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Eine moderate Straffung wird der EZB aus ihrem Dilemma helfen
11.03.22 10:50
BNY Mellon IM
Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Trotz des Ukraine-Konflikts sorgte die EZB mit ihrer jüngsten Entscheidung für eine Überraschung, so Lale Akoner, leitende Marktstrategin bei BNY Mellon Investment Management.
Wie erwartet habe sie ihre wichtigsten geldpolitischen Positionen für die nahe Zukunft unverändert gelassen. Sie habe aber eine schnellere Drosselung der Anleihekäufe beschlossen und auf die Möglichkeit hingewiesen, diese im dritten Quartal zu beenden, falls sich die Inflationsaussichten nicht abschwächen würden.
Die EZB werde nun im April Anleihen im Wert von 40 Mrd. Euro, im Mai im Wert von 30 Mrd. Euro und im Juni im Wert von 20 Mrd. Euro kaufen. Bisher seien monatliche Käufe im Wert von 40 Mrd. Euro im zweiten Quartal, 30 Mrd. Euro im dritten Quartal und 20 Mrd. Euro im vierten Quartal vorgesehen gewesen.
Die Möglichkeit niedrigerer Zinssätze über den Prognosezeitraum hinweg sei gestrichen worden. Außerdem ersetze die EZB ihre Zusage, die Ankäufe von Vermögenswerten kurz vor einem Zinsanstieg zu beenden, durch eine schrittweise Zinserhöhung irgendwann nach dem Ende der quantitativen Lockerung.
In ihrer Erklärung habe die Notenbank die durch die Lage in der Ukraine verursachte Unsicherheit eingeräumt. Die EZB habe ihre Bereitschaft betont, zu handeln, um reibungslose Liquiditätsbedingungen zu gewährleisten, das Preisstabilitätsmandat zu erfüllen und die Finanzstabilität zu sichern.
So würden Anleger reagieren: Die Märkte würden die Leitlinien als aggressiv interpretieren und eine frühere Zinserhöhung als bisher erwartet für möglich halten. Die Geldmärkte würden nun von einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Oktober ausgehen.
Die größte Herausforderung für die EZB liege darin, wie sie auf die zunehmenden Stagflationssorgen in Europa nach der Ukraine-Krise reagieren solle. Das Dilemma: Wie könne die EZB die höhere Inflation in den Griff bekommen und auf Zielniveau führen sowie gleichzeitig sicherstellen, dass die voraussichtlichen Auswirkungen der Ukraine-Krise auf die Realeinkommen nicht noch verschärft würden? Die Experten würden erwarten, dass die EZB in diesem äußerst unsicheren makroökonomischen Umfeld die geldpolitischen Bedingungen nicht überstürzt ändern werde. Sie werde höchstwahrscheinlich gegen Ende des Jahres eine moderate Zinserhöhung vornehmen. Eine moderate Straffung dürfte die erhöhten mittelfristigen Inflationssorgen lindern, aber auch die zunehmende Bedrohung der Gesamtnachfrage durch die Ukraine-Krise berücksichtigen. (Ausgabe vom 10.03.2022) (11.03.2022/alc/a/a)
Wie erwartet habe sie ihre wichtigsten geldpolitischen Positionen für die nahe Zukunft unverändert gelassen. Sie habe aber eine schnellere Drosselung der Anleihekäufe beschlossen und auf die Möglichkeit hingewiesen, diese im dritten Quartal zu beenden, falls sich die Inflationsaussichten nicht abschwächen würden.
Die EZB werde nun im April Anleihen im Wert von 40 Mrd. Euro, im Mai im Wert von 30 Mrd. Euro und im Juni im Wert von 20 Mrd. Euro kaufen. Bisher seien monatliche Käufe im Wert von 40 Mrd. Euro im zweiten Quartal, 30 Mrd. Euro im dritten Quartal und 20 Mrd. Euro im vierten Quartal vorgesehen gewesen.
In ihrer Erklärung habe die Notenbank die durch die Lage in der Ukraine verursachte Unsicherheit eingeräumt. Die EZB habe ihre Bereitschaft betont, zu handeln, um reibungslose Liquiditätsbedingungen zu gewährleisten, das Preisstabilitätsmandat zu erfüllen und die Finanzstabilität zu sichern.
So würden Anleger reagieren: Die Märkte würden die Leitlinien als aggressiv interpretieren und eine frühere Zinserhöhung als bisher erwartet für möglich halten. Die Geldmärkte würden nun von einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Oktober ausgehen.
Die größte Herausforderung für die EZB liege darin, wie sie auf die zunehmenden Stagflationssorgen in Europa nach der Ukraine-Krise reagieren solle. Das Dilemma: Wie könne die EZB die höhere Inflation in den Griff bekommen und auf Zielniveau führen sowie gleichzeitig sicherstellen, dass die voraussichtlichen Auswirkungen der Ukraine-Krise auf die Realeinkommen nicht noch verschärft würden? Die Experten würden erwarten, dass die EZB in diesem äußerst unsicheren makroökonomischen Umfeld die geldpolitischen Bedingungen nicht überstürzt ändern werde. Sie werde höchstwahrscheinlich gegen Ende des Jahres eine moderate Zinserhöhung vornehmen. Eine moderate Straffung dürfte die erhöhten mittelfristigen Inflationssorgen lindern, aber auch die zunehmende Bedrohung der Gesamtnachfrage durch die Ukraine-Krise berücksichtigen. (Ausgabe vom 10.03.2022) (11.03.2022/alc/a/a)


