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Eine chaotische Woche in Großbritannien


23.06.23 12:23
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Bank of England überraschte die Marktteilnehmer mit einem unerwartet großen Zinsschritt, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.

Der Experte sehe große Risiken für das Vereinigte Königreich. In den USA und der Eurozone seien die Zinserhöhungen aus seiner Sicht (fast) abgeschlossen.

Die Renditen von Staatsanleihen hätten sich in der vergangenen Woche seitwärts bewegt. Nach den Juni-Sitzungen der US-Notenbank FED und der Europäischen Zentralbank seien die Marktschwankungen geringer gewesen. Insgesamt sei das makroökonomische Umfeld aber nach wie vor schwierig. In einem fortgeschrittenen Konjunkturzyklus scheine nach wie vor Geduld geboten.

Die Experten seien der Meinung, dass schwächere Konjunktur- und Inflationsdaten zu einer Pause auf der FED-Sitzung im Juli führen könnten. Sollte dies der Fall sein, würden die US-Währungshüter die Zinsen danach wahrscheinlich nicht wieder anheben - außer im Falle negativer Inflationsüberraschungen. In diesem Zusammenhang sei es plausibel, dass man nun den Höhepunkt des US-Zinszyklus erreicht habe.

In der Eurozone schwäche sich die Konjunktur ebenfalls ab. Die Experten seien daher der Meinung, dass man sich auch hier dem Höhepunkt des Zinszyklus nähere. Für den Juli würden sie mit einer Anhebung des Einlagezinses auf 3,75 Prozent rechnen. Das könnte aber der letzte Schritt sein.

Ein geringerer Preisdruck im Laufe des Sommers und gut verankerte Inflationserwartungen dürften dazu führen, dass sich die Renditen auf dem derzeitigen Niveau stabilisieren würden. Angesichts des sich abzeichnenden Höchststands der Leitzinsen werde sich die Aufmerksamkeit auf die Verringerung der aufgeblähten EZB-Bilanz richten. Es bestehe die Möglichkeit, dass die Re-Investitionen in das Pandemie-Notfallankaufprogramm (Pandemic Emergency Purchase Programme) vor Ende 2024 eingestellt würden. Der aktive Verkauf von Wertpapieren hingegen sei vorerst unwahrscheinlich.

Eine weitere chaotische Woche habe das Vereinigte Königreich erlebt. Die Bank of England (BoE) habe mit einer Anhebung des Leitzinses um 50 Basispunkte auf 5 Prozent überrascht. Aufgrund einer zu Beginn der Woche gemeldeten Kerninflation von erschreckenden rund 7 Prozent hätten die Marktteilnehmer schnell die Möglichkeit eingepreist, dass die BoE weitere größere Schritte gehen und den Leitzins bis zum Jahresende möglicherweise auf über 6 Prozent anheben müsse.

Die Experten seien der Meinung, dass der Markt die bevorstehende geldpolitische Straffung nun überbewerte. Zwar habe die Wirtschaftstätigkeit im Vereinigten Königreich in den vergangenen Monaten positiv überrascht. Die Experten würden aber eine zunehmende Anfälligkeit sehen, da die Geldpolitik weiterhin ernsthaft gestrafft werde.

Es sei zu beobachten, dass die Bewegung auf dem Hypothekenmarkt erst jetzt, volle 18 Monate nach Beginn der Zinserhöhungen durch die BoE, auf breiterer Basis spürbar werde. Dies dürfte die Notenbanker im Hinblick auf eine weitere Straffung der Geldpolitik auf Trab halten - mit dem wachsenden Risiko, dass der britische Immobilienmarkt und damit auch die Wirtschaft zusammenbrechen würden.

Die Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten stünden nun im Mittelpunkt der geldpolitischen Entscheidungen. Es liege der Verdacht nahe, dass man in eine Phase erhöhter Unsicherheit in Bezug auf die britische Wirtschaft eintrete - mit hoher Inflation und mittelmäßigem Wachstum, was nach Meinung der Experten ein unangenehmer Cocktail für das Pfund sei. (23.06.2023/alc/a/a)