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EZB reduziert Anleiheankaufvolumen um 20 Mrd. Euro pro Monat


10.03.17 12:30
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Exakt ein Jahr nach der Ausweitung des QE-Programms von 60 auf 80 Mrd. Euro pro Monat wird die EZB das QE-Programm um 20 Mrd. Euro pro Monat reduzieren, sodass bis Ende 2017 wiederum 60 Mrd. Euro pro Monat angekauft werden, berichten die Analysten der National-Bank AG.

Alle anderen Rahmenbedingungen würden nach den letzten technischen Anpassungen unverändert bleiben, wonach nun Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit ab einem Jahr (vorher ab zwei Jahren) sowie Anleihen angekauft werden könnten, deren Rendite unterhalb des Einlagensatzes liege. D.h. Unternehmensanleihen, die dem Kriterienkatalog der EZB entsprechen würden, könnten im Zuge der Umsetzung des QE-Programms durch das System Europäischer Zentralbanken ebenso weiterhin angekauft würden wie Covered Bonds oder ABS.

Grundsätzlich hätten die technischen Anpassungsmaßnahmen des QE-Programms einer Verknappung ankauffähigen Materials entgegengewirkt. Dennoch werde das Programm an seine Umsetzungsgrenzen stoßen. Deutlich werde das beispielsweise am Fall Portugal. In den letzten Monaten sei ein erheblich geringeres Volumen an Staatsanleihen gekauft worden, als es gemäß durchgerechnetem Kapitalschlüssel der EZB zu erwarten wäre. Ähnliches gelte für Finnland und einige andere kleine Länder, die nur wenige Staatsanleihen ausstehend hätten.

Als besonders hinderlich erweise sich die Ankaufbeschränkung je Anleihe. Die EZB dürfe nicht mehr als ein Drittel des Volumens einer Anleihe ankaufen. Die Ursache für diese technische Beschränkung sei der Ausstattung von nach dem 1. Januar 2013 emittierten Staatsanleihen von Euroländern geschuldet: Alle Anleihen mit einer Laufzeit größer einem Jahr würden seitdem verpflichtend eine Collective Action Clause (CAC) enthalten, die die Restrukturierung der Anleihen unter bestimmten Voraussetzungen erleichtere. Damit der Einfluss auf ein Restrukturierungsverfahren durch die EZB nicht zu groß werde, sei die genannte Beschränkung aufgenommen worden.

Trotz der Reduzierung des monatlichen Ankaufvolumens dürften also weitere technische Anpassungen notwendig werden. Hier könnte beispielsweise die Erhöhung des maximal ankaufbaren Volumens von vor dem 1. Januar 2013 emittierten Anleihen ohne CAC ein Weg oder die Ausweitung des Laufzeitbandes auf 50 Jahre sein.

Grundsätzlich bleibe die EZB als ständiger Nachfrager nach Anleihen aus dem Euroraum aktiv. Es werde also Monat für Monat zusätzliche Liquidität in den Kapitalmarkt gegeben und das wahrscheinlich über den Dezember 2017 hinaus, denn ein abruptes Ende des Programms sei nicht zu erwarten. Die EZB dürfte dem Vorgehen der FED folgen und das Programm in 2018 allmählich mit einer Reduzierung der monatlichen Ankaufvolumina auslaufen lassen, um die Verwerfungen so gering wie möglich zu halten.

So jedenfalls würden sich die Aussagen von EZB-Chef Draghi interpretieren lassen, die er auf einer der vergangenen Pressekonferenzen getätigt habe. Daran werde der jüngste Inflationsschub nichts ändern, denn schließlich sei das in Anbetracht der Preisentwicklung beispielsweise von Rohöl vorhersehbar gewesen. Die Unterbeschäftigung bzw. die hohen Arbeitslosenquoten in weiten Teilen des Euroraums würden die Preisüberwälzungsspielräume der Unternehmen in engen Grenzen halten.

Die Verringerung des Ankaufvolumens könne jedoch nicht ohne Folgen bleiben. Grundsätzlich dürften sich die einzelnen Notenbanken schwer damit tun, Anleihen mit negativen Renditen anzukaufen, denn dadurch würden ihre künftigen Verluste determiniert, sofern sie die Anleihen bis Endfälligkeit halten und Leiheerträge die Verluste nicht kompensieren könnten.

Das dürfte auch als eine Erklärung herhalten, warum die durchschnittlichen Restlaufzeiten der Anleihen, die durch die Notenbanken unter dem Staatsanleiheankaufprogramm erworben worden seien, so hoch seien. Letztlich, und dazu müsse man nicht nur auf die deutsche Renditestrukturkurve schauen, würden bei der überwiegenden Zahl der Euroländer nur langlaufende Anleihen Renditen bieten, die größer Null seien. Hinsichtlich der Struktur des gesamten QE-Programms würden die Staatsanleihen die wichtigste Rolle spielen.

Die Reduzierung des Ankaufvolumens dürfte sich vor allem beim Ankaufverhalten von Corporates und Covered Bonds bemerkbar machen. Hier sollte es ab April deutlich weniger Nachfrage geben. Im Durchschnitt seien per Ende Februar 2017 7,5 Mrd. Euro/Monat an Corporates und 4,3 Mrd. Euro/Monat an Covered Bonds (gerechnet seit 1. April 2016) erworben worden. Selbst eine Reduzierung proportional zur Reduzierung des QE-Volumens (25%) dürfte spürbar sein. Der Ankauf von ABS spiele hingegen schon länger kaum noch eine Rolle.

Allerdings dürfte die Reduzierung des durchschnittlichen monatlichen Ankaufvolumens zumindest bei Corporates, wahrscheinlich auch bei Covered Bonds, deutlich größer ausfallen als 25%. Die einzelnen Notenbanken würden dem Ankauf von Staatsanleihen aus dem eigenen Land den Vorzug geben, sofern die technischen Rahmenbedingungen erfüllt seien. Schließlich komme das dem Land direkt zugute, denn die Ankäufe hätten Einfluss auf die jeweilige Renditestrukturkurve. Außerdem würden wie im Fall von Corporates oder Covered Bonds keine zusätzlich zu bewertenden Kreditrisiken übernommen. Eine Ausweitung der Credit Spreads scheine daher zumindest kurzfristig wahrscheinlich. Allerdings würden die Investoren diese Nachfragelücke schnell wieder schließen. Schließlich treibe sie der Anlagenotstand insbesondere bei guten Kreditrisiken um. (10.03.2017/alc/a/a)