EZB bestätigt Fahrplan bei optimistischerem Inflationsausblick


24.09.18 11:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Der Konjunkturmotor in der Eurozone hat zur Jahresmitte ein wenig an Fahrt verloren, ohne dabei aber gleich ins Stottern zu geraten, so die Analysten der Nord LB.

So sei die Industrieproduktion im Juni und auch im Juli um saisonbereinigt jeweils -0,8% M/M unter dem Ausbringungsniveau des Vormonats verblieben. Die Einzelhandelsumsätze seien im Juli geringfügig um -0,2% M/M zurückgefallen. Die für den Berichtsmonat September bisher vorliegenden Frühindikatoren würden darauf hindeuten, dass sich die europäische Wirtschaft weiterhin in recht robuster Konstitution befinde. Die von Markit erhobenen Einkaufsmanagerindices seien bei den Industrieunternehmen nur wenig hinter dem Vormonatswert zurückgeblieben, bei den Dienstleistern habe sich der Indikator sogar leicht verbessern können. Zuvor hätten die vom ZEW für die Eurozone ermittelten Konjunkturerwartungen mit -7,9 Punkten einen weiteren Schritt in Richtung der Nulllinie unternommen. Ein Saldenwert von null Punkten besage, dass sich die Optimisten und die Pessimisten mit Blick auf die wirtschaftliche Lage in sechs Monaten gerade die Waage halten würden.

Die Lebenshaltungskosten in der Eurozone seien im August gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,0% Y/Y angestiegen. Im Juli habe die Inflationsrate noch bei 2,1% Y/Y und damit sogar leicht oberhalb des Zielwertes der EZB gelegen. Zwar seien weiterhin vor allem die Energie- und Lebensmittelpreise für die Teuerung verantwortlich gewesen, hier habe sich der Kostendruck aber im Juli noch stärker bemerkbar gemacht. Für die EZB würden die Daten der letzten Monate keinen Rechtfertigungs- oder gar Handlungsdruck erzeugen, zumal sich die Kernrate (ohne Energie, Lebens- und Genussmittel) mit zuletzt 1,0% Y/Y seit langem schon im unverfänglichen Bereich bewege. Perspektivisch würden die Analysten aufgrund von Basiseffekten in der breiten Abgrenzung wieder mit etwas niedrigeren Inflationsraten rechnen.

Die EZB habe auf ihrer Ratssitzung am 13. September wie erwartet keine Anpassungen ihres geldpolitischen Instrumentariums vorgenommen. Die drei Leitzinssätze würden damit auf den bisherigen Niedrigstniveaus verbleiben. Wie schon im Juni angekündigt, würden die Währungshüter ab Oktober die Nettoanleihekäufe im Rahmen des Expanded Asset Purchasing Programme auf monatlich EUR 15 Mrd. halbieren und zum Jahreswechsel beenden. Ab Januar werde sich die Notenbank dann auf die Reinvestments bei fällig werdenden Bonds beschränken. Dieser Fahrplan sei bestätigt worden und sorge für Verlässlichkeit, selbst wenn er unter den Vorbehalt der noch bis dahin ausstehenden wirtschaftlichen Daten gestellt worden sei.

Die Forward Guidance, die die Marktteilnehmer schon bisher darauf vorbereitet habe, dass mit Leitzinsanhebungen nicht vor dem Sommer 2019 zu rechnen sei, sei beibehalten worden. Die Projektionen mit Blick auf das Wirtschaftswachstum seien leicht nach unten revidiert worden, was den zunehmenden Abwärtsrisiken Rechnung trage. Ausdrücklich habe Mario Draghi betont, dass vom Protektionismus nach Auffassung der EZB die größten Unsicherheiten ausgehen würden. Gleichzeitig habe er sich aber zuversichtlicher geäußert, dass die Inflationsrate auch perspektivisch und nachhaltig wieder in den Zielbereich von nahe 2% zurückgeführt werden könne.

Die Analysten würden bei ihrer Einschätzung bleiben, dass die EZB wahrscheinlich im September nächsten Jahres und damit noch kurz vor dem Wechsel an der Spitze der Notenbank den Satz für die Einlagefazilität adjustieren werde. Die Renditen langlaufender Bundesanleihen würden sich im Fahrwasser der sehr vorsichtigen Geldpolitik und der fortgesetzten Suche vieler Investoren nach safe haven assets nur zögerlich nach oben bewegen. (Ausgabe vom 21.09.2018) (24.09.2018/alc/a/a)