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Bei der EZB sind Zinssenkungen zurück auf dem Tisch


27.10.15 10:12
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Nach der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) letzte Woche, deutete deren Präsident Mario Darghi an, dass die EZB im Dezember ihr Anleihenankaufprogramm ausdehnen könnte, so Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank J. Safra Sarasin AG.

Draghi habe vor der versammelten Presse erklärt, dass die EZB an der nächsten Sitzung am 3. Dezember das heute bestehende Programm überprüfen möchte. Gleichzeitig habe er auf Abwärtsrisiken für die Euro-Wirtschaft hingewiesen. Zusammen würden diese zwei Aussagen ein ideales Sprungbrett für eine weitere geldpolitische Ausweitung im Dezember bilden.

Währenddessen präsentiere sich die Situation in der Eurozone aber keineswegs besorgniserregend. Die Einkaufsmanagerindices für den Oktober hätten optimistische Unternehmen gezeigt und das Wachstum im dritten Quartal dürfte sich als robust erweisen. Die wirtschaftliche Situation heute scheine befriedigend, aber wahrscheinlich nicht stark genug, um die Inflationsrate mittelfristig wieder auf das EZB-Ziel von knapp 2% zu heben. Deshalb würden die Analysten eine Verlängerung des Anleihenankaufprogramms der EZB über den heute bekannten Zeitrahmen hinaus erwarten. Die Eurozone brauche nicht einen noch stärkeren monetären Stimulus, aber wahrscheinlich den bestehenden Stimulus ein wenig länger.

Mario Draghi habe an der Sitzung letzte Wochen auch erwähnt, dass sich der EZB-Rat über eine weitere Reduktion der Zinsen auf der Einlagefazilität (die heute bei -0,2% liege) unterhalten habe. Lange Zeit habe die EZB von einem solchen Schritt nichts wissen wollen, weil sie befürchtet habe, dass eine weitere Zinssenkung den Geldmarkt ins Trudeln bringen könnte. Die positiven Erfahrungen anderer Zentralbanken mit deutlich negativen Zinsen (Dänemark, Schweden und die Schweiz) hätten nun anscheinend zu einem Umdenken innerhalb der Europäischen Zentralbank geführt.

Eine weitere Zinssenkung hätte sicherlich einen Einfluss auf den Wechselkurs, seien doch die Zinsdifferenzen zwischen den einzelnen Wirtschaftsräumen die wichtigsten Treiber für die Währungen. Draghi könnte sich zu einem solchen Zinsschritt gezwungen sehen, falls der Außenwert des Euro in den nächsten Wochen zulege, insbesondere gegenüber dem US-Dollar. Aber in diesem Fall sei das Schicksal des Euro nicht nur an die EZB, sondern auch an die US-Notenbank FED geknüpft.

Steige die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in den USA, schwäche das den Euro - sinke die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschrittes der US-Notenbank, steige die europäische Einheitswährung. In den letzten Wochen habe sich der Euro jedoch von einem Niveau bei fast 1,15 auf knapp 1,10 Euro pro Dollar abgeschwächt. Bleibe der Euro auf diesem Niveau oder setze sich der Abwärtstrend weiter fort, dürfte die EZB ihr Anleihenankaufprogramm ausdehnen, aber auf eine Zinssenkung verzichten. (27.10.2015/alc/a/a)