EZB wird im Schneckentempo "hawkisher", FED dürfte ihren Leitzins 2017 dreimal erhöhen


05.04.17 10:30
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Der EZB-Rat hat auf seiner März-Sitzung wie erwartet keine geldpolitischen Änderungen beschlossen, so die Analysten von Postbank Research.

Refisatz und Einlagensatz lägen damit weiterhin bei 0,00% sowie bei -0,40%. Zugleich habe die EZB bekräftigt, dass sie von April bis mindestens Dezember 2017 Anleihen im Volumen von monatlich 60 Mrd. Euro erwerben werde. Überdies habe Draghi auf der Pressekonferenz die Aussagen wiederholt, dass die EZB das Ankaufvolumen auch wieder erhöhen könnte und dass die Zinsen noch für einige Zeit nach Beendigung des Programms auf dem aktuellen oder aber einem niedrigeren Niveau liegen würden. Abweichend zu den vorherigen Statements sei hingegen die Passage gestrichen worden, wonach der EZB-Rat gegebenenfalls alle Instrumente, die ihm sein Mandat in die Hand gebe, nutzen könnte. Die Risiken für den konjunkturellen Ausblick würden zwar weiterhin überwiegend auf der Unterseite gesehen, aber als weniger stark ausgeprägt als zuvor.

Zudem habe Draghi konzediert, dass die Deflationsrisiken im Euroraum weitestgehend verschwunden seien und der EZBRat auch oberflächlich darüber diskutiert habe, die Option einer weiteren Leitzinssenkung aus dem Pressestatement zu streichen. Auch seien die Projektionen der EZB für Wachstum und Inflation in der Eurozone angepasst worden. Insbesondere der Inflationsausblick für 2017 und 2018 sei dabei erwartungsgemäß deutlich nach oben adjustiert worden. Während die Projektion für 2019 unverändert bei 1,7% liege, sei der Ausblick für die Kerninflationsrate von 1,7% auf 1,8% erhöht worden. In ihren Projektionen schleiche sich die EZB somit in Trippelschritten an ihr Inflationsziel von "unter, aber nahe bei 2%" heran.

Auch hinsichtlich eines veränderten Wordings bevorzuge sie offensichtlich das Schneckentempo. Aber wenn sie so weiter mache, dürfte sie im Spätsommer, möglicherweise sogar etwas früher, einen Punkt erreichen, an dem sie tatsächlich eine deutliche Rückführung oder sogar ein Auslaufen ihres Ankaufprogramms in Aussicht stelle. Die Analysten würden mit Letzterem rechnen, wobei dieser Prozess Anfang 2018 starten sollte. Von einer ersten Anhebung des Refisatzes gehe man aber weiterhin frühestens Ende 2018 / Anfang 2019 aus.

Die US-Notenbank habe auf ihrer März-Sitzung den Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,75-1,00% angehoben. Auch wenn die wirtschaftliche Einschätzung des begleitenden Pressestatements etwas positiver als zuletzt ausgefallen sei, habe FED-Präsidentin Janet Yellen betont, dass die Zinsanhebung keineswegs bedeute, dass das FOMC die wirtschaftliche Lage grundlegend anders beurteile als zuvor. Gleichwohl würden die Analysten den jüngsten Zinsschritt zum Anlass nehmen, ihre Prognose anzupassen. Sie würden nunmehr insgesamt drei Zinsanhebungen in diesem Jahr erwarten, sodass der Leitzins Ende 2017 bei 1,25 bis 1,50% liegen dürfte. (Zinsen und Währungen April 2017) (05.04.2017/alc/a/a)





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