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Emerging Markets-Anleihen: Hohe Mittelzuflüsse halten an


13.05.13 15:55
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Aktienmärkte der meisten Schwellenländer korrigierten in der ersten Aprilhälfte, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "emreport".

Vor allem Rohstoffexporteure seien im Zuge fallender Rohöl-, Metall- und Edelmetallpreise unter Druck geraten. Gegen Monatsende habe eine teilweise kräftige Erholung eingesetzt, die auch in der ersten Maiwoche angehalten habe. Weiterhin stark hätten sich viele "Stars" der letzten zwölf Monate gezeigt - beispielsweise philippinische, thailändische oder auch türkische Aktien, die auf neue Allzeithochs geklettert seien.

Gleichwohl habe sich, global gesehen, die relativ schwächere Wertentwicklung der EM gegenüber den entwickelten Märkten fortgesetzt. Neben den in früheren "emreports" bereits angesprochenen fundamentalen Ursachen innerhalb der Schwellenländer (beispielsweise geringere oder nur schwach wachsende Produktivität und Profitabilität, zu starkes und zu schnelles Kreditwachstum) sei ein ganz wesentlicher Faktor dafür in den USA (und inzwischen auch in Japan) zu finden: die extremen geldpolitischen Maßnahmen der dortigen Notenbanken ("Quantitative Easing", QE).

Japans Notenbank (BoJ) habe Anfang April Käufe von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren in einem für die Märkte überraschend hohen Umfang angekündigt. Gemessen an der wirtschaftlichen Größe Japans übertreffe die BoJ damit sogar bei weitem alle diesbezüglichen Programme der US-Notenbank. Auch wenn einige dieser hunderten Mrd. USD bzw. hunderten Billionen JPY ihren Weg in andere Länder finden dürfte - der bei weitem größte Teil fließe bislang in die einheimischen Finanzsysteme und Kapitalmärkte und treibe dort Anleihe- und Aktienkurse auf immer neue Höhen.

Der Gleichlauf von Aktienkursen und Aktienmarktkapitalisierung in den USA einerseits und der Bilanzsumme der US-Notenbank (FED) andererseits sei augenfällig. Dass die US-Aktienindices fast täglich neue Rekordmarken erreichen würden, obwohl sich die volkswirtschaftlichen Daten verschlechtern würden und die meisten US-Aktien inzwischen nicht mehr billig seien, sei letztlich in hohem Maße eine direkte (und beabsichtigte) Folge der US-Notenbankpolitik. Solange die FED damit fortfahre, könnten vor allem die US-Aktienmärkte daher trotz schwacher Konjunkturdaten durchaus noch weiter steigen. Unendlich lange lasse sich das natürlich nicht fortsetzen und wie ein Ausstieg der FED aus den QE-Programmen aussehen könnte, ohne damit einen Crash auf den US-Finanzmärkten zu riskieren, sei bisher völlig offen.

Für die Emerging Markets bedeute dass, das sich der seit 2010 anhaltende Trend einer unterdurchschnittlichen relativen Wertentwicklung gegenüber den entwickelten Märkten zunächst noch fortsetzen könnte. Man dürfte sich aber näher am Ende als am Anfang dieses Trends befinden und er scheine in erster Linie zyklischer Natur zu sein. Vor allem bei einer stärkeren und nachhaltigen Belebung der Weltwirtschaft könnte er sich ziemlich schnell umkehren - und die Schwellenländer wieder deutlich stärker abschneiden.

Emerging Markets-Anleihen stünden unabhängig davon nach wie vor ganz oben in der Gunst vieler Investoren und würden weiterhin hohe Mittelzuflüsse verzeichnen. Sie seien damit ebenfalls ein starker indirekter Profiteur der QE-Programme in den Industrienationen. Angesichts zunehmend teurer Bewertungen wachse freilich auch ihre Abhängigkeit von fortgesetzten "geldpolitischen Lockerungen" der großen Notenbanken. (Ausgabe Mai 2013) (13.05.2013/alc/a/a)