EZB mit optimistischerem Inflationsausblick


17.09.18 13:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat auf ihrer Ratssitzung am vergangenen Donnerstag wie erwartet keine Anpassungen des geldpolitischen Instrumentariums vorgenommen, so die Analysten der Nord LB.

Die drei Leitzinssätze würden damit auf den bisherigen Niedrigstniveaus verbleiben. Wie schon im Juni angekündigt, werde die EZB ab dem nächsten Monat die Nettoanleihekäufe im Rahmen des Expanded Asset Purchasing Programme auf monatlich EUR 15 Mrd. halbieren und zum Jahreswechsel beenden.

Ab Januar werde sich die Notenbank dann auf die Reinvestments bei fällig werdenden Bonds beschränken. Dieser Fahrplan sei bestätigt worden und sorge für einige Verlässlichkeit, selbst wenn er unter den Vorbehalt der noch bis dahin ausstehenden wirtschaftlichen Daten gestellt worden sei. Die Forward Guidance, die die Marktteilnehmer schon bisher darauf vorbereitet habe, dass mit Leitzinsanhebungen nicht vor dem Sommer 2019 zu rechnen sei, sei beibehalten worden. Entscheidungen zur Dauer, zum Umfang und zur Laufzeitenstruktur der Reinvestments habe es nicht gegeben.

In der anschließenden Pressekonferenz habe der Ratsvorsitzende Marion Draghi erklärt, dass sich damit demnächst die entsprechenden Ausschüsse beschäftigen würden. Bereits zuvor sei durchgesickert, dass die vierteljährlich aktualisierten Projektionen der Volkswirte der Notenbank mit Blick auf das Wirtschaftswachstum leicht nach unten revidiert worden seien. Tatsächlich trage der nun nur noch auf 2,0% (zuvor: 2,1%) bzw. 1,8% (zuvor: 1,9%) prognostizierte Anstieg der Wirtschaftsleistung in diesem und im nächsten Jahr den zunehmenden Abwärtsrisiken Rechnung.

Ausdrücklich habe Draghi betont, dass vom Protektionismus nach Auffassung der EZB die größten Unsicherheiten ausgehen würden. Gleichzeitig habe er sich aber zuversichtlicher geäußert, dass die Inflationsrate auch perspektivisch und nachhaltig wieder in den Zielbereich von nahe 2% zurückgeführt werden könne.

Die Analysten würden bei ihrer Einschätzung bleiben, dass die EZB wahrscheinlich im September nächsten Jahres und damit noch kurz vor dem Wechsel an der Spitze der Notenbank den Satz für die Einlagefazilität adjustieren werde. Dies wäre der von Mario Draghi gesetzte Schlussakkord in seiner nicht unumstrittenen Schaffensphase. Der Geldmarkt preise dies ein, die seit Beginn des Monats beobachtbare Aufwärtsbewegung bei den Forward-Sätzen bleibe vorerst ungebrochen. (17.09.2018/alc/a/a)