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Die EZB bleibt sich treu


10.12.20 15:00
TARGOBANK

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg steht der DAX fast auf seinem Allzeithoch - dieses Vertrauen der Anleger haben die Märkte auch der Europäischen Zentralbank und ihrer klaren Linie zu verdanken, so Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK.

Heute habe EZB-Chefin Christine Lagarde erwartungsgemäß nochmals deutlich nachgelegt: Die ultralockere Geldpolitik werde abermals erheblich ausgeweitet; entsprechende Programme würden aufgestockt und verlängert. Eine baldige Zinserhöhung bleibe unverändert in weiter Ferne.

Die EZB versprühe Hoffnung in einer Krise, die eigentlich mit geldpolitischen Mitteln nicht aus der Welt geschaffen werden könne: Das Problem sei eben kein wirtschaftliches, sondern ein medizinisches. Dennoch habe sie einen Zusammensturz der Wirtschaft, wie ihn die Aktienmärkte noch Mitte Februar vorzeichnet hätten, vermeiden können. Und das verdiene große Anerkennung.

Damit operiere die Europäische Zentralbank seit dem Frühjahr 2020 in ihrem Bereich deutlich erfolgreicher als die Politik, der es nicht gelinge, wirksame Maßnahmen zu beschließen, um die Pandemie im Euroraum nachhaltig einzudämmen. Bei Christine Lagarde sei von der Erfassung der Notsituation bis zur Formulierung und Umsetzung eines Handlungsstrangs nie viel Zeit verstrichen.

Trotz starken Rückenwinds für die Märkte sollten sich Anleger jedoch nicht zu sicher fühlen. Die Märkte würden von einer rosigen Zukunft ausgehen, die vor allem auf einen baldigen Impfstoff und die boomende Wirtschaft in China setze. Diese Hoffnung berge Risiken, die teilweise noch nicht eingepreist seien und über die kaum jemand wirklich nachdenken wolle. Beim Umgang mit dem Virus und der Abschätzung seiner Folgen habe es schon viele Irrtümer gegeben. Eine Diskussion um die Wahrscheinlichkeiten dieser Risiken sei daher auch nicht wirklich hilfreich. (10.12.2020/alc/a/a)