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EZB und FED nehmen Bondmärkte in den Schwitzkasten
23.02.17 12:00
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Die internationalen Rentenmärkte steuern auf eine Zerreißprobe zu, welche in der gegensätzlichen Ausrichtung der Geldpolitik von Europäischer Zentralbank (EZB) und der US-amerikanischen Notenbank (FED) begründet ist, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Während die FED sich infolge steigender Inflationszahlen, guter Konjunkturdaten und zu erwartender Stimuli seitens der neuen US-Regierung mit steigenden Zinsen auseinandersetze, halte die EZB an ihrer Politik des billigen Geldes fest. Und das obwohl auch in der Eurozone höhere Inflationszahlen zu beobachten gewesen seien. In Deutschland sei für den Januar sogar mit einer Rate von 2% zu rechnen. Doch hierbei handle es sich um Inflationsraten, die aufgrund des Basiseffekts bei den Energiepreisen dieses Niveau erreicht hätten und derzeit ihren Höhepunkt überschreiten würden. Somit könne nicht von einem nachhaltigen Trend gesprochen werden, sondern nur von einer vorübergehenden Entwicklung.
Dass die EZB nicht nur für ein Land, sondern für eine Gemeinschaft von 19 Ländern Geldpolitik mache, habe Deutschland schon einmal registrieren müssen. Damals sei die deutsche Wirtschaft nicht die Lokomotive der Eurozone gewesen, sondern habe das Ende des Zuges gebildet und hätte eine Zinssenkung gut gebrauchen können. Heute sei es umgekehrt, Deutschland könnte ohne Probleme mit höheren Zinsen leben. So würden sich die Zeiten ändern. Doch auch in diesem Fall würde eine solche Entscheidung nicht ins Gesamtbild der Eurozone passen. Somit werde die EZB weiterhin massiv die Kapitalmärkte beeinflussen und mit ihren Anleiheankaufprogrammen eine künstliche Nachfrage erzeugen.
Ob und wann die EZB diesem "Irrsinn" ein Ende setzen werde, bleibe ein Geheimnis. Die bisherigen Lösungsansätze würden wenig Einsicht bei den Notenbankern erwarten lassen, aber es werde der Zeitpunkt kommen, an dem ein Umdenken notwendig sein werde. Und wenn es auch nur ein bedarfsgerechtes Eingreifen der Notenbank analog zu den vor 25 Jahren festgelegten Maastricht-Kriterien wäre. Denn bereits damals sei eine Möglichkeit des Eingreifens bei einer zu großen Abweichung des Renditeniveaus festgeschrieben worden. Dadurch könnten die finanziellen Mittel zielgerichtet eingesetzt werden, anstatt nach "Schema F" vorzugehen. Noch sei es aber nicht soweit, und die EZB verstoße weiterhin gegen die unterschiedlichsten Bestandteile des EU-Vertrages. Leider sei noch nicht bei den dafür Verantwortlichen angekommen, dass die fehlende Kreditnachfrage das Grundübel sei und nicht die fehlende finanzielle Ausstattung der Banken.
Das sei der große Unterschied zu den USA. Dort würden aller Voraussicht nach riesige Summen für Infrastrukturprojekte benötigt und der private Konsum solle durch eine Steuerreform weiter gefördert werden. Mit diesen Perspektiven sei eine Zinsanhebung sogar schon im März dieses Jahres möglich. Insbesondere vor dem zu erwartenden Machtkampf zwischen der noch amtierenden FED-Präsidentin Janet Yellen und dem sehr eigensinnig agierenden US-Präsidenten, "D.T. - der Unberechenbare". Für die einst als "weiße Taube" bezeichnete Yellen werde die Zeit knapp, in der sie die Zügel der Geldpolitik in der Hand halten werde. Im Moment seien noch zwei Stellen im geldpolitischen Ausschuss FOMC vakant, und eine dritte werde schon in Kürze (im April des Jahres) ebenfalls zu besetzen sein. Durch die Mehrheit der Republikaner sei es also nur eine Frage der Zeit, bis Yellen "Fesseln" angelegt würden, um einen zu starken Zinsanstieg zu verhindern. Zumal mit jeder Zinserhöhung der Außenwert des US-Dollars steige und die Refinanzierung des gewaltigen Schuldenberges der Vereinigten Staaten teurer werde.
Man dürfe also gespannt sein, wie die entgegengesetzt angelegte Geldpolitik der beiden wichtigen Notenbanken die Kapitalmärkte in den kommenden Wochen beeinflussen werde - und wie die Investoren auf ein weiteres Ansteigen der Renditespreads reagieren würden.
Sieben Jahre sei es her, seit die Euroländer in einer gemeinsamen Aktion Athen vor der Pleite gerettet hätten. Drei Hilfspakete über 250 Mrd. Euro seien geschnürt worden und 2017 sehe die Bilanz doch mager aus. Während Irland oder Spanien, denen ebenfalls unter die Arme gegriffen worden sei, echte Fortschritte zu verzeichnen hätten, komme Griechenland kaum voran. Es gebe unter Ausblendung des Schuldendienstes zwar Etatüberschüsse, vielleicht sogar veritables Wachstum. Doch setze die griechische Regierung vereinbarte Reformen nur widerwillig, wenn überhaupt um. Dabei sei die Schuldenquote von Athen auf ca. 180 Prozent des Bruttosozialprodukts angewachsen, während der Schuldendienst des Landes soweit gestreckt worden sei, dass es ohnehin kaum Kredite tilge oder Zinsen zahle.
Dass sich die Geldgeber aus Eurozone und Internationaler Währungsfonds (IWF) sowie Athen in der griechischen Finanzkrise nun wieder zu einem Kompromiss aufraffen würden, könne daher höchstens als Trippelschritt gewertet werden. Okay, man habe Einigkeit darüber erzielt, dass die ungeliebten Kontrolleure der internationalen Geldgeber nach Athen zurückkehren sollten, um an einem zusätzlichen Reformpaket zu arbeiten. Im Mittelpunkt sollten unter anderem eine Renten- und eine Arbeitsmarktreform stehen. Diese würden als Voraussetzung für die Auszahlung zusätzlicher Hilfsmilliarden gelten.
Bei den neuen Maßnahmen solle nun der Schwerpunkt weniger auf Sparzwänge als auf Strukturreformen gerichtet sein, um das Wirtschaftswachstum in Hellas nachhaltiger zu gestalten. Das sei es, was den IWF mit im Boot halten dürfte. Der Fonds und die Europäer seien zuletzt uneins über die Haushaltsziele für Athen gewesen. Während die Europäer auf längere Sicht 3,5% Primärüberschuss - also ohne Schuldendienst - fordern würden, fürchte der IWF, dies könne die griechische Konjunktur eher wieder abwürgen.
Inzwischen aber würden sich die Positionen offenbar annähern. Sogar Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußere sich zuversichtlich darüber, dass Bewegung in den Streit um das griechische Rettungsprogramm komme und sich daher der IWF - seines Erachtens - an dem dritten Rettungspaket beteiligen werde. Da die Euro-Länder Schuldenerleichterungen vor Ende des Hilfsprogramms im August 2018 ablehnen würden, verlange der IWF von Athen, schon jetzt Sparmaßnahmen gesetzgeberisch zu beschließen, welche bei zu niedrigen Überschüssen automatisch in Kraft treten würden.
Dass eine Einigung aber ohne einen Schuldenschnitt für Griechenland ablaufen müsse, hätten die Europäer immer wieder klargemacht. Der IWF dagegen habe die griechische Schuldensituation bisher als dauerhaft nicht tragfähig angesehen - es sei denn, man gewähre Athen eben einen Schuldenschnitt. Das aber wäre im Sinne der europäischen Sache das falsche Signal. Nicht nur, dass dem Schlendrian in Athen wieder Tür und Tor geöffnet wäre und Sozialreformen auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben würden. Nein, es könnte Nachahmer dazu animieren dasselbe zu versuchen. Mit welcher Argumentation sollten dann die Geldgeber weiteren Schuldensündern einen Schuldenschnitt verwehren, würden diese auf Griechenland verweisen?
Die Bundesbank charakterisiere die rasant steigenden Preise für Wohnimmobilien vor allem in den Großstädten als "Übertreibung". Die Preissteigerungen in den Städten hätten gemäß aktuellen Schätzergebnissen im vergangenen Jahr zwischen 15% und 30% betragen, schreibe die Notenbank in ihrem Februar-Monatsbericht. Auch die amtlichen Gutachterausschüsse würden deutliche Überhitzungen in bestimmten Städten erkennen. Ein Ende des Immobilienbooms sei aber nach Ansicht der Bundesbanker trotzdem nicht in Sicht. Als überdurchschnittlich hoch bezeichne die Bundesbank die Preisdynamik in sieben Großstädten, in denen sich Wohnraum schon in den Jahren zuvor am stärksten verteuert habe: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Auch die Wohnungsmieten in diesen Städten hätten sich spürbar erhöht.
Es sei nicht absehbar, dass das Investitionsvolumen zurückgehe, habe Peter Ache, der Geschäftsstellenleiter des Arbeitskreises der Gutachterausschüsse, laut Deutscher Presse-Agentur gesagt. 2016 hätten schätzungsweise Immobilien für mehr als 210 Mrd. Euro den Besitzer gewechselt. Dennoch würden die Ausschüsse noch keine Gefahr einer Immobilienblase sehen.
Einen Teil der Preissteigerungen erkläre die Bundesbank damit, dass gerade in Ballungsräumen Wohnraum stark gefragt sei. Käufern helfe, dass Immobilienkredite wegen der Niedrigzinsen extrem günstig seien. So gesehen spiele die Niedrigzinspolitik der EZB hier eine Rolle. Aber dieser Aspekt reiche zur Begründung allein nicht aus. Insgesamt dürfte die im Berichtsjahr erhöhte Preisdynamik bei Wohnimmobilien über diejenige Entwicklung hinausgegangen sein, die durch demografische und wirtschaftliche Fundamentalfaktoren angelegt sei. Auch die weiter ermäßigten Finanzierungskosten könnten nur einen Teil der zusätzlichen Dynamik erklären, heiße es im Monatsbericht der Notenbanker.
Der anstehende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) werde auf dem Rosenmontagszug in Mainz eins der Themen sein, über das die Jecken sich lustig machen würden. Doch nicht nur in der Fastnacht werfe der Brexit seine Schatten voraus.
Da habe zum Beispiel die EU eine Forderung von bis zu 60 Mrd. Euro in den Raum gestellt, welche die Briten begleichen müssten, wenn denn der Brexit vollzogen werde. Die Austrittsrechnung werde "sehr gesalzen sein", habe jüngst dazu der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gesagt. Den Briten stünden nicht nur schwierige Verhandlungen bevor, die "Jahre dauern werden". Der EU-Austritt könne dabei auch nicht "zu reduzierten Kosten oder gar keinen Kosten" erfolgen. So poche die EU darauf, dass Großbritannien trotz des 2019 erwarteten Brexits bereits eingegangene finanzielle Verpflichtungen erfülle. Dabei gehe es um langfristige Zusagen für den EU-Haushalt oder Pensionszahlungen für europäische Beamte.
Geld koste der Brexit bereits jetzt die britische Großbank HSBC, die neben anderen Faktoren den anstehenden EU-Austritt für einen Milliardenverlust im vierten Quartal 2016 verantwortlich mache. So habe HSBC zum Beispiel wegen der Folgen des Brexit alleine 2,4 Mrd. US-Dollar auf das Geschäft in Europa abgeschrieben. Dies könne als Indikation gewertet werden, wonach der EU-Austritt nicht so ohne weiteres an der britischen Finanzbranche abprallen dürfte. Auch für die Forschung könne der Brexit weitreichende Folgen haben. So würden britische Kultur- und Bildungseinrichtungen ihre Abkehr von Cambridge oder Oxford erwägen, um auch künftig von europäischen Forschungsgeldern profitieren zu können.
Und so würden inzwischen immer mehr Briten fürchten, dass sie einen hohen Preis für den Abschied von der EU zahlen müssten. Nicht umsonst sei ein halbes Jahr nach dem Brexit-Votum einer Umfrage zufolge bei den Briten die Sorgen um die Konjunktur stark gestiegen. Wie Ende 2016 eine Erhebung des Marktforschers Nielsen ergeben habe, hätten 28% der Befragten die Wirtschaft als eine ihrer beiden größten Sorgen genannt. Dies sei ein Anstieg um 12%-Punkte im Vergleich zu Ende 2015. Damit habe das Thema Wirtschaft sowohl Terrorismus als auch Einwanderung überholt, die nur noch auf je 20% kämen.
Die unter dem Niedrigzins leidende Branche der Bausparkassen könne etwas aufatmen. So habe der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe ein Urteil gesprochen, das branchenweit große Wirkung haben werde. Demnach hätten Bausparer keine Chance, sich gegen die Kündigung eines alten Bausparvertrags mit hohen Zinsen zu wehren. Einen solchen Vertrag über mehr als zehn Jahre als reine Sparanlage laufen zu lassen, widerspreche dem Sinn und Zweck des Bausparens, habe der BGH entschieden. Das Ansparen sei dazu gedacht, Anspruch auf ein Darlehen zu erlangen. Dieser Zweck sei mit Erlangen der Zuteilungsreife erreicht. (Az. XI ZR 185/16 u.a.)
In der anhaltenden Niedrigzinsphase hätten die Bausparkassen ihren Kunden seit 2015 ca. 250.000 Verträge gekündigt, die noch nicht vollständig bespart gewesen seien. Der einst festgeschriebene Zinssatz sei für die Bausparkassen inzwischen eine wirtschaftliche Belastung. Denn viele Kunden würden darauf verzichten, ihr Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen. Stattdessen würden sie den Vertrag lieber als lukrative Sparanlage nutzen, wie er freilich in der Vergangenheit vielfach auch von den Bausparkassen beworben worden sei.
Sei der Vertrag seit zehn Jahren zuteilungsreif, hätten die Institute laut BGH-Urteil aber ein Kündigungsrecht. Die bereits ausgesprochenen Kündigungen seien also rechtens gewesen. Außerdem sei für die Kassen der Weg frei, um weitere Verträge kündigen zu können. Der BGH habe zwei Prozesse entschieden, welche die Bausparkasse Wüstenrot infolge von Kündigungen geführt habe. Weil die obersten Zivilrichter die Linie für die gesamte deutsche Rechtsprechung vorgeben würden, sei das Urteil von größter Bedeutung. Denn beim BGH seien nach Angaben des Vorsitzenden Richters Jürgen Ellenberger derzeit mehr als 100 Bauspar-Verfahren anhängig.
Für die Branche der Bausparkassen bedeute das Urteil ein Stück Entspannung für die Zinsergebnisse. Denn mit den Kündigungen könnten die negativen Auswirkungen der fortdauernden Niedrigzinspolitik auf die Bausparergemeinschaft abgemildert werden.
In diesen Tagen sei zu lesen gewesen, dass sowohl Aufsichtsratsboss Niki Lauda als auch Teamchef Toto Wolff ihre auslaufenden Verträge beim Mercedes-Team bis 2020 verlängern würden. Passend hierzu habe die Daimler AG eine neue achtjährige 1,25 Mrd. Euro schwere Anleihe aufgelegt, die aber sicherlich nicht zur Refinanzierung dieser Verträge diene. Eher wolle man sich auf diesem Weg die günstigen Konditionen für die Zukunft sichern. Aber auch das amerikanische Maschinenbauunternehmen Parker Hannifin Corporation und das schwedische Unternehmen Telefonaktiebolaget L. M. Ericsson hätten sich am Kapitalmarkt refinanziert.
Der Autohersteller Daimler habe bei der Emission (ISIN DE000A2DADM7 / WKN A2DADM) die Privatanleger mit einer Mindeststückelung von 1.000 Euro erfreut. Zinsen würden bis zur Fälligkeit am 28.02.2025 jährlich in Höhe von 0,85% an die Investoren gezahlt. Begeben worden sei der Bond zu 99,915%, was einem Emissionsspread von +88,6 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gleichgekommen sei.
Parker Hannifin Corporation habe 750 Mio. Euro bei den Gläubigern mit einem Bond (ISIN XS1571341830 / WKN A19DWG), der am 01.03.2025 fällig sei, eingesammelt. Ausgestattet sei das Papier mit einem Zinssatz von 1,125% p.a. und einer Make Whole Option zugunsten des Emittenten. Der Reoffer sei bei 99,506% festgelegt worden. Dies habe +65 bps über Mid Swap entsprochen. Als kleinste handelbare Einheit habe das Unternehmen 100.000 Euro festgelegt und spreche damit primär institutionelle Anleger an.
Ebenfalls mit 100.000 Euro Mindeststückelung und einer Make Whole Option habe der in der Kommunikationsbranche tätige Dienstleister Telefonaktiebolaget L. M. Ericsson gleich 2 Bonds über je 500 Mio. Euro begeben. Die erste Tranche (ISIN XS1571293171 / WKN A19DRK) sei am 01.03.2021 fällig und biete den Investoren eine jährliche Verzinsung von 0,875%. Der Emissionspreis habe bei 99,613 (+95 bps über Mid Swap) gelegen. Die zweite, siebenjährige Anleihe (ISIN XS1571293684 / WKN A19DRL) mit Fälligkeit am 01.03.2024 habe einen jährlichen Kupon in Höhe von 1,875%. Der Ausgabepreis habe bei 99,294% gelegen, was einer Benchmark von +160 bps über Mid Swap entsprochen habe.
Habe man in der vergangenen Woche noch den Eindruck gehabt, dass sich das Rentenbarometer an der 200-Tages-Linie die Zähne ausbeißen werde, so könne inzwischen der Spruch: "Totgesagte leben länger" zum Beschreiben der Situation verwendet werden. Hervorgerufen von der Angst vor einer erneuten Euro-Finanzkrise habe der Euro-Bund-Future ein neues Jahreshoch bei 165,53% erklimmen können. Sicherlich werde es auch in den kommenden Tagen keine echten Lösungen für die in finanziellen Nöten befindlichen Wackelkandidaten Griechenland, Italien, Lettland, Portugal, Slowenien und Zypern geben. Gepaart mit den populistischen Tönen aus Frankreich und den Niederlanden seien deutsche Bundeswertpapiere wieder das "Nonplusultra" und scheinen es auch zu bleiben.
Aus charttechnischer Sicht habe sich das ehemalige Hoch bei 164,94% (02.01.17) in eine Unterstützung gewandelt und nach oben sei der erste massive Widerstand inzwischen erst bei 166,27% zu sehen. Sollte es allerdings doch zu einem Rücksetzer unter die Marke von 164,94% kommen, so sei mit einer Unterstützung in der Region bei ca. 164,30% zu rechnen. Aktuell notiere das Sorgenbarometer der Eurozone bei 164,95%.
Trotz der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche in den USA hätten sich die Investoren wie die Made im Speck fühlen können. Mittels T-Bills und T-Notes mit Laufzeiten zwischen vier Wochen und sieben Jahren seien insgesamt 198 Mrd. USD refinanziert worden. Bei solchen Summen erhalte der Wahlkampf-Slogan von D.T. "Make America great again" nochmals eine andere Bedeutung.
In Euroland sei man hiervon meilenweit entfernt. Obwohl in dieser Woche Anleihen von über 50 Mrd. Euro endfällig gewesen seien, scheine es so, als habe man bereits in den vergangenen Wochen vorausschauend gehandelt, denn lediglich ca. 4 Mrd. Euro seien neu aufgenommen worden. Den Anfang habe die Slowakei mit der Aufstockung zweier Anleihen (ISIN SK4120012220 / WKN A1888L/ 2026; ISIN SK4120009762 / WKN A1ZB9Q/ 2029) gemacht.
Deutschland habe am Mittwoch das Emissionsvolumen der 2044 endfälligen Staatsanleihe (ISIN DE0001135481 / WKN 113548) um 1 Mrd. Euro auf insgesamt 20 Mrd. Euro erhöht. Hierbei seien lediglich Kaufaufträge für nominal 733 Mio. Euro abgegeben worden und somit sei die Zuteilung des technisch unterzeichneten Wertpapiers bei einer Durchschnittsrendite von 1,04% erfolgt. Zur Marktpflege seien 413 Mio. Euro in den Eigenbestand des Bundes gebucht worden. Den Schlusspunkt setze auch in dieser Woche Italien mit zwei kleineren Aufstockungen. Dem Land sei zwar gestern von der EU-Kommission ein Verfahren angedroht worden, wenn man nicht bis April Maßnahmen zum Defizitabbau im Umfang von 0,2% des Bruttoinlandsprodukts ergreife, aber das sollte keine negativen Folgen für die Mittelaufnahme haben.
In der vergangenen Woche hätten in Bayern rund 1 Million Schüler ihre Zwischenzeugnisse erhalten. Diese würden die bisher erbrachten Leistungen im Schuljahr widerspiegeln und für die einen erfreulich und für die anderen weniger gut ausfallen.
Die Vergabe eines Zwischenzeugnisses für die europäische Gemeinschaftswährung komme nach ca. acht Wochen sicherlich noch zu früh, aber dennoch sei es sinnvoll, eine erste Bilanz zu ziehen. Der Start ins neue Jahr sei für den Euro gründlich danebengegangen. Er sei auf ein 14-Jahres-Tief bei 1,0341 USD gefallen. Allerdings habe die Einheitswährung in den folgenden Wochen peu à peu zulegen können und Anfang Februar mit 1,0829 USD den bisherigen Bestwert in 2017 markiert. Doch seither habe der Euro mit der zunehmenden Unsicherheit aufgrund der bevorstehenden Wahlen in Europa schwer zu kämpfen und zusätzlicher Druck werde auch durch die zu erwartende US-Geldpolitik erzeugt. So sei die Währung Eurolands auf Talfahrt gegangen und habe bei einem Wechselkurs von 1,0494 USD ein Sechs-Wochen-Tief erreicht. Die von vielen Marktteilnehmern avisierte Parität sei somit wieder möglich geworden. Heute Morgen handle die Gemeinschaftswährung auf Vortagsniveau um die Marke von 1,0560 USD.
Eine schlechte Note erhalte der Euro auch im Vergleich zum Mexikanischen Peso (MXN). Die Landeswährung Mexikos habe sich deutlich verbessert und mit 20,8771 MXN ein neues Jahreshoch markiert. Analog zum Euro habe sich der Peso auch zum Greenback verteuert und mit 19,8383 MXN so hoch wie zuletzt im November 2016 notiert, also kurz vor der US-Präsidentschaftswahl.
Deshalb könne dem Euro aktuell nicht unbedingt ein gutes Zwischenzeugnis ausgestellt werden und man sollte nicht verwundert sein, dass Fremdwährungsanleihen als Risikobeimischung weiterhin nachgefragt würden. Favorisiert worden seien dabei Bonds lautend auf US-Dollar, Südafrikanische Rand, Türkische Lira sowie Mexikanische Peso.
Disclaimer
Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (23.02.2017/alc/a/a)
Während die FED sich infolge steigender Inflationszahlen, guter Konjunkturdaten und zu erwartender Stimuli seitens der neuen US-Regierung mit steigenden Zinsen auseinandersetze, halte die EZB an ihrer Politik des billigen Geldes fest. Und das obwohl auch in der Eurozone höhere Inflationszahlen zu beobachten gewesen seien. In Deutschland sei für den Januar sogar mit einer Rate von 2% zu rechnen. Doch hierbei handle es sich um Inflationsraten, die aufgrund des Basiseffekts bei den Energiepreisen dieses Niveau erreicht hätten und derzeit ihren Höhepunkt überschreiten würden. Somit könne nicht von einem nachhaltigen Trend gesprochen werden, sondern nur von einer vorübergehenden Entwicklung.
Dass die EZB nicht nur für ein Land, sondern für eine Gemeinschaft von 19 Ländern Geldpolitik mache, habe Deutschland schon einmal registrieren müssen. Damals sei die deutsche Wirtschaft nicht die Lokomotive der Eurozone gewesen, sondern habe das Ende des Zuges gebildet und hätte eine Zinssenkung gut gebrauchen können. Heute sei es umgekehrt, Deutschland könnte ohne Probleme mit höheren Zinsen leben. So würden sich die Zeiten ändern. Doch auch in diesem Fall würde eine solche Entscheidung nicht ins Gesamtbild der Eurozone passen. Somit werde die EZB weiterhin massiv die Kapitalmärkte beeinflussen und mit ihren Anleiheankaufprogrammen eine künstliche Nachfrage erzeugen.
Ob und wann die EZB diesem "Irrsinn" ein Ende setzen werde, bleibe ein Geheimnis. Die bisherigen Lösungsansätze würden wenig Einsicht bei den Notenbankern erwarten lassen, aber es werde der Zeitpunkt kommen, an dem ein Umdenken notwendig sein werde. Und wenn es auch nur ein bedarfsgerechtes Eingreifen der Notenbank analog zu den vor 25 Jahren festgelegten Maastricht-Kriterien wäre. Denn bereits damals sei eine Möglichkeit des Eingreifens bei einer zu großen Abweichung des Renditeniveaus festgeschrieben worden. Dadurch könnten die finanziellen Mittel zielgerichtet eingesetzt werden, anstatt nach "Schema F" vorzugehen. Noch sei es aber nicht soweit, und die EZB verstoße weiterhin gegen die unterschiedlichsten Bestandteile des EU-Vertrages. Leider sei noch nicht bei den dafür Verantwortlichen angekommen, dass die fehlende Kreditnachfrage das Grundübel sei und nicht die fehlende finanzielle Ausstattung der Banken.
Das sei der große Unterschied zu den USA. Dort würden aller Voraussicht nach riesige Summen für Infrastrukturprojekte benötigt und der private Konsum solle durch eine Steuerreform weiter gefördert werden. Mit diesen Perspektiven sei eine Zinsanhebung sogar schon im März dieses Jahres möglich. Insbesondere vor dem zu erwartenden Machtkampf zwischen der noch amtierenden FED-Präsidentin Janet Yellen und dem sehr eigensinnig agierenden US-Präsidenten, "D.T. - der Unberechenbare". Für die einst als "weiße Taube" bezeichnete Yellen werde die Zeit knapp, in der sie die Zügel der Geldpolitik in der Hand halten werde. Im Moment seien noch zwei Stellen im geldpolitischen Ausschuss FOMC vakant, und eine dritte werde schon in Kürze (im April des Jahres) ebenfalls zu besetzen sein. Durch die Mehrheit der Republikaner sei es also nur eine Frage der Zeit, bis Yellen "Fesseln" angelegt würden, um einen zu starken Zinsanstieg zu verhindern. Zumal mit jeder Zinserhöhung der Außenwert des US-Dollars steige und die Refinanzierung des gewaltigen Schuldenberges der Vereinigten Staaten teurer werde.
Man dürfe also gespannt sein, wie die entgegengesetzt angelegte Geldpolitik der beiden wichtigen Notenbanken die Kapitalmärkte in den kommenden Wochen beeinflussen werde - und wie die Investoren auf ein weiteres Ansteigen der Renditespreads reagieren würden.
Sieben Jahre sei es her, seit die Euroländer in einer gemeinsamen Aktion Athen vor der Pleite gerettet hätten. Drei Hilfspakete über 250 Mrd. Euro seien geschnürt worden und 2017 sehe die Bilanz doch mager aus. Während Irland oder Spanien, denen ebenfalls unter die Arme gegriffen worden sei, echte Fortschritte zu verzeichnen hätten, komme Griechenland kaum voran. Es gebe unter Ausblendung des Schuldendienstes zwar Etatüberschüsse, vielleicht sogar veritables Wachstum. Doch setze die griechische Regierung vereinbarte Reformen nur widerwillig, wenn überhaupt um. Dabei sei die Schuldenquote von Athen auf ca. 180 Prozent des Bruttosozialprodukts angewachsen, während der Schuldendienst des Landes soweit gestreckt worden sei, dass es ohnehin kaum Kredite tilge oder Zinsen zahle.
Dass sich die Geldgeber aus Eurozone und Internationaler Währungsfonds (IWF) sowie Athen in der griechischen Finanzkrise nun wieder zu einem Kompromiss aufraffen würden, könne daher höchstens als Trippelschritt gewertet werden. Okay, man habe Einigkeit darüber erzielt, dass die ungeliebten Kontrolleure der internationalen Geldgeber nach Athen zurückkehren sollten, um an einem zusätzlichen Reformpaket zu arbeiten. Im Mittelpunkt sollten unter anderem eine Renten- und eine Arbeitsmarktreform stehen. Diese würden als Voraussetzung für die Auszahlung zusätzlicher Hilfsmilliarden gelten.
Bei den neuen Maßnahmen solle nun der Schwerpunkt weniger auf Sparzwänge als auf Strukturreformen gerichtet sein, um das Wirtschaftswachstum in Hellas nachhaltiger zu gestalten. Das sei es, was den IWF mit im Boot halten dürfte. Der Fonds und die Europäer seien zuletzt uneins über die Haushaltsziele für Athen gewesen. Während die Europäer auf längere Sicht 3,5% Primärüberschuss - also ohne Schuldendienst - fordern würden, fürchte der IWF, dies könne die griechische Konjunktur eher wieder abwürgen.
Inzwischen aber würden sich die Positionen offenbar annähern. Sogar Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußere sich zuversichtlich darüber, dass Bewegung in den Streit um das griechische Rettungsprogramm komme und sich daher der IWF - seines Erachtens - an dem dritten Rettungspaket beteiligen werde. Da die Euro-Länder Schuldenerleichterungen vor Ende des Hilfsprogramms im August 2018 ablehnen würden, verlange der IWF von Athen, schon jetzt Sparmaßnahmen gesetzgeberisch zu beschließen, welche bei zu niedrigen Überschüssen automatisch in Kraft treten würden.
Dass eine Einigung aber ohne einen Schuldenschnitt für Griechenland ablaufen müsse, hätten die Europäer immer wieder klargemacht. Der IWF dagegen habe die griechische Schuldensituation bisher als dauerhaft nicht tragfähig angesehen - es sei denn, man gewähre Athen eben einen Schuldenschnitt. Das aber wäre im Sinne der europäischen Sache das falsche Signal. Nicht nur, dass dem Schlendrian in Athen wieder Tür und Tor geöffnet wäre und Sozialreformen auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben würden. Nein, es könnte Nachahmer dazu animieren dasselbe zu versuchen. Mit welcher Argumentation sollten dann die Geldgeber weiteren Schuldensündern einen Schuldenschnitt verwehren, würden diese auf Griechenland verweisen?
Die Bundesbank charakterisiere die rasant steigenden Preise für Wohnimmobilien vor allem in den Großstädten als "Übertreibung". Die Preissteigerungen in den Städten hätten gemäß aktuellen Schätzergebnissen im vergangenen Jahr zwischen 15% und 30% betragen, schreibe die Notenbank in ihrem Februar-Monatsbericht. Auch die amtlichen Gutachterausschüsse würden deutliche Überhitzungen in bestimmten Städten erkennen. Ein Ende des Immobilienbooms sei aber nach Ansicht der Bundesbanker trotzdem nicht in Sicht. Als überdurchschnittlich hoch bezeichne die Bundesbank die Preisdynamik in sieben Großstädten, in denen sich Wohnraum schon in den Jahren zuvor am stärksten verteuert habe: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Auch die Wohnungsmieten in diesen Städten hätten sich spürbar erhöht.
Es sei nicht absehbar, dass das Investitionsvolumen zurückgehe, habe Peter Ache, der Geschäftsstellenleiter des Arbeitskreises der Gutachterausschüsse, laut Deutscher Presse-Agentur gesagt. 2016 hätten schätzungsweise Immobilien für mehr als 210 Mrd. Euro den Besitzer gewechselt. Dennoch würden die Ausschüsse noch keine Gefahr einer Immobilienblase sehen.
Einen Teil der Preissteigerungen erkläre die Bundesbank damit, dass gerade in Ballungsräumen Wohnraum stark gefragt sei. Käufern helfe, dass Immobilienkredite wegen der Niedrigzinsen extrem günstig seien. So gesehen spiele die Niedrigzinspolitik der EZB hier eine Rolle. Aber dieser Aspekt reiche zur Begründung allein nicht aus. Insgesamt dürfte die im Berichtsjahr erhöhte Preisdynamik bei Wohnimmobilien über diejenige Entwicklung hinausgegangen sein, die durch demografische und wirtschaftliche Fundamentalfaktoren angelegt sei. Auch die weiter ermäßigten Finanzierungskosten könnten nur einen Teil der zusätzlichen Dynamik erklären, heiße es im Monatsbericht der Notenbanker.
Der anstehende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) werde auf dem Rosenmontagszug in Mainz eins der Themen sein, über das die Jecken sich lustig machen würden. Doch nicht nur in der Fastnacht werfe der Brexit seine Schatten voraus.
Da habe zum Beispiel die EU eine Forderung von bis zu 60 Mrd. Euro in den Raum gestellt, welche die Briten begleichen müssten, wenn denn der Brexit vollzogen werde. Die Austrittsrechnung werde "sehr gesalzen sein", habe jüngst dazu der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gesagt. Den Briten stünden nicht nur schwierige Verhandlungen bevor, die "Jahre dauern werden". Der EU-Austritt könne dabei auch nicht "zu reduzierten Kosten oder gar keinen Kosten" erfolgen. So poche die EU darauf, dass Großbritannien trotz des 2019 erwarteten Brexits bereits eingegangene finanzielle Verpflichtungen erfülle. Dabei gehe es um langfristige Zusagen für den EU-Haushalt oder Pensionszahlungen für europäische Beamte.
Geld koste der Brexit bereits jetzt die britische Großbank HSBC, die neben anderen Faktoren den anstehenden EU-Austritt für einen Milliardenverlust im vierten Quartal 2016 verantwortlich mache. So habe HSBC zum Beispiel wegen der Folgen des Brexit alleine 2,4 Mrd. US-Dollar auf das Geschäft in Europa abgeschrieben. Dies könne als Indikation gewertet werden, wonach der EU-Austritt nicht so ohne weiteres an der britischen Finanzbranche abprallen dürfte. Auch für die Forschung könne der Brexit weitreichende Folgen haben. So würden britische Kultur- und Bildungseinrichtungen ihre Abkehr von Cambridge oder Oxford erwägen, um auch künftig von europäischen Forschungsgeldern profitieren zu können.
Und so würden inzwischen immer mehr Briten fürchten, dass sie einen hohen Preis für den Abschied von der EU zahlen müssten. Nicht umsonst sei ein halbes Jahr nach dem Brexit-Votum einer Umfrage zufolge bei den Briten die Sorgen um die Konjunktur stark gestiegen. Wie Ende 2016 eine Erhebung des Marktforschers Nielsen ergeben habe, hätten 28% der Befragten die Wirtschaft als eine ihrer beiden größten Sorgen genannt. Dies sei ein Anstieg um 12%-Punkte im Vergleich zu Ende 2015. Damit habe das Thema Wirtschaft sowohl Terrorismus als auch Einwanderung überholt, die nur noch auf je 20% kämen.
Die unter dem Niedrigzins leidende Branche der Bausparkassen könne etwas aufatmen. So habe der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe ein Urteil gesprochen, das branchenweit große Wirkung haben werde. Demnach hätten Bausparer keine Chance, sich gegen die Kündigung eines alten Bausparvertrags mit hohen Zinsen zu wehren. Einen solchen Vertrag über mehr als zehn Jahre als reine Sparanlage laufen zu lassen, widerspreche dem Sinn und Zweck des Bausparens, habe der BGH entschieden. Das Ansparen sei dazu gedacht, Anspruch auf ein Darlehen zu erlangen. Dieser Zweck sei mit Erlangen der Zuteilungsreife erreicht. (Az. XI ZR 185/16 u.a.)
Sei der Vertrag seit zehn Jahren zuteilungsreif, hätten die Institute laut BGH-Urteil aber ein Kündigungsrecht. Die bereits ausgesprochenen Kündigungen seien also rechtens gewesen. Außerdem sei für die Kassen der Weg frei, um weitere Verträge kündigen zu können. Der BGH habe zwei Prozesse entschieden, welche die Bausparkasse Wüstenrot infolge von Kündigungen geführt habe. Weil die obersten Zivilrichter die Linie für die gesamte deutsche Rechtsprechung vorgeben würden, sei das Urteil von größter Bedeutung. Denn beim BGH seien nach Angaben des Vorsitzenden Richters Jürgen Ellenberger derzeit mehr als 100 Bauspar-Verfahren anhängig.
Für die Branche der Bausparkassen bedeute das Urteil ein Stück Entspannung für die Zinsergebnisse. Denn mit den Kündigungen könnten die negativen Auswirkungen der fortdauernden Niedrigzinspolitik auf die Bausparergemeinschaft abgemildert werden.
In diesen Tagen sei zu lesen gewesen, dass sowohl Aufsichtsratsboss Niki Lauda als auch Teamchef Toto Wolff ihre auslaufenden Verträge beim Mercedes-Team bis 2020 verlängern würden. Passend hierzu habe die Daimler AG eine neue achtjährige 1,25 Mrd. Euro schwere Anleihe aufgelegt, die aber sicherlich nicht zur Refinanzierung dieser Verträge diene. Eher wolle man sich auf diesem Weg die günstigen Konditionen für die Zukunft sichern. Aber auch das amerikanische Maschinenbauunternehmen Parker Hannifin Corporation und das schwedische Unternehmen Telefonaktiebolaget L. M. Ericsson hätten sich am Kapitalmarkt refinanziert.
Der Autohersteller Daimler habe bei der Emission (ISIN DE000A2DADM7 / WKN A2DADM) die Privatanleger mit einer Mindeststückelung von 1.000 Euro erfreut. Zinsen würden bis zur Fälligkeit am 28.02.2025 jährlich in Höhe von 0,85% an die Investoren gezahlt. Begeben worden sei der Bond zu 99,915%, was einem Emissionsspread von +88,6 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gleichgekommen sei.
Parker Hannifin Corporation habe 750 Mio. Euro bei den Gläubigern mit einem Bond (ISIN XS1571341830 / WKN A19DWG), der am 01.03.2025 fällig sei, eingesammelt. Ausgestattet sei das Papier mit einem Zinssatz von 1,125% p.a. und einer Make Whole Option zugunsten des Emittenten. Der Reoffer sei bei 99,506% festgelegt worden. Dies habe +65 bps über Mid Swap entsprochen. Als kleinste handelbare Einheit habe das Unternehmen 100.000 Euro festgelegt und spreche damit primär institutionelle Anleger an.
Ebenfalls mit 100.000 Euro Mindeststückelung und einer Make Whole Option habe der in der Kommunikationsbranche tätige Dienstleister Telefonaktiebolaget L. M. Ericsson gleich 2 Bonds über je 500 Mio. Euro begeben. Die erste Tranche (ISIN XS1571293171 / WKN A19DRK) sei am 01.03.2021 fällig und biete den Investoren eine jährliche Verzinsung von 0,875%. Der Emissionspreis habe bei 99,613 (+95 bps über Mid Swap) gelegen. Die zweite, siebenjährige Anleihe (ISIN XS1571293684 / WKN A19DRL) mit Fälligkeit am 01.03.2024 habe einen jährlichen Kupon in Höhe von 1,875%. Der Ausgabepreis habe bei 99,294% gelegen, was einer Benchmark von +160 bps über Mid Swap entsprochen habe.
Habe man in der vergangenen Woche noch den Eindruck gehabt, dass sich das Rentenbarometer an der 200-Tages-Linie die Zähne ausbeißen werde, so könne inzwischen der Spruch: "Totgesagte leben länger" zum Beschreiben der Situation verwendet werden. Hervorgerufen von der Angst vor einer erneuten Euro-Finanzkrise habe der Euro-Bund-Future ein neues Jahreshoch bei 165,53% erklimmen können. Sicherlich werde es auch in den kommenden Tagen keine echten Lösungen für die in finanziellen Nöten befindlichen Wackelkandidaten Griechenland, Italien, Lettland, Portugal, Slowenien und Zypern geben. Gepaart mit den populistischen Tönen aus Frankreich und den Niederlanden seien deutsche Bundeswertpapiere wieder das "Nonplusultra" und scheinen es auch zu bleiben.
Aus charttechnischer Sicht habe sich das ehemalige Hoch bei 164,94% (02.01.17) in eine Unterstützung gewandelt und nach oben sei der erste massive Widerstand inzwischen erst bei 166,27% zu sehen. Sollte es allerdings doch zu einem Rücksetzer unter die Marke von 164,94% kommen, so sei mit einer Unterstützung in der Region bei ca. 164,30% zu rechnen. Aktuell notiere das Sorgenbarometer der Eurozone bei 164,95%.
Trotz der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche in den USA hätten sich die Investoren wie die Made im Speck fühlen können. Mittels T-Bills und T-Notes mit Laufzeiten zwischen vier Wochen und sieben Jahren seien insgesamt 198 Mrd. USD refinanziert worden. Bei solchen Summen erhalte der Wahlkampf-Slogan von D.T. "Make America great again" nochmals eine andere Bedeutung.
In Euroland sei man hiervon meilenweit entfernt. Obwohl in dieser Woche Anleihen von über 50 Mrd. Euro endfällig gewesen seien, scheine es so, als habe man bereits in den vergangenen Wochen vorausschauend gehandelt, denn lediglich ca. 4 Mrd. Euro seien neu aufgenommen worden. Den Anfang habe die Slowakei mit der Aufstockung zweier Anleihen (ISIN SK4120012220 / WKN A1888L/ 2026; ISIN SK4120009762 / WKN A1ZB9Q/ 2029) gemacht.
Deutschland habe am Mittwoch das Emissionsvolumen der 2044 endfälligen Staatsanleihe (ISIN DE0001135481 / WKN 113548) um 1 Mrd. Euro auf insgesamt 20 Mrd. Euro erhöht. Hierbei seien lediglich Kaufaufträge für nominal 733 Mio. Euro abgegeben worden und somit sei die Zuteilung des technisch unterzeichneten Wertpapiers bei einer Durchschnittsrendite von 1,04% erfolgt. Zur Marktpflege seien 413 Mio. Euro in den Eigenbestand des Bundes gebucht worden. Den Schlusspunkt setze auch in dieser Woche Italien mit zwei kleineren Aufstockungen. Dem Land sei zwar gestern von der EU-Kommission ein Verfahren angedroht worden, wenn man nicht bis April Maßnahmen zum Defizitabbau im Umfang von 0,2% des Bruttoinlandsprodukts ergreife, aber das sollte keine negativen Folgen für die Mittelaufnahme haben.
In der vergangenen Woche hätten in Bayern rund 1 Million Schüler ihre Zwischenzeugnisse erhalten. Diese würden die bisher erbrachten Leistungen im Schuljahr widerspiegeln und für die einen erfreulich und für die anderen weniger gut ausfallen.
Die Vergabe eines Zwischenzeugnisses für die europäische Gemeinschaftswährung komme nach ca. acht Wochen sicherlich noch zu früh, aber dennoch sei es sinnvoll, eine erste Bilanz zu ziehen. Der Start ins neue Jahr sei für den Euro gründlich danebengegangen. Er sei auf ein 14-Jahres-Tief bei 1,0341 USD gefallen. Allerdings habe die Einheitswährung in den folgenden Wochen peu à peu zulegen können und Anfang Februar mit 1,0829 USD den bisherigen Bestwert in 2017 markiert. Doch seither habe der Euro mit der zunehmenden Unsicherheit aufgrund der bevorstehenden Wahlen in Europa schwer zu kämpfen und zusätzlicher Druck werde auch durch die zu erwartende US-Geldpolitik erzeugt. So sei die Währung Eurolands auf Talfahrt gegangen und habe bei einem Wechselkurs von 1,0494 USD ein Sechs-Wochen-Tief erreicht. Die von vielen Marktteilnehmern avisierte Parität sei somit wieder möglich geworden. Heute Morgen handle die Gemeinschaftswährung auf Vortagsniveau um die Marke von 1,0560 USD.
Eine schlechte Note erhalte der Euro auch im Vergleich zum Mexikanischen Peso (MXN). Die Landeswährung Mexikos habe sich deutlich verbessert und mit 20,8771 MXN ein neues Jahreshoch markiert. Analog zum Euro habe sich der Peso auch zum Greenback verteuert und mit 19,8383 MXN so hoch wie zuletzt im November 2016 notiert, also kurz vor der US-Präsidentschaftswahl.
Deshalb könne dem Euro aktuell nicht unbedingt ein gutes Zwischenzeugnis ausgestellt werden und man sollte nicht verwundert sein, dass Fremdwährungsanleihen als Risikobeimischung weiterhin nachgefragt würden. Favorisiert worden seien dabei Bonds lautend auf US-Dollar, Südafrikanische Rand, Türkische Lira sowie Mexikanische Peso.
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