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Die EZB hat ein deutliches Handlungssignal gesetzt


12.03.21 08:45
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - David Riley, Chief Investment Strategist bei BlueBay Asset Management, kommentiert die gestrige Sitzung der Europäischen Zentralbank.

Die wichtigste und willkommene Botschaft für Investoren aus der gestrigen EZB-Sitzung sei, dass die Zentralbank das Tempo ihrer Anleihekäufe im kommenden Quartal "deutlich" erhöhen werde. In den ersten Monaten dieses Jahres sei das Tempo der EZB-Anleihekäufe auf etwa 14 Milliarden Euro pro Woche gesunken, verglichen mit etwa 20 Milliarden Euro zuvor - und Anleger hätten befürchtet, dass die EZB ein "heimliches Tapering" durchführe. Die Zusage der EZB, das Tempo ihrer Anleihekäufe "erheblich" zu erhöhen, mache die Vorstellung eines "Stealth Taper" zunichte. Die EZB und Präsidentin Lagarde hätten ein deutliches Signal gegeben, dass sie handeln würden, um zu verhindern, dass höhere Renditen von US-Staatsanleihen zu einer ungerechtfertigten Verschärfung der finanziellen Bedingungen in der Eurozone führen würden - und die Märkte hätten entsprechend mit niedrigeren Anleiherenditen und Staatsanleihen-Spreads reagiert.

Die jüngsten makroökonomischen Ausblicke der EZB würden deutlich machen, warum die europäischen Anleiherenditen denjenigen von US-Treasuries nicht in noch stärkerem Maße folgen sollten: Es werde erwartet, dass die Wirtschaft der Eurozone in diesem Jahr um 4 Prozent wachsen werde, was praktisch unverändert gegenüber der Prognose vom Dezember sei. Diese Woche habe die OECD ihre Prognose für das US-Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf 6,5 Prozent nach oben korrigiert, was auf das 1,9 Billionen US-Dollar schwere Fiskalpaket von Präsident Biden zurückzuführen sei. Höhere US-Treasury-Renditen würden durch den steigenden Optimismus für die US-Erholung angetrieben, wohingegen die Erholung in der Eurozone deutlich schwächer sei. Die EZB habe gestern signalisiert, dass sie den Kurs beibehalten und verhindern werde, dass Spillover-Effekte aus den USA und anderen Ländern die fragilere europäische Konjunkturerholung behindern würden. (Ausgabe vom 11.03.2021) (12.03.2021/alc/a/a)