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Emerging Markets-Anleihen: Mittel- bis langfristiger Ausblick bleibt positiv


19.04.17 09:00
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Das erste Quartal des neuen Jahres ist vorüber und es bietet sich an, eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen, so die Experten von Raiffeisen Capital Management in ihrem aktuellen "emreport".

Die Aktienmärkte der Schwellenländer hätten in ihrer Gesamtheit um fast 10% zugelegt - rund doppelt so viel wie die Aktienmärkte der Industrienationen. Die Wertzuwächse seien auf breiter Front erfolgt. Es habe nur wenige Länder gegeben, in denen die Kurse gegen den Trend verloren oder stagniert hätten. Auch Anleihen und Währungen vieler Emerging Markets (EM) hätten sich fester gezeigt. Einer der stärksten Treiber für die steigenden Kurse sei der anhaltende Zufluss von Anlagekapital international agierender Investoren in die Schwellenländer gewesen. Deutliche Renditevorteile bei vielen EM-Anleihen, erholte Rohstoffnotierungen und die vergleichsweise günstigen Aktienbewertungen dürften maßgebliche Faktoren dabei gewesen sein.

Die Leitzinsanhebung in den USA - die dritte im laufenden Zinsanhebungszyklus - habe faktisch keinerlei negative Spuren auf den Finanzmärkten hinterlassen. Sie sei im Vorfeld allgemein erwartet worden und die begleitenden Äußerungen der US-Notenbank hätten zusätzlich für Beruhigung bei den Marktteilnehmern gesorgt. Der Zinsschritt habe auch nicht zu einem steigenden US-Dollar oder höheren Renditen bei langlaufenden US-Staatsanleihen geführt. Im Gegenteil, sowohl die US-Renditen als auch die amerikanische Währung hätten anschließend nachgegeben.

Schwellenländer-Aktien erscheinen noch immer relativ attraktiv bewertet im internationalen Vergleich, so die Experten von Raiffeisen Capital Management. Absolut betrachtet seien die Bewertungsniveaus der meisten Emerging Markets nach den Kursanstiegen der vergangenen Monate allerdings eher im neutralen Bereich anzusiedeln. Wichtig werde in diesem Zusammenhang sein, wie sich die Unternehmensgewinne in den kommenden Quartalen entwickeln würden und ob die chinesische Konjunktur ihre aktuelle Dynamik beibehalten könne. Zwar hätten sich Chinas Konjunkturdaten und Vorlaufindikatoren in den letzten Wochen weiterhin robust präsentiert. Doch unter der Oberfläche würden sich Anzeichen dafür zeigen, dass die Wachstumsrisiken in den kommenden Monaten wieder zunehmen könnten.

In diesem Zusammenhang sei wichtig, dass China für einen Großteil der Schwellenländer nach wie vor sehr viel größere Bedeutung habe als etwa die USA und die EU. Auch Chinas Konjunktur wiederum hänge sehr viel stärker von Binnenkonsum und inländischen Investitionen ab als von Exporten nach Europa oder Nordamerika. Mit anderen Worten, ein weiterhin robustes Wachstum in den USA und der EU sei für die Schwellenländer zwar hilfreich, könnte aber eine etwaige Abschwächung in China nicht kompensieren. Natürlich sei das nur eine Gesamtaussage. In der individuellen Betrachtung stelle sich die Situation für die einzelnen Emerging Markets selbstverständlich sehr differenziert dar.

Insgesamt bleibe der mittel- bis langfristige Ausblick für Aktien und Anleihen der Emerging Markets bis auf weiteres positiv. Bei den Aktienmärkten erscheinen speziell die zentral- und osteuropäischen Märkte weiterhin sehr aussichtsreich, so die Experten von Raiffeisen Capital Management. Eine Korrekturbewegung sei nach den kräftigen Kurszuwächsen aber jederzeit möglich, umso mehr, als sich der MSCI Emerging Markets auch auf erhebliche charttechnische Widerstände zubewege. (Ausgabe April 2017) (19.04.2017/alc/a/a)