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EZB vergibt eine Beruhigungspille mit kurzer Wirkung
12.12.16 10:15
BNP Paribas
Paris (www.anleihencheck.de) - Mit deutlicher Mehrheit haben die Italiener am 4. Dezember gegen die geplante Verfassungsreform von Ministerpräsident Matteo Renzi gestimmt, so die Analysten der BNP Paribas in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate weekly".
Renzi, der seine politische Zukunft an das Referendum geknüpft habe, habe noch in der Nacht seinen Rücktritt angekündigt. Das sei erwartet worden. Entsprechend besonnen hätten die Finanzmärkte reagiert - trotz Regierungskrise. Nach einem kurzen Kursrutsch hätten viele europäische Aktien - auch italienische - ins Plus gedreht, die Anleiherenditen seien in überschaubarem Rahmen gestiegen und selbst der Euro, der zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit März 2015 gefallen sei, habe am Ende nur leicht im Minus geschlossen. Das Nein-Votum sei längst eingepreist gewesen.
Die eigentliche Beruhigungspille habe es aber am Donnerstag von der Europäischen Zentralbank (EZB) gegeben: Die Währungshüter hätten ihr Anleihekaufprogramm bis mindestens Ende des kommenden Jahres verlängert. Allerdings sollten ab April nur noch 60 statt 80 Milliarden Euro pro Monat in den Markt gepumpt werden - immer noch genug, um die Renditen italienischer Staatsanleihen und damit die Refinanzierungskosten des Landes weiterhin auf einem niedrigen Niveau zu halten. Langfristig sei das riskant.
Italien, das mit 135 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verschuldet sei, habe angesichts des niedrigen Refinanzierungsniveaus wenig Anreiz, seine Spar- und Reformvorhaben konsequent voranzutreiben - zumal nun mit Matteo Renzi ein tatkräftiger Reformer verschwinde. Wie es politisch weitergehe, sei ungewiss. Staatspräsident Sergio Mattarella müsse einen Nachfolger für Renzi benennen - oder aber vorgezogene Neuwahlen ausrufen. Letzteres würden vor allem eurokritische Parteien fordern. Steige ihr Einfluss in Italien, sei es wohl das Ende jeglicher finanzieller Restriktionen. Doch selbst bei einer Übergangsregierung würde der Schuldenberg weiter wachsen. Die Ratingagentur Moody's habe darum ihren Ausblick für Italien von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Im nächsten Schritt drohe eine Herabstufung der Bonität des Landes.
Das würde nicht nur die Refinanzierungskosten für Italien erhöhen, sondern auch den ohnehin angeschlagenen Bankensektor stark unter Druck setzen. Denn die Geldhäuser würden hohe Bestände an italienischen Anleihen halten. Steige die Unsicherheit an den Märkten, drohe ein Ausverkauf der Staatspapiere und damit eine weitere Belastung der Bilanzen vieler Institute. Im schlimmsten Fall könnte die Krise sogar auf andere Länder übergreifen. Die Währungshüter in Frankfurt hätten darum keine andere Wahl gehabt, als den Markt weiterhin mit Geld zu fluten, um ein Wiederaufflammen der Eurokrise zu verhindern. (Ausgabe vom 09.12.2016) (12.12.2016/alc/a/a)
Renzi, der seine politische Zukunft an das Referendum geknüpft habe, habe noch in der Nacht seinen Rücktritt angekündigt. Das sei erwartet worden. Entsprechend besonnen hätten die Finanzmärkte reagiert - trotz Regierungskrise. Nach einem kurzen Kursrutsch hätten viele europäische Aktien - auch italienische - ins Plus gedreht, die Anleiherenditen seien in überschaubarem Rahmen gestiegen und selbst der Euro, der zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit März 2015 gefallen sei, habe am Ende nur leicht im Minus geschlossen. Das Nein-Votum sei längst eingepreist gewesen.
Italien, das mit 135 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verschuldet sei, habe angesichts des niedrigen Refinanzierungsniveaus wenig Anreiz, seine Spar- und Reformvorhaben konsequent voranzutreiben - zumal nun mit Matteo Renzi ein tatkräftiger Reformer verschwinde. Wie es politisch weitergehe, sei ungewiss. Staatspräsident Sergio Mattarella müsse einen Nachfolger für Renzi benennen - oder aber vorgezogene Neuwahlen ausrufen. Letzteres würden vor allem eurokritische Parteien fordern. Steige ihr Einfluss in Italien, sei es wohl das Ende jeglicher finanzieller Restriktionen. Doch selbst bei einer Übergangsregierung würde der Schuldenberg weiter wachsen. Die Ratingagentur Moody's habe darum ihren Ausblick für Italien von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Im nächsten Schritt drohe eine Herabstufung der Bonität des Landes.
Das würde nicht nur die Refinanzierungskosten für Italien erhöhen, sondern auch den ohnehin angeschlagenen Bankensektor stark unter Druck setzen. Denn die Geldhäuser würden hohe Bestände an italienischen Anleihen halten. Steige die Unsicherheit an den Märkten, drohe ein Ausverkauf der Staatspapiere und damit eine weitere Belastung der Bilanzen vieler Institute. Im schlimmsten Fall könnte die Krise sogar auf andere Länder übergreifen. Die Währungshüter in Frankfurt hätten darum keine andere Wahl gehabt, als den Markt weiterhin mit Geld zu fluten, um ein Wiederaufflammen der Eurokrise zu verhindern. (Ausgabe vom 09.12.2016) (12.12.2016/alc/a/a)


