EZB und Inflationsrate: Darf es auch etwas weniger sein?


11.04.14 13:34
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es könnte eigentlich alles so schön sein: Die Bewältigung der Euro-Staatsschuldenkrise schreitet langsam voran. Die konjunkturelle Erholung im Euroland festigt sich. Die Anleger wenden sich wieder etwas offener den Emerging Markets zu. Das globale Wachstumstempo hält sich auf seinem moderaten Niveau, so die Analysten der DekaBank.

Aber trotz all dieser guten Nachrichten beunruhige eine gewichtige Unsicherheit die Märkte: Fast schon wie das Kaninchen vor der Schlange würden die EZB, die Analysten und die Anleger auf die Inflationsentwicklung im Euroland starren.

Die Mehrzahl der Prognostiker habe zwar damit gerechnet, dass die ohnehin schon verhaltenen Preissteigerungsraten im Euroland im Verlauf der Jahres 2013 nachlassen würden. Doch seit Oktober liege die Inflationsrate unter 1%, was so nicht im Drehbuch gestanden habe. Im März 2014 sei sie sogar auf 0,5% gegenüber dem Vorjahr gefallen. Das sei so wenig, dass die EZB argumentativ etwas dünnhäutig werde. Sie verneine zwar weiterhin, dass es unmittelbare Deflationsgefahren gebe, aber die geringen Inflationsraten seien aus ihrer Sicht äußerst unerwünscht.

Nun seien es vor allem Sondereffekte, die die Inflationsrate auf diesen extrem niedrigen Wert gedrückt hätten. Insbesondere versage derzeit die Saisonbereinigung wegen des ungewöhnlich spät liegenden Osterfestes. Schon der Aprilwert sollte also wieder deutlich höher ausfallen. Wenn das tatsächlich so komme, werde die EZB keine zusätzlichen Maßnahmen in Form einer quantitativen Lockerung ergreifen müssen. Aber diese Prognose ist aus Sicht der Analysten der DekaBank etwas unsicherer geworden. In jedem Fall bleibe das Zinsniveau in diesem Niedriginflationsumfeld noch sehr lange sehr niedrig. Die erste Leitzinserhöhung der EZB würden die Analysten nunmehr erst im Herbst 2016 erwarten. Damit würden sich die Kapitalmarktrenditen noch etwas zögerlicher nach oben entwickeln als bisher von ihnen prognostiziert.

Auch die Sorgen um die Ukraine würden derzeit nicht kleiner, nachdem neuerdings im Osten des Landes die Spannungen größer würden. Nachdem aber keiner der Beteiligten ein Interesse daran haben dürfte, den Konflikt eskalieren zu lassen, gehe man weiter davon aus, dass eine diplomatische Annäherung eine potenzielle Sanktionsspirale zwischen Ost und West verhindere.

Die Erwartung einer Beruhigung in der Krim-Krise wie auch bezüglich der Niedriginflationssorgen dürfte die Kapitalmarktentwicklung der kommenden Wochen prägen. Die Marktakteure seien zuletzt vergleichsweise gelassen gewesen: Risikopapiere seien so gesucht gewesen, dass einige Aktienindices sogar neue Höchststände erreicht und sich die Rentenmärkte bei Unternehmensanleihen und Staatsanleihen der Euroland-Peripherie gut entwickelt hätten. Dies dürfte sich so schnell nicht gravierend ändern. Insofern bleibe das Umfeld für die Wertpapieranlage konstruktiv. (Ausgabe April/Mai 2014) (11.04.2014/alc/a/a)