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EZB ist stark auf Ankäufe für weitere Anpassungen angewiesen
13.09.19 09:00
Lombard Odier IM
Genf (www.anleihencheck.de) - Mario Draghi stellte auf der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag eine Reihe umfassender und tiefgreifender Lockerungsmaßnahmen vor, mit dem die Inflationserwartungen in der Währungsunion wieder verankert werden sollen, so Dr Salman Ahmed, Chief Investment Strategist bei Lombard Odier Investment Managers.
Die EZB habe den Einlagenzins um 10 Basispunkte gesenkt, ihr Quantitative-Easing-Programm (QE) mit 20 Milliarden Euro im Monat gestartet und ihre LTRO(1)-Kreditmodalitäten geändert, um die Kreditvergabe weiter zu unterstützen. Die größte Überraschung sei allerdings gewesen, dass die Notenbank den Zeitraum ihrer geldpolitischen Lockerungen offen gelassen habe; im Gegensatz zu den Markterwartungen, die eine Fixzeit von neun bis zehn Monaten prognostiziert hätten. Um den Bankensektor vor einer Beeinträchtigung durch negative Zinsen zu schützen, habe die EZB ein zweistufiges System für die Rückstellungsvergütung eingeführt.
Im Vorfeld habe auf dem Markt Skepsis (getrieben durch die Äußerungen einiger Mitglieder des EZB-Rates) darüber geherrscht, dass Draghi möglicherweise nicht in der Lage sein könne, ein Lockerungspaket vorzulegen, zu dem er sich im Juli verpflichtet habe. Tatsächlich würden die Experten argumentieren, dass der durch diese Skepsis getriebene Rückgang der Zinssätze Draghi tatsächlich geholfen habe, die Erwartungen mit dem aktuellen Paket zu übertreffen. Dies wäre relativ schwierig gewesen, wenn die 10-jährigen Bund-Renditen unter -0,7 Prozent gefallen wären.
Die am Donnerstag beschlossenen Maßnahmen und die begleitenden Erklärungen Draghis würden zeigen, dass die EZB weiterhin entschlossen sei, die Wirtschaft der Eurozone zu stützen und die Inflationserwartungen wieder zu verankern - insbesondere vor dem Hintergrund "anhaltender und prominenter Abwärtsrisiken", wie es Draghi nenne. Durch den offenen Charakter des aktuellen QE-Programms stehe die EZB nun Schulter an Schulter mit der Bank of Japan (BoJ). Eine der wichtigsten Entscheidungen, die die neue Präsidentin Christine Lagarde nun treffen müsse, sei die Neubewertung der Emittentenlimits und die Bandbreite an Assets, die die Zentralbank künftig erwerben könne.
Die Experten seien der Ansicht, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis Aktien als potenzielles QE-Ziel angesehen würden (analog zur BoJ), auch wenn sie skeptisch bleiben würden, dass Geldpolitik allein das niedrige Inflationsproblem der Eurozone lösen könne, dem die Wirtschaft gegenüberstehe. Aber angesichts der Fortsetzung dessen, was die Experten als "Draghi-Paradigma" bezeichnen würden, würden sie erwarten, dass Frau Lagarde das Vermächtnis Draghis fortsetze, indem sie Umfang und Tiefe des Ankaufprogramms (das wichtigste Lockerungsinstrument der Zentralbank) in den kommenden Monaten vorantreibe. Während die Experten annehmen würden, dass die Einlagenzinsen weiter gesenkt würden, seien sie sich auch bewusst, dass die effektive Untergrenze Zinssenkungen weniger wirkungsvoll mache. Daher sei die EZB ihrer Meinung nach stark auf Ankäufe für weitere Anpassungen angewiesen.
Der jüngste Rückgang der Zinsen dürfte sich aus Sicht der Experten stabilisieren. Für die Zukunft würden sie erwarten, dass sowohl die nominalen als auch die realen Zinsen sehr niedrig bleiben würden, mit gelegentlichen Ausbrüchen bedingt durch technische Bewegungen. (Ausgabe vom 12.09.2019) (13.09.2019/alc/a/a)
Die EZB habe den Einlagenzins um 10 Basispunkte gesenkt, ihr Quantitative-Easing-Programm (QE) mit 20 Milliarden Euro im Monat gestartet und ihre LTRO(1)-Kreditmodalitäten geändert, um die Kreditvergabe weiter zu unterstützen. Die größte Überraschung sei allerdings gewesen, dass die Notenbank den Zeitraum ihrer geldpolitischen Lockerungen offen gelassen habe; im Gegensatz zu den Markterwartungen, die eine Fixzeit von neun bis zehn Monaten prognostiziert hätten. Um den Bankensektor vor einer Beeinträchtigung durch negative Zinsen zu schützen, habe die EZB ein zweistufiges System für die Rückstellungsvergütung eingeführt.
Die am Donnerstag beschlossenen Maßnahmen und die begleitenden Erklärungen Draghis würden zeigen, dass die EZB weiterhin entschlossen sei, die Wirtschaft der Eurozone zu stützen und die Inflationserwartungen wieder zu verankern - insbesondere vor dem Hintergrund "anhaltender und prominenter Abwärtsrisiken", wie es Draghi nenne. Durch den offenen Charakter des aktuellen QE-Programms stehe die EZB nun Schulter an Schulter mit der Bank of Japan (BoJ). Eine der wichtigsten Entscheidungen, die die neue Präsidentin Christine Lagarde nun treffen müsse, sei die Neubewertung der Emittentenlimits und die Bandbreite an Assets, die die Zentralbank künftig erwerben könne.
Die Experten seien der Ansicht, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis Aktien als potenzielles QE-Ziel angesehen würden (analog zur BoJ), auch wenn sie skeptisch bleiben würden, dass Geldpolitik allein das niedrige Inflationsproblem der Eurozone lösen könne, dem die Wirtschaft gegenüberstehe. Aber angesichts der Fortsetzung dessen, was die Experten als "Draghi-Paradigma" bezeichnen würden, würden sie erwarten, dass Frau Lagarde das Vermächtnis Draghis fortsetze, indem sie Umfang und Tiefe des Ankaufprogramms (das wichtigste Lockerungsinstrument der Zentralbank) in den kommenden Monaten vorantreibe. Während die Experten annehmen würden, dass die Einlagenzinsen weiter gesenkt würden, seien sie sich auch bewusst, dass die effektive Untergrenze Zinssenkungen weniger wirkungsvoll mache. Daher sei die EZB ihrer Meinung nach stark auf Ankäufe für weitere Anpassungen angewiesen.
Der jüngste Rückgang der Zinsen dürfte sich aus Sicht der Experten stabilisieren. Für die Zukunft würden sie erwarten, dass sowohl die nominalen als auch die realen Zinsen sehr niedrig bleiben würden, mit gelegentlichen Ausbrüchen bedingt durch technische Bewegungen. (Ausgabe vom 12.09.2019) (13.09.2019/alc/a/a)


