Erweiterte Funktionen

EZB stimuliert Wachstum und Finanzmärkte


10.06.14 09:23
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wohl kaum einen enttäuscht, der auf einen ordentlich Stimulus für die Konjunktur und die Finanzmärkte gesetzt hat, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.

Mit einem breiten Strauß an Maßnahmen habe sie jeden Zweifel zerstreut, dass sie nur halbherzig der Gefahr zu niedrigen Inflationsraten entgegentreten würde. Stattdessen setze sie auf eine Vielzahl an Effekten, welche die Wirtschaft in der Währungsunion stabilisieren würden.

Die niedrigeren Leitzinsen würden die Wirtschaft im Allgemeinen unterstützen. Die negativen Zinsen für Einlagen der Banken bei der EZB sollten zu einem schwächeren Euro beitragen. Die Bereitstellung von zusätzlichen Refinanzierungsmitteln für die Kreditvergabe der Banken von bis zu 400 Milliarden Euro für bis zu vier Jahre werde die Finanzierungsbedingungen vor allem in der Euro-Peripherie verbessern. Das Versprechen, bis Ende 2016 unlimitierte Refinanzierungsoperation anzubieten, werde die Geldmarktzinsen auch mittelfristig noch einmal senken. Die Ankündigung, den Ankauf verbriefter Kredite (ABS) vorzubereiten, sollte diesen derzeit brachliegenden Markt stimulieren und die Bankbilanzen entlasten.

Und letztlich sei auch das Signal der EZB wichtig, dass sie auch bereit sei, noch mehr zu tun, um die angestrebte Inflationsrate von 2% wieder zu erreichen. Damit halte sie die Spekulation im Markt, falls notwendig auch Staatsanleihen anzukaufen. Das sollte den Anstieg der langfristigen Renditen begrenzen, der sich normalerweise einstelle, wenn Rentenmärkte höhere Wachstums- und Inflationsfantasie einpreisen würden. Entsprechend würden höhere Aktienkurse, geringere Risikoprämien für die Euro-Peripherie und ein niedrigerer Euro nicht überraschen.

Aber die EZB-Maßnahmen hätten aber auch Nebeneffekte. Sparer würden eine geringere Verzinsung auf ihre Einlagen erhalten. Nach Abzug der Inflationsrate bleibe gar kein Ertrag mehr übrig. Sei dies fair? Die Frage stelle sich für die EZB nicht. Stattdessen möchte sie ja sogar den privaten Verbrauch und damit die Wirtschaft stimulieren. Und daher senke sie indirekt den Anreiz zu sparen und erhöhe den zu investieren.

Ein anderer Nebeneffekt sei die Gefahr von Vermögenspreisblasen. Preisblasen möchte die EZB natürlich nicht kreieren, steigende Vermögenspreise dagegen schon. Denn die Bilanzen der verschuldeten privaten Haushalte und der Unternehmen seien umso solider, je höher ihre Aktiva bewertet seien. Ob daraus später eine gefährliche Immobilienpreisblase in einigen Ländern resultiere, sei kein Problem von heute, sondern von morgen oder übermorgen. Und schließlich bleibe der Nebeneffekt auf den Schweizer Franken. Je niedriger die Zinsen im Euroland, desto höher wird der Aufwärtsdruck hierzulande, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG. Es sei fair zu sagen, dass dies nicht die Hauptsorge der EZB sei. Sie werde froh sein, wenn ihre Massnahmen die Euroland-Wirtschaft stimulieren würden. Für ihren Optimismus, dass dies geschehe, habe sie nun deutlich mehr Grund. (10.06.2014/alc/a/a)