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EZB stellt neue Prognosen vor


13.12.21 09:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Der Markt wird sich in der laufenden Woche auf die anstehenden Notenbanksitzungen konzentrieren, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Europäische Zentralbank (EZB) stelle dabei neue Prognosen vor. Die Schätzung für das BIP-Wachstum für das Jahr 2022 sei mit aktuell 4,6% wohl zu hoch angesetzt. Die Inflationsprognosen für das Jahr 2021 mit 2,2% und 2022 mit nur 1,7% gelte es dagegen deutlich nach oben zu revidieren. Der Fokus liege aber stärker auf anstehenden Beschlüssen und der damit verbundenen Wortwahl. Bis zuletzt habe es unter den Ratsmitgliedern Uneinigkeit zum Inflationsausblick und der weiteren Gestaltung der Geldpolitik gegeben.

Der in vielen Medien zitierte sich abzeichnende Kompromiss werde aus Sicht der Analysten der RBI inkonsistent zu früheren Erklärungen des Instrumentenmix ausfallen. Zum einen dürften sich die Befürworter einer restriktiveren Gangart durchgesetzt haben und das Pandemic Emergency Purchases Programme (PEPP) werde mit März 2022 wohl ein Ende finden. PEPP sollte die negativen Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft abfedern. Die EZB sehe somit ab Frühjahr trotz fortgesetzter Pandemie keinen Bedarf mehr an einer zusätzlichen Unterstützung. Allerdings könnte sich die EZB eine Hintertür offen lassen und eine spätere Wideraufnahme der Käufe im Bedarf signalisieren.

Im ersten Quartal 2022 dürften die Käufe zunächst noch im reduzierten Ausmaß fortgesetzt werden. Die Analysten der RBI würden im ersten Quartal 2022 im Schnitt mit rund EUR 45 Mrd. pro Monat nach zuvor circa EUR 67 Mrd. rechnen. Um den Rückbau der monatlichen Käufe nicht zu abrupt zu gestalten, scheine die Mehrheit des EZB-Rates eine zumindest temporäre Erhöhung des APP-Volumens zu befürworten. Zur Erinnerung: Das Asset Purchase Programme solle die dauerhafte Rückkehr der Inflation auf 2% gewährleisten. Sollte tatsächlich eine Aufstockung im April erfolgen, so müsse dies zum anderen eher als Konzession an Vertreter eine anhaltend expansiven Geldpolitik gesehen werden. Immerhin werde die Teuerung auch im Frühjahr deutlich über dem Notenbankziel liegen und die Chancen seien besser als noch zuletzt, dass die Inflation auch mittelfristig dem Inflationsziel entspreche.

Die zusammenhängende Klammer der Entscheidungen werde aus unserer Sicht sein: Die Notenbank wird sich klar zu reduzierten, aber fortgesetzten Anleihekäufe im Jahr 2022 bekennen, so die Analysten der RBI. Zudem werde sie einmal mehr eine Zinsanhebung im kommenden Jahr ausschließen. Gleichzeitig werde sie zu beiden Instrumenten aber kein Versprechen über diesen Zeithorizont hinaus abgeben. Zuletzt sei auch die weitere Vorgehensweise bei Refinanzierungsgeschäften von Interesse (Nachfolge des TLTRO III Programms). Bis zuletzt sei es unklar gewesen, ob und zu welchen Konditionen weiterhin eine längerfristige Geldaufnahme der Banken bei der EZB möglich sein werde.

Die anhaltend hohe Inflation und der künftige Weg des Taperings würden die Hauptthemen der FED-Sitzung am Mittwoch sein. Trotz des breiten Konsenses, dass die Inflation im nächsten Jahr zurückgehen werde, sei es fraglich, ob sie sich auf einem Niveau stabilisieren werde, das mit dem 2%-Ziel der FED vereinbar sei. In jüngster Zeit habe sich der Schwerpunkt der Aussagen der Notenbank von einer schleppenden Erholung des Arbeitsmarktes auf die Risiken einer anhaltend hohen Inflation verlagert. Dies könnte zu einer Anhebung der Inflationsprognosen der FED führen. Die VPI-Zahlen von 6,8% (6,8% erwartet) würden diese Ansicht stützen.

Als Reaktion darauf hätten mehrere Mitglieder des FOMC, darunter der Vorsitzende Powell, signalisiert, dass eine Beschleunigung des Taperings in Betracht gezogen werde. Die Nettokäufe könnten daher bereits mit dem ersten Quartal 2022 enden, was der FED mehr Spielraum für 2022 verschaffen würde. In der Zwischenzeit würden die Märkte mit zwei bis drei Zinserhöhungen ab Mitte nächsten Jahres rechnen. Unter der Annahme, dass sich die Erholung am Arbeitsmarkt fortsetze und sich die Inflationsraten normalisieren würden, könnte dies nach Ansicht der Analysten der RBI etwas zu aggressiv sein. Die Analysten der RBI würden erwarten, dass der Zinsanhebungszyklus im dritten Quartal 2022 beginne.

Im Gegensatz dazu werde in der Schweiz davon ausgegangen, dass die Schweizer Nationalbank ihre Politik unverändert belasse und weiterhin bereit sei, bei Bedarf an den Devisenmärkten zu intervenieren. Obwohl der Schweizer Franken immer noch hoch bewertet sei, habe er seit Jahresbeginn real gesehen an Wert verloren. (Ausgabe vom 10.12.2021) (13.12.2021/alc/a/a)