EZB trotzt dem Inflationsanstieg


16.01.17 09:15
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Der spannendste Tag der neuen Woche wird voraussichtlich der Donnerstag werden, wenn die EZB über den weiteren geldpolitischen Kurs in der Eurozone entscheidet, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Nachdem die Inflation vor dem Hintergrund gestiegener Ölpreise im Dezember um einen halben Prozentpunkt auf 1,1% in der Jahresrate und damit auf ein Dreijahreshoch angestiegen sei (finale Konsumentenpreise würden am Mittwoch veröffentlicht), dürfte auf der aktuellen Sitzung genauestens abgeklopft werden, ob und wie die Währungshüter auf die jüngste Preisentwicklung reagieren würden. Insgesamt dürften sich die Stimmen mehren, die die aktuelle Geldpolitik als zu expansiv einschätzen würden und ein zeitnahes "Tapering" der Assetkäufe fordern würden. Eine Mehrheit hinter Präsident Mario Draghi werde sich aber weiter an dem niedrigen zugrundeliegenden Preisdruck stören, so zeige sich das Lohnwachstum in der Eurozone nach wie vor verhalten.

Zudem werde sich die EZB davor hüten, zu früh auf den Restriktionskurs einzuschwenken und die Erholung so abzuwürgen. Vor allem die erst im Dezember von Mario Draghi vorgestellte Verlängerung des Anleihekaufprogramms per April um weitere neun Monate - bei reduziertem Ankaufvolumen von 60 Mrd. EUR pro Monat - sollte Spekulationen um ein zeitnahes "Tapering" vorerst weiter erfolgreich in Grenzen halten. Apropos Verlängerung des Ankaufprogramms: In dem am Dienstag zur Veröffentlichung anstehenden Bank Lending Survey der EZB für das 4. Quartal dürfte dabei genau beäugt werden, ob sich die anhaltenden Expansivmaßnahmen der Notenbank positiv auf die Kreditnachfrage der Unternehmen und Haushalte ausgewirkt hätten.

Mit der ZEW-Umfrage unter Finanzmarktexperten werde am Dienstag die erste Stimmungserhebung für das neue Jahr in Deutschland publiziert. Die Analysten würden zwar insgesamt damit rechnen, dass die Vorzeichen für die deutsche Konjunktur weiter günstig bleiben würden, zusätzlicher Optimismus bei der Einschätzung der aktuellen Lage sollte aber nur in geringem Maße aufgekommen sein. Der entsprechende Index dürfte im Januar von 63,5 auf 65,0 angezogen sein.

Darüber hinaus biete die neue Woche noch Inflationsdaten für Großbritannien und die USA. Der durch den OPEC-Beschluss induzierte Ölpreisanstieg dürfte überall seine Spuren hinterlassen haben. In beiden Ländern würden die Analysten entsprechend mit einem Anstieg der Teuerung von 1,2% auf 1,4% in der Jahresrate für Großbritannien bzw. von 1,7% auf 2,1% für die USA rechnen. Der starke US-Dollar dämme die Inflationsentwicklung in den USA aber wohl auch perspektivisch ein, sodass die US-Notenbank zunächst keine Eile haben werde, den Restriktionskurs zu beschleunigen. Die Analysten würden erst im Juni mit einer nächsten Leitzinserhöhung um 25 BP rechnen.

Der weitere Kurs der FED werde dann auch davon abhängen, wie umfangreich das von Donald Trump anvisierte Fiskalpaket werde, ergo wie groß die konjunkturellen Impulse durch den neuen Präsidenten würden, der am Freitag auch offiziell in sein Amt gehoben werde. In diesem Zusammenhang könnte auch die Rede zum "konjunkturellen Ausblick und die Reaktion der Geldpolitik" von FED-Präsidentin Janet Yellen in der Nacht zum Freitag an der Stanford University sein.

Geldpolitische Entscheidungen würden darüber hinaus in dieser Woche lediglich in Kanada fallen. Dabei könnten sich die Analysten vorstellen, dass die zuletzt höheren Risiken u. a. für das Exportwachstum eine Zinssenkung um 25 BP auf 0,25% rechtfertigen könnten. (Ausgabe vom 13.01.2017) (16.01.2017/alc/a/a)