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EZB lässt sich trotz des beendeten QE-Programms alle Optionen offen


14.12.18 10:02
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die gestrige Sitzung der Europäischen Zentralbank könnte die Devisenakteure ein wenig nachdenklich gestimmt haben, so die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Zunächst sei der Vollständigkeit halber jedoch erwähnt, dass die Leitzinsen auf ihrem Rekordtief belassen worden seien (Hauptrefinanzierungssatz bei 0 Prozent, Einlagenzinssatz für Banken -0,4 Prozent). Und zwar wie bereits zuvor mindestens bis "über den Sommer 2019 hinweg". Das Volumen der Anleihekäufe von zuletzt 15 Mrd. Euro pro Monat werde zum Jahresende wie erwartet ganz eingestellt werden. Die Erlöse aus fälligen Anleihen sollten, so der einstimmige Beschluss des EZB-Rates, für längere Zeit und über den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung hinaus indes in vollem Volumen reinvestiert werden. Dieses Statement stelle insofern eine Änderung dar, als der Begriff "längere Zeit" nunmehr hinsichtlich der Mindestdauer definiert worden sei.

Die leicht gesenkten Wachstumsprognosen hätten keine wirkliche Überraschung dargestellt, seien doch einige Wirtschaftsdaten jüngst schwächer als erwartet ausgefallen. Dennoch rechne die EZB mit einer Fortsetzung des Wirtschaftsaufschwungs. Damit gehe die Notenbank nun für das laufende Jahr von einem Wachstum in der Eurozone von 1,9 (zuvor 2,0%), von 1,7 Prozent für 2019 (zuvor 1,8%) und unverändert von einem Plus von 1,7 Prozent für 2020 aus. Was die Inflationsvorhersagen für die besagten drei Jahre angehe, seien diese "im Großen und Ganzen" unverändert. Also bei 1,8 Prozent (2018), 1,6 (2019) und 1,7 Prozent für das Jahr 2020. Erstmals habe es auch für das Jahr 2021 Prognosen gegeben: Für das Bruttoinlandsprodukt rechne die EZB mit einem Plus von 1,5 und bei der Inflation mit einer Zunahme von 1,8 Prozent.

Schließlich habe EZB-Präsident Mario Draghi in der Pressekonferenz festgestellt, dass die Risiken für das Wirtschaftswachstum zwar weitgehend ausgeglichen, aber wegen zahlreicher Unsicherheiten, die von geopolitischen Faktoren, Protektionismus-Gefahren und der Finanzmarktvolatilität ausgegangen seien, nach unten gerichtet seien.

Insgesamt hätten die Finanzmarktteilnehmer gestern also einen im Vergleich zu den vergangenen beiden Sitzungen wesentlich vorsichtigeren Mario Draghi erleben können, der in der Pressekonferenz eigentlich noch zwei interessante Hinweise gegeben habe. Danach gehöre das quantitative Lockerungsprogramm nun zum dauerhaften Bestandteil des EZB-Werkzeugkastens, zumal der Europäische Gerichtshof die Rechtmäßigkeit der Anleihekäufe bestätigt habe. Und zum anderen verstünden, so Draghi, die Märkte die "Reaktionsfunktion der EZB" richtig, wenn sie aufgrund einer möglichen Abschwächung der Wirtschaft eine spätere erste Zinserhöhung einpreisen würden. Mit anderen Worten: Die EZB lasse sich trotz des beendeten QE-Programms alle Optionen offen. Und so habe sich der Euro im Rahmen seines kurzfristigen wenig dynamischen Abwärtstrends zwischen 1,1415 und 1,1150/55 gestern zeitweise etwas abgeschwächt. (14.12.2018/alc/a/a)