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EZB dürfte die Wirtschaft durch dritte Welle von TLTROs unterstützen


25.01.19 09:15
Lombard Odier IM

Genf (www.anleihencheck.de) - Die EZB-Sitzung fand zu einem interessanten wirtschaftlichen Zeitpunkt statt: Seit der letzten Sitzung der Zentralbank im Dezember haben sich die Weltmärkte korrigiert, und die Bund-Renditen haben ein Niveau erreicht, wie zuletzt im Jahr 2016, so Charles St-Arnaud, Senior Investment Strategist bei Lombard Odier Investment Managers.

Immer mehr Daten würden signalisieren, dass sich die Wirtschaft der Eurozone Ende 2018 deutlich abgeschwächt habe. Daher habe die EZB eingeräumt, dass die erhobenen Wirtschaftsdaten seit der Dezember-Sitzung schwächer ausgefallen seien als erwartet. Infolgedessen seien "die Risiken mit Blick auf die kommenden Monate gestiegen", was bedeute, dass "erhebliche monetäre Anreize erforderlich sind" und "die EZB weiterhin bereit ist, alle geeigneten Instrumente einzusetzen", um ihr Ziel zu erreichen.

Die Experten von Lombard Odier Investment Managers vertreten daher die Meinung, dass in diesem Jahr eine Leitzinserhöhung durch die EZB sehr gering ist. Wenn überhaupt würden sie damit rechnen, dass die EZB die Wirtschaft vielmehr durch eine dritte Welle von TLTROs unterstützen dürfte. Dies sei auch auf der Sitzung entsprechend erwähnt worden. Jedoch müsse die EZB hierfür noch eine Entscheidung treffen und auf die nächsten Prognosen bis zur Sitzung im März warten. Die Experten würden es als wahrscheinlich ansehen, dass die EZB ihre Prognose für dieses Jahr bald ändern könnte, indem zumindest für das Jahr 2019 keine Erhöhung des Leitzinses vorgeschlagen werde. Dies wiederum könnte die Erwartung wecken, dass die EZB während des aktuellen Zyklus nicht in der Lage sei, die Zinsen anzuheben.

Anleger dürften in den kommenden Monaten, neben den Auswirkungen eines abgeschwächteren Ausblicks auf die Geldpolitik, vor allem verfolgen, wer Mario Draghi Ende des Jahres beerbe. Nach Meinung der Experten seien die führenden Kandidaten Francois Villeroy, Gouverneur von der Bank von Frankreich, und der ehemalige Chef der finnischen Zentralbank, Erkki Liikanen. Wohingegen das Ernennen von Bundesbankpräsident Jens Weidmann oder einem anderen deutschen Staatsangehörigen in den Augen der Experten eher unwahrscheinlich sei. (Ausgabe vom 24.01.2019) (25.01.2019/alc/a/a)