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Eine gewagte Prognose: Die Anleihen-Trends 2020


13.11.19 12:15
Wolfgang Steubing AG

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Es ist sicherlich ein bisschen gewagt, sich Anfang November 2019 aus deutscher Sicht mit den Anleihen-Trends 2020 zu beschäftigen, so das Asset Management Team der Steubing AG.

Unser Lieblingsthema Brexit steht auch noch zu Weihnachten 2019 vor der Türe und - wir sollten nicht vergessen - die so genannte GroKo hat das Jahr 2019 auch noch nicht überlebt, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. Damit sei der Kampf der CDU und des SPD-Finanzministers für die schwarze Null im Staatshaushalt 2020 auch noch nicht gewonnen. Vielleicht höre ja eine neue Regierung - wie auch immer sie sich zusammensetzt möge - auf die führenden fünf deutschen Wirtschaftsweisen in ihrem Herbstgutachten oder auf die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die beide eher ein Konjunkturprogramm zum Ausbau der mittlerweile maroden Infrastruktur fordern würden. Machen wir uns nichts vor: Hier geht es nicht nur um den Ausbau der klassischen Autobahnen sondern wohl gerade auch um den Ausbau von Datenautobahnen, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG.

All dies werde zusammen mit der immer weiter ausufernden Regulierung durch Basel (umgangssprachlich) IV direkte Auswirkungen auf den Anleihemarkt 2020 haben. Also sehen wir in die Glaskugel: Banken werden Risiken aus den Büchern kegeln oder müssen sie sich aufgrund von Basel IV noch teurer bezahlen lassen, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. Selbst global aufgestellte Unternehmen - wie zuletzt Wirecard - würden Unternehmensanleihen begeben, um die hoch verzinsten Kredite bei den Banken abzulösen. Diesen Trend werde man im Jahr 2020 noch verstärkt sehen.

Gleichzeitig müssten Unternehmen Investitionen tätigen, um den Schritt in die Industrie 4.0 nicht zu verschlafen - die Analysten würden hier nicht nur von Großunternehmen reden. Auch mittelständische Unternehmen, wie z.B. aus der Automobilzulieferbranche, würden, um wettbewerbsfähig zu bleiben, investieren müssen. Also werde es auch hier voraussichtlich zu vermehrten Anleiheemissionen kommen.

Nach den beiden Rekordausfalljahren 2015 und 2016 im Segment der KMU-Anleihen habe schon 2017 wieder einigermaßen Normalität geherrscht. 2018 und dieses Jahr hätten sich sehr gut entwickelt. Vernünftige Kupons für vernünftige Unternehmen. Dennoch sehe man, dass die Anleger anscheinend (glücklicherweise) erwachsen geworden seien. Saxony Minerals & Exploration (SME) habe eine Anleihe von bis zu 30 Mio. Euro begeben wollen - 5,15 Mio. Euro seien trotz einem Kupon von 7,75% nur zusammen gekommen. Anscheinend hätten Privatanleger für rund 1,57 Mio. Euro gezeichnet. Ein Kupon von 7,75% alleine reiche anscheinend nicht mehr aus, um zu locken. Dennoch sähen die Analysten der Wolfgang Steubing AG auch in diesem Segment für 2020 weiterhin eine gute Entwicklung.

Ein bisschen nebeliger in unserer Glaskugel wird es beim Thema Staatsanleihen, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. Die USA würden im Wahljahr 2020 definitiv, um eine boomende Binnenkonjunktur zu erzeugen und Investitionen zu tätigen, viele Anleihen emittieren. In Europa hänge viel von den schon angesprochenen zwei offenen Punkten ab. Die Wahl in Großbritannien am 12. Dezember 2019 und den damit zu vollziehenden (oder auch mal wieder nicht) Brexit, sowie ob die GroKo in Deutschland scheitere. Aber alleine wegen der Wahlen in den USA sei davon auszugehen, dass sich das Emissionsvolumen des Gesamtmarktes für Staatsanleihen weltweit erhöhen werde.

Der Daumen für das Anleihejahr 2020 zeige klar nach oben. (13.11.2019/alc/a/a)