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EZB sollte das Risiko einer Rezession im Auge behalten
16.04.25 10:00
Neuberger Berman
New York (www.anleihencheck.de) - Bis sich die fiskalpolitischen Impulse in Deutschland tatsächlich im Wirtschaftswachstum widerspiegeln, dürfte es laut Patrick Barbe, European Fixed Income Head bei Neuberger Berman, noch dauern.
Der Fokus der Europäischen Zentralbank (EZB) liege daher aus seiner Sicht ausschließlich auf den Auswirkungen der US-Handelspolitik.
Die negativen Folgen des US-Handelskriegs für die Wirtschaft in der Eurozone würden zu einem breiten Marktkonsens darüber führen, dass die EZB bei ihrer Sitzung am Donnerstag den Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent senken werde. Nach Meinung der Experten liege die Herausforderung für die Währungshüter in der Analyse der disruptiven Politik von US-Präsident Donald Trump in Bezug auf die Sicherheit, Wirtschaft und Inflation in Europa. Angesichts des kurzfristigen Risikos einer Rezession und einer sinkenden Inflation erwarteten wir ‚dovishe‘ Kommentare seitens der EZB. Die Experten von Neuberger Berman rechnen mit einer Abwärtskorrektur der Leitzins-Endrate auf etwa 1,5 Prozent, gefolgt von einer steiler werdenden Kurve.
In Deutschland habe der aller Voraussicht nach neue Bundeskanzler Merz einen ‚new deal‘ für das Land vorgeschlagen, der umgehend eine starke Marktreaktion hervorrufe. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft würden jedoch länger auf sich warten lassen: Die fiskalpolitischen Pläne dürften zu einer Änderung der Wirtschaftsaussichten erst ab dem zweiten Halbjahr 2026 führen und ihren Höhepunkt in den Jahren 2027 bis 2028 erreichen. Ihre Wirkung werde von der effizienten Allokation der erhöhten öffentlichen Ausgaben abhängen.
Daher liege der Fokus in diesem Jahr ausschließlich auf der US-Regierungspolitik und den weltweiten Folgen des Handelskriegs: Ein wichtiges Ereignis sei der von Trump so genannte ‚Liberation Day‘ gewesen, als der US-Präsident reziproke US-Zölle angekündigt habe. Kurz darauf habe er bekannt gegeben, sie für 90 Tage auszusetzen. Die Unsicherheit aber bleibe und führe zu einer Pause bei den Investitionsausgaben. Darüber hinaus blieben die Mindestzölle von 10 Prozent sowie 25 Prozent auf Autos, Stahl und Aluminium bestehen. Das könnte die asiatischen Exporte von den USA nach Europa umlenken. Wir kämen daher zu dem Schluss, dass die EZB das Risiko einer Disinflation und Rezession in diesem Jahr im Auge behalten sollte.
Die Währungshüter analysierten darüber hinaus die Marktbedingungen und die Liquidität. Der massive Ausverkauf von Aktien und Unternehmensanleihen habe Ängste vor Verlusten am Kapitalmarkt und vor Liquidationsgeschäften geweckt. Diese könnten sich wiederum auf die Finanzierungsbedingungen und den Finanzsektor, die Banken und Versicherungen auswirken. Vorläufig seien hier noch keine Probleme zu beobachten. Allerdings sollten die Spannungen in den USA die Regierungen der Euroländer – nicht nur Deutschland – dazu veranlassen, die öffentlichen Ausgaben zu erhöhen, wenn sie dazu in der Lage seien. So könnten sie Unternehmen unterstützen, die mit den Kosten höherer Zölle durch den Handelskrieg konfrontiert seien. Eine proaktive Geldpolitik der EZB und in der Folge niedrigere Anleiherenditen dürften verhindern, dass sich die europäischen Regierungen in diesem Jahr finanziell übernehmen würden. (16.04.2025/alc/a/a)
Der Fokus der Europäischen Zentralbank (EZB) liege daher aus seiner Sicht ausschließlich auf den Auswirkungen der US-Handelspolitik.
In Deutschland habe der aller Voraussicht nach neue Bundeskanzler Merz einen ‚new deal‘ für das Land vorgeschlagen, der umgehend eine starke Marktreaktion hervorrufe. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft würden jedoch länger auf sich warten lassen: Die fiskalpolitischen Pläne dürften zu einer Änderung der Wirtschaftsaussichten erst ab dem zweiten Halbjahr 2026 führen und ihren Höhepunkt in den Jahren 2027 bis 2028 erreichen. Ihre Wirkung werde von der effizienten Allokation der erhöhten öffentlichen Ausgaben abhängen.
Daher liege der Fokus in diesem Jahr ausschließlich auf der US-Regierungspolitik und den weltweiten Folgen des Handelskriegs: Ein wichtiges Ereignis sei der von Trump so genannte ‚Liberation Day‘ gewesen, als der US-Präsident reziproke US-Zölle angekündigt habe. Kurz darauf habe er bekannt gegeben, sie für 90 Tage auszusetzen. Die Unsicherheit aber bleibe und führe zu einer Pause bei den Investitionsausgaben. Darüber hinaus blieben die Mindestzölle von 10 Prozent sowie 25 Prozent auf Autos, Stahl und Aluminium bestehen. Das könnte die asiatischen Exporte von den USA nach Europa umlenken. Wir kämen daher zu dem Schluss, dass die EZB das Risiko einer Disinflation und Rezession in diesem Jahr im Auge behalten sollte.
Die Währungshüter analysierten darüber hinaus die Marktbedingungen und die Liquidität. Der massive Ausverkauf von Aktien und Unternehmensanleihen habe Ängste vor Verlusten am Kapitalmarkt und vor Liquidationsgeschäften geweckt. Diese könnten sich wiederum auf die Finanzierungsbedingungen und den Finanzsektor, die Banken und Versicherungen auswirken. Vorläufig seien hier noch keine Probleme zu beobachten. Allerdings sollten die Spannungen in den USA die Regierungen der Euroländer – nicht nur Deutschland – dazu veranlassen, die öffentlichen Ausgaben zu erhöhen, wenn sie dazu in der Lage seien. So könnten sie Unternehmen unterstützen, die mit den Kosten höherer Zölle durch den Handelskrieg konfrontiert seien. Eine proaktive Geldpolitik der EZB und in der Folge niedrigere Anleiherenditen dürften verhindern, dass sich die europäischen Regierungen in diesem Jahr finanziell übernehmen würden. (16.04.2025/alc/a/a)


