzen. Zugleich seien die Risiken hier oft noch mit adäquaten Risikoprämien und entsprechenden Renditen vergütet. Bei entsprechend aktiver Risikosteuern würden die Experten Schwellenländer für attraktiv halten. Hier würden sie Schwellenländeranleihen in Hartwährung (zumeist US-Dollar) bevorzugen, die von anhaltenden makroökonomische Verbesserungen, einer positiven Marktdynamik und den relativ attraktiven Bewertungen profitieren würden, ohne dem lokalen Währungsrisiko ausgesetzt zu sein. (01.07.2020/alc/a/a)


