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EZB wird systematisch expansiver


30.09.19 13:00
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Wie von uns erwartet, hat der EZB-Rat auf seiner Sitzung am 12. September beschlossen, den Einlagezins von -0,4% auf -0,5% zu senken, so die Analysten der National-Bank AG.

Darüber hinaus werde die EZB ab November "so lange wie nötig" Anleihen im Wert von 20 Mrd. Euro monatlich erwerben. Geplant sei ferner, diese Käufe erst im unmittelbaren Vorfeld der ersten Zinserhöhung abzuschließen. Die EZB führe weiterhin einen Staffelzins ein, sodass die Banken auf einen Teil ihrer Überschussreserven keinen Strafzins entrichten müssten. Die Zinsuntergrenze für die TLTROs werde um 10 Basispunkte gesenkt, entspreche also dem Durchschnitt des Einlagesatzes, der über die Laufzeit des Geschäfts gelte. Die Laufzeit der TLTROs werde von zwei auf drei Jahre verlängert.

Dieses umfangreiche Maßnahmenpaket bestätigt unsere Einschätzung, dass die Bank einmal mehr ihre geldpolitische Reaktionsfunktion ändert und systematisch expansiver wird: Es ist also nicht nur die Verschlechterung des gesamteuropäischen Datenkranzes, die eine Zunahme des Expansionsgrades bewirkt - die EZB reagiert auch immer expansiver darauf, so die Analysten der National-Bank AG. Abhängig von der weiteren Entwicklung des Handelskonfliktes könne es daher gut sein, dass die EZB bei weiter rückläufigen Inflationserwartungen geldpolitisch nachlegen werde, auch wenn die Grenzen der Geldpolitik allmählich näher rücken würden. Bis zuletzt seien die marktimpliziten Inflationserwartungen vor allem in Europa weiter unter Druck gewesen, was die EZB gemäß Mandat grundsätzlich nicht tolerieren könne. Der Druck zu weiteren Maßnahmen über den bislang mandatierten Rahmen hinaus nehme stetig zu.

Die FED habe bei ihrem jüngsten Zinsentscheid ihren Leitzinskorridor erwartungsgemäß erneut um 25 Basispunkte auf 1,75% bis 2,00% ermäßigt. Der Schritt sei als weiterer "Versicherungsschritt" kommuniziert worden, der nicht als Weiterführung einer Serie von Leitzinssenkungen zu interpretieren sei: Dieses Wording sei inhaltlich auch dadurch untermauert worden, dass die FOMC-Mitglieder für dieses und nächstes Jahr keine weitere Leitzinssenkung avisieren würden. Die Analysten der National-Bank AG sähen sich durch den Zinsentscheid in ihrer Linie bestätigt, insofern dass die Befürchtungen vor einer Rezession weitestgehend an der Realität vorbeigehen würden: Eine solche bleibe sehr unwahrscheinlich.

Die Corporate Spreads seien - gemessen am 5-jährigen Markit-iTraxx-Europe - zuletzt wieder gestiegen und hätten bei rund 56 Basispunkten notiert. Vor dem Hintergrund der abermals expansiveren Geldpolitik und der geschilderten Verschiebung der politökonomischen Rahmenbedingungen dürfte der Abwärtstrend aber grundsätzlich anhalten, nächste Zielgröße dürfte zunächst 40 Basispunkte sein. (Ausgabe vom 27.09.2019) (30.09.2019/alc/a/a)