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Die EZB braucht dringend einen Befreiungsschlag


14.04.22 14:00
TARGOBANK

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen bei -0,5 Prozent belassen - und das bei Inflationsraten von knapp 8 Prozent, so Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK.

Eigentlich ein untragbarer Zustand. Was die Finanzmärkte jetzt brauchen würden, seien Taten, nicht nur Worte. Ja, es finde sich immer ein Grund, die Zinsen nicht anzuheben. Ja, es sei völlig offen, wie sich der Ukraine-Krieg auf die Konjunktur und insbesondere ein kompletter Energie-Import-Stopp aus Russland auswirke. Doch korrigieren, wenn es notwendig sei, könne man immer noch.

Die EZB brauche dringend einen Befreiungsschlag. Die europäischen Währungshüter sollten sich an der Vorgehensweise der FED ein Beispiel nehmen. Die amerikanische Notenbank lasse seit Wochen sehr deutlich durchklingen, dass für sie der Kampf gegen die Inflation klar im Vordergrund stehe. Befindlichkeiten auf dem Aktienmarkt, die in der Vergangenheit durchaus eine wichtige Rolle gespielt hätten, schienen zweitrangig. Auch Konjunkturbedenken würden vorerst weggewischt. Diese Vorgehensweise signalisiere Null-Toleranz mit der aktuellen US-Preisentwicklung und das eindeutige und primäre Ziel, die Inflationserwartungen schnellstmöglich zu dämpfen und damit auch den Inflationsdruck zu brechen.

Diese Botschaft fehle der EZB. Zwar würden die Inflationsgefahren inzwischen klar umrissen. Auch die Bereitschaft, sich gegen den Preisauftrieb zu stemmen, sei deutlich. Doch es werde immer noch zu viel taktiert, abgewogen und letztendlich aufgeschoben. So lasse sich eine Lohn-Preis-Spirale im Euroraum perspektivisch nicht aufhalten oder gar verhindern. Dafür hätte EZB-Chefin Christine Lagarde heute klare Ansagen mit klaren Handlungsvorgaben machen müssen. Dann hätte sie sich - ähnlich wie die FED - auch den Respekt an den Finanzmärkten zurückerobert.

Solange sich die EZB nicht endlich auf die ersten Zinsschritte festlege, vergrößere sie den Schlamassel, in den sie sich gleichzeitig immer weiter hineinmanövriere. (14.04.2022/alc/a/a)