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Einmal der geldpolitischen Versuchung widerstehen
20.10.15 10:51
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Eine wieder negative Inflationsrate, eine schwächelnde Industrieproduktion und kriselnde Schwellenländer haben die Spekulation angefacht, die EZB könnte ihr Anleihenankaufprogramm (QE) ausweiten, so Karsten Junius, Chefökonom bei der Bank J. Safra Sarasin.
Die Analysten würden die Wirkung einer solchen Entscheidung als gering einschätzen. Wirkungsvoller wären stärkere Strukturreformen und auch die Fiskalpolitik könne in einigen Ländern expansiver werden.
Wenn am Donnerstag die Europäische Zentralbank (EZB) tage, seien die Erwartungen der Finanzwelt klar: Sie würden auf Hinweise warten, ob und wann die EZB ihr QE-Programm ausweite. EZB-Präsident Draghi habe bereits auf der letzten Pressekonferenz darauf hingewiesen, dass Volumen, Zusammensetzung und Länge des Programms zur Diskussion stünden. In den letzten Wochen hätten verschiedene EZB-Ratsmitglieder dazu Stellung genommen. Der Österreicher Nowotny habe Sympathie signalisiert, andere hätten sich teilweise kritisch geäußert.
So würden Direktoriumsmitglieder Mersch und Coeure die Diskussion für verfrüht halten. Der Litauer Vasiliaukas sehe gar keine Notwendigkeit für eine weitere Lockerung und in die gleiche Richtung argumentiere die Deutsche Bundesbank. Aber das Thema bleibe auf dem Tisch, wohl auch weil Draghi mehr oder weniger ausgeschlossen habe, dass die derzeit bei -0,2% liegenden Einlagezinsen nochmals reduziert werden könnten.
Eine weitere Zinssenkung würde nun seine Glaubwürdigkeit beschädigen und vermutlich lediglich dazu führen, dass auch andere europäische Notenbanken wie die der Schweiz, von Dänemark und Schweden ihre Zinsen nochmals gesenkt oder wie im Fall UK erst später erhöht hätten. Für den Wechselkurs bliebe eine Zinssenkung daher ziemlich wirkungslos. Zu befürchten wäre das aber auch, wenn jetzt eine Ausweitung des QE-Programms beschlossen würde. Die Marktzinsen seien bereits extrem niedrig und würden nicht den Grund für die schwache Kreditentwicklung darstellen. Diese wäre auch dann nicht dynamischer, wenn die EZB beschlösse statt 60 Mrd. Euro pro Monat 80 Mrd. Euro an Wertpapieren zu kaufen.
Konjunkturelle Impulse sollten stattdessen von einer Kombination von expansiver Fiskalpolitik gekoppelt mit Strukturreformen kommen. Deutschland habe auf beiden Gebieten noch viel Potenzial. Reformen würden das mittelfristige Wachstumspotenzial erhöhen und das Vertrauen in eine nachhaltige Wirtschaftspolitik stärken. Sie würden in der kurzen Frist aber auch häufig mit Belastungen einhergehen, weswegen sie von expansiven fiskalpolitischen Impulsen begleitet werden sollten. Bei einem ausgeglichenen Haushalt bestehe dafür ausreichend Potenzial.
Und die EZB? Sie müsse akzeptieren, dass es extrem schwierig und kostspielig wäre, wenn sie allein versucht habe die Konjunktur- und Strukturprobleme Eurolands zu lösen. Statt einer vorschnellen Erhöhung ihrer monatlichen Ankäufe, könnte sie aber im nächsten Jahr beschließen, den Ausstieg aus dem QE-Programm fließender zu gestalten. Denkbar wäre beispielsweise, dass sie nach September 2015 ihre Käufe sukzessive um monatlich 10 oder 5 Mrd. Euro senke und so das Programm um 5 oder 11 Monate bzw. 150 oder 330 Mrd. ausweite. Welche der beiden Größen sie wähle, könne sie durchaus konjunkturabhängig entscheiden. Eine solche Verlängerung würde die Finanzmärkte schonen. Ob sie aber die Inflationsentwicklung beflügeln würden, dürfe auch nach den bisherigen Erfahrungen bezweifelt werden. (20.10.2015/alc/a/a)
Die Analysten würden die Wirkung einer solchen Entscheidung als gering einschätzen. Wirkungsvoller wären stärkere Strukturreformen und auch die Fiskalpolitik könne in einigen Ländern expansiver werden.
Wenn am Donnerstag die Europäische Zentralbank (EZB) tage, seien die Erwartungen der Finanzwelt klar: Sie würden auf Hinweise warten, ob und wann die EZB ihr QE-Programm ausweite. EZB-Präsident Draghi habe bereits auf der letzten Pressekonferenz darauf hingewiesen, dass Volumen, Zusammensetzung und Länge des Programms zur Diskussion stünden. In den letzten Wochen hätten verschiedene EZB-Ratsmitglieder dazu Stellung genommen. Der Österreicher Nowotny habe Sympathie signalisiert, andere hätten sich teilweise kritisch geäußert.
Eine weitere Zinssenkung würde nun seine Glaubwürdigkeit beschädigen und vermutlich lediglich dazu führen, dass auch andere europäische Notenbanken wie die der Schweiz, von Dänemark und Schweden ihre Zinsen nochmals gesenkt oder wie im Fall UK erst später erhöht hätten. Für den Wechselkurs bliebe eine Zinssenkung daher ziemlich wirkungslos. Zu befürchten wäre das aber auch, wenn jetzt eine Ausweitung des QE-Programms beschlossen würde. Die Marktzinsen seien bereits extrem niedrig und würden nicht den Grund für die schwache Kreditentwicklung darstellen. Diese wäre auch dann nicht dynamischer, wenn die EZB beschlösse statt 60 Mrd. Euro pro Monat 80 Mrd. Euro an Wertpapieren zu kaufen.
Konjunkturelle Impulse sollten stattdessen von einer Kombination von expansiver Fiskalpolitik gekoppelt mit Strukturreformen kommen. Deutschland habe auf beiden Gebieten noch viel Potenzial. Reformen würden das mittelfristige Wachstumspotenzial erhöhen und das Vertrauen in eine nachhaltige Wirtschaftspolitik stärken. Sie würden in der kurzen Frist aber auch häufig mit Belastungen einhergehen, weswegen sie von expansiven fiskalpolitischen Impulsen begleitet werden sollten. Bei einem ausgeglichenen Haushalt bestehe dafür ausreichend Potenzial.
Und die EZB? Sie müsse akzeptieren, dass es extrem schwierig und kostspielig wäre, wenn sie allein versucht habe die Konjunktur- und Strukturprobleme Eurolands zu lösen. Statt einer vorschnellen Erhöhung ihrer monatlichen Ankäufe, könnte sie aber im nächsten Jahr beschließen, den Ausstieg aus dem QE-Programm fließender zu gestalten. Denkbar wäre beispielsweise, dass sie nach September 2015 ihre Käufe sukzessive um monatlich 10 oder 5 Mrd. Euro senke und so das Programm um 5 oder 11 Monate bzw. 150 oder 330 Mrd. ausweite. Welche der beiden Größen sie wähle, könne sie durchaus konjunkturabhängig entscheiden. Eine solche Verlängerung würde die Finanzmärkte schonen. Ob sie aber die Inflationsentwicklung beflügeln würden, dürfe auch nach den bisherigen Erfahrungen bezweifelt werden. (20.10.2015/alc/a/a)


