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EZB stabilisiert nach Abverkauf


08.04.20 11:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Ein in vielerlei Hinsicht historischer Monat am europäischen Rentenmarkt liegt hinter uns, so die Experten von Union Investment.

Die durch das Corona-Virus ausgelöste Rezession der Weltwirtschaft habe im März zu deutlichen Verwerfungen geführt. Zunächst hätten die als sicher geltenden Anleihen aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden vielen Anlegern als sicherer Hafen gedient. Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen habe bei -0,9 Prozent ein Allzeittief markiert. Innerhalb weniger Handelstage sei die Rendite dann bis auf -0,14 Prozent nach oben geschossen. Um Liquidität zu schaffen, hätten sichere Staatsanleihen veräußert werden müssen. Anleger hätten nur noch Kasse favorisiert. Aufgrund der enormen Verunsicherung sei es bei risikobehafteten Papieren zu starken Kursverlusten gekommen. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich die Risikoaufschläge von Papieren aus den Peripherieländern deutlich erhöht. Die Rendite zehnjähriger Staatspapiere aus Italien sei von einem auf drei Prozent in die Höhe geschossen. Darüber hinaus habe sich deren Handelbarkeit merklich eingeschränkt.

Zu diesem Zeitpunkt sei es am Rentenmarkt zu großen Problemen gekommen, weil viele Banken keine Bestände auf ihr Handelsbuch hätten nehmen wollen. Dies habe letztlich die Europäische Zentralbank auf den Plan gerufen. Diese habe ein umfassendes Maßnahmenpaket geschnürt. Neben der Ausweitung des schon bestehenden Ankaufprogramms sei wesentliche Erleichterung für Banken implementiert worden, darunter auch neue Langfristtender zur Liquiditätsbeschaffung. Darüber hinaus sei ein zusätzliches Kaufprogramm (Pandemic Emergency Purchase Programme - PEPP) zur Eindämmung der Marktverwerfungen im Volumen von 750 Milliarden Euro (Staats- und Unternehmensanleihen sowie Geldmarktpapiere) verabschiedet worden. Insbesondere Letzteres habe schnell Wirkung gezeigt und die Renditen von Anleihen aus den Peripherieländern wieder sinken lassen. Zum Monatsende hin habe sich der europäische Rentenmarkt etwas stabilisiert, was auch an zusätzlichen Fiskalprogrammen, auch in anderen Ländern, gelegen habe. Damit hätten die systemischen Risiken minimiert werden können. Übrig geblieben seien jedoch die konjunkturellen Risiken. Gemessen am iBoxx Euro Sovereign Index hätten europäische Staatsanleihen im Februar 2,5 Prozent an Wert verloren. (Ausgabe vom 07.04.2020) (08.04.2020/alc/a/a)