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EZB signalisiert Rückkehr des Anleihenkaufs


19.06.19 14:30
Aberdeen Standard Investment

London (www.anleihencheck.de) - Paul Diggle, Senior Economist bei Aberdeen Standard Investments, kommentiert Mario Draghis Rede auf der EZB-Konferenz in Sintra.

Mario Draghi habe in seiner Sintra-Rede ein eindeutiges Signal ausgesendet, dass die EZB beabsichtige, die Lockerung der Geldpolitik zu erneuern. Er habe deutlich gemacht, dass zusätzliche Impulse nötig seien - sollten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht verbessern - so, dass die EZB in den kommenden Wochen mögliche Maßnahmen prüfen werde.

Seine Bemerkungen würden auf dem Ton dessen aufbauen, was die EZB in letzter Zeit kommuniziert habe. Sie würden betonen, dass die Zentralbank noch immer über die nötige Feuerkraft verfüge und sich weiterhin an die Konjunkturdaten halte, die nicht nachgelassen hätten.

Draghi sei noch nicht so weit gegangen, zu sagen, wie eine erneute Lockerung aussehen könnte, aber bei jeder ernsthaften Bemühung dazu müssten folgende zwei Instrumente genutzt werden:

1. Neustart des QE: In diesem Stadium sei dies wahrscheinlich die bevorzugte Methode der EZB, um zu zeigen, dass sie bereit sei, etwas Mutiges zu tun. Es werde allgemein als geeignetes Mittel zur Bekämpfung der anhaltend enttäuschenden Inflation akzeptiert und sei wohl Ende 2018 vorzeitig beendet worden. Es gebe Einschränkungen für das Anleihenkaufprogramm, aber diese seien selbst auferlegt. Nichts hindere die EZB daran, sie zu ändern, solange das politische Argument zwischen den europäischen Ländern gewonnen werden könne.

2. Senkung des Einlagenzinssatzes: Scheine in dieser Phase das am wenigsten bevorzugte Instrument der EZB zu sein, wobei der Einlagenzinssatz bereits bei -0,4% liege. Jüngste Untersuchungen der EZB hätten jedoch ergeben, dass sie der Meinung seien, dass weitere Kürzungen zur Stimulierung der Wirtschaft beitragen würden, und dass die Besorgnis über die Auswirkungen negativer Zinsen auf die Banken in einigen Quartalen gemildert werden könne. In einem Umfeld, in dem die FED die Zinsen senke, könne es sich die EZB wahrscheinlich leisten, auf -0,6% zu steigen.

Es gehe jetzt nur noch darum, wann dies geschehe - die Schlussfolgerung aus Draghi's Rede sei, dass es bald sein werde. Die Tatsache, dass er von "Wochen" und nicht von Monaten spreche, deute darauf hin, dass die EZB die Juli-Sitzung damit verbringen könnte, darüber zu diskutieren, welche Form die Lockerung annehmen sollte, und sie dann im September bekannt geben könnte.

Europa sei trotz aller früheren Bemühungen der EZB nie aus der wirtschaftlichen Flaute herausgekommen. Es sei also rational zu fragen, ob es dieses Mal anders sein werde. Wahrscheinlich nicht. (19.06.2019/alc/a/a)