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EZB dürfte bis auf weiteres an ihrer bisherigen Linie festhalten


27.01.20 12:00
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Wie von den meisten Marktbeobachtern erwartet, hat die EZB auf ihrer ersten Sitzung in diesem Jahr weder ihre Leitzinsen noch ihre Forward Guidance verändert, berichten die Analysten der National-Bank AG.

Die Analysten der National-Bank AG würden auch weiterhin davon ausgehen, dass die EZB bis auf weiteres an ihrer bisherigen Linie festhalten werde: Zwar werde auch innerhalb der EZB sicherlich wahrgenommen, dass sich der Ausblick für die europäische Konjunktur derzeit wieder spürbar festige. Grundsätzlich werde eine Notenbank aber abwarten wollen, ob die besseren wirtschaftlichen Perspektiven auch tatsächlich in einer breiten Palette an Indikatoren zum Ausdruck kämen. Zuletzt hätten sich zwar die Anzeichen dafür gemehrt, dass der Lohndruck auch in der Inflationsentwicklung spürbar geworden sei - das wäre ein gutes Zeichen. Es sei aber viel zu früh hier von einer Wende zu sprechen: Die Analysten der National-Bank AG würden weiterhin davon ausgehen, dass das Euroland ein im Vergleich zum Ausland signifikantes Disinflationsbias habe.

Es bleibe damit abzuwarten, wie sich die Inflation in Europa auch in einem möglicherweise spürbar besseren makroökonomischen Fahrwasser entwickle: Wenn schon in den USA kein nachhaltiger Preisdruck aufkomme, obwohl der Arbeitsmarkt seit langem geräumt sei, könne es durchaus sein, dass die Inflationsentwicklung in Europa ihren Abwärtstrend weiter fortsetze. Die Analysten der National-Bank AG würden daher der grundsätzlichen Auffassung bleiben, dass die EZB bis auf weiteres keinen Kurswechsel vornehmen werde und ihr Augenmerk auf die Überprüfung der EZB-Strategie ausrichten werde, die bis zum Jahresende 2020 abgeschlossen sein dürfte. Mit Blick auf die Dominanz der Interessen der Länder mit stabilitätspolitischen Problemen bleibe eine geldpolitische Kehrtwende zurück zum Geist der Verträge von Maastricht sehr unwahrscheinlich.

Auch die Geldpolitik der FED dürfte zumindest perspektivisch unverändert bleiben: Die US-Wirtschaft entwickle sich wohltemperiert und entwickle keine Überhitzungserscheinungen. Im Ergebnis bleibe der Preisdruck im Rahmen, was der US-Notenbank Handlungsspielraum verleihe. Dies dürfte allerdings auch darauf zurückgehen, dass die globalen Impulse aufgrund des Handelskonfliktes spürbar schwächer ausgefallen seien. Wir können uns insofern durchaus vorstellen, dass die US-Wirtschaft noch einmal so viel Fahrt aufnimmt, dass die FED die Zinssätze wieder erhöhen muss, so die Analysten der National-Bank AG. Im Wahljahr werde sich aber auch die US-Notenbank - zumal mit Präsident Trump an der Spitze der US-Administration - so zurückhaltend zeigen wie irgend möglich.

Die Corporate Spreads seien - gemessen am 5-jährigen Markit-iTraxx-Europe - zuletzt wieder gesunken und hätten bei unter 45 Basispunkten notiert. Der sich festigende etwas robustere konjunkturelle Ausblick für das Euroland in Verbindung mit der Fortsetzung des ultraexpansiven geldpolitischen Kurses sollte bewirken, dass der Abwärtstrend der Risikoprämien erhalten bleibe. Die nächste Zielgröße bleibe nach Erachten der Analysten der National-Bank AG die Marke von 40 Basispunkten. (Ausgabe vom 24.01.2020) (27.01.2020/alc/a/a)