Erweiterte Funktionen
EZB bereitet den Boden für expansive Maßnahmen
22.07.19 13:15
National-Bank AG
Essen (www.anleihencheck.de) - Die EZB bereitet weiterhin den Boden für expansive Maßnahmen, berichten die Analysten der National-Bank AG.
Diverse Ratsmitglieder, darunter insbesondere der neue EZB-Chefvolkswirt Lane, hätten die Handlungsfähigkeit der Bank betont. Demnach schaffe eine Phase negativer Zinssätze die Voraussetzung für eine Normalisierung der Geldpolitik in der Zukunft, wenn sich die Inflationserwartungen wieder gefestigt hätten. In der Tat seien die Inflationserwartungen weit von der Zielgröße der Notenbank entfernt: Sowohl für 2019 als auch für 2020 würden sich die Inflationserwartungen weit unter der intendierten Zielgröße um 2% bewegen, was der EZB mehr und mehr Sorge bereite. Insbesondere bei den aus marktgehandelten Instrumenten abgeleiteten Inflationserwartungen sei zuletzt ein besonders starker Einbruch festzustellen gewesen.
Der weitere Fortgang der Geldpolitik werde auch maßgeblich davon bestimmt werden, welche Entwicklung diesbezüglich weiter zu verzeichnen sein werde: Vor dem Hintergrund des Handelskonfliktes habe der Rückgang der längerfristigen Inflationserwartungen zu einem Gutteil zyklischen - also temporären - Charakter. Vieles verweise aber auch darauf, dass die langjährige Stagnationsphase in der Folge der Lehman-Krise in Kombination mit den strukturellen Problemen der Währungsunion zu einer möglicherweise systematischen Verschiebung des Pfades der Inflationserwartungen geführt habe. In Europa zeichne sich insbesondere im Umfeld des Handelskonfliktes immer deutlicher ab, dass die gesamtwirtschaftliche Dynamik auch auf Dauer nicht ausreichen werde, um die Zielgrößen bei der Inflation zu erreichen.
Die Analysten der National-Bank AG würden daher weitere expansive Maßnahmen auf der kommenden Sitzung der EZB in der laufenden Woche etwa in Form einer weiteren Senkung des Einlagensatzes erwarten. Zudem dürfte die Bank ihre Projektionen dahingehend ändern, dass die Leitzinsen bis mindestens Mitte nächsten Jahres auf den derzeitigen oder niedrigeren Niveaus bleiben würden. Alles Weitere könnte dann auf dem September-Termin umgesetzt bzw. entschieden werden. Jenseits der Beschlüsse zu den Einlagesätzen dürften mit Blick auf den abnehmenden Grenznutzen sinkender Leitzinssätze zumindest perspektivisch Nettoanleihekäufe wieder in den Fokus rücken.
Auch die US-Notenbank scheine sich immer stärker auf den Weg zu einer Zinssenkung zu begeben. Nachdem bereits aus jüngstem Protokoll herauszulesen gewesen sei, dass das FOMC mehr und mehr zu einer solchen neige, hätten die jüngsten Äußerungen von FED-Chef Powell darauf schließen lassen, dass die FED ihre Leitzinsen bereits auf der kommenden Sitzung zum Monatsende senken werde. Hintergrund seien die Abwärtsrisiken aus dem Handelskonflikt, der mehr und mehr auch in der US-amerikanischen Industrie spürbar geworden sei. Für den Kurswechsel der US-Notenbank sei aber auch die Inflationsentwicklung ursächlich, die trotz hohen Auslastungsgrades der Wirtschaft unterhalb der intendierten Norm um 2% verblieben sei.
Die Analysten der National-Bank AG seien aber weiterhin der Meinung, dass hier ein gerütteltes Maß an globalem deflationärem Druck eine Rolle spiele. Blicke man auf die marktgehandelten mittel- und längerfristigen Inflationserwartungen, lägen diese nach den hauseigenen Zeitreihen der FED nahe 2%. Dies stützt unsere Auffassung, dass die FED hier einen Versicherungsschritt nach unten unternimmt - geschuldet maßgeblich ihrer Rolle als Anker des Weltfinanzsystems, so die Analysten der National-Bank AG.
Insgesamt würden die Analysten der National-Bank AG ihre Schätzungen auf den bisherigen Niveaus belassen, nachdem sie diese zuletzt auf -10 Basispunkte auf Jahressicht gesenkt hätten. Die Konsensus-Schätzungen seien analog zu der Analysten-Einschätzung in den letzten zwei Wochen von +0,18% auf nunmehr -0,02% gesunken. Die Tendenz der zinsbestimmenden Kräfte sei also zumindest in Europa weiterhin spürbar abwärts gerichtet. (Ausgabe vom 19.07.2019) (22.07.2019/alc/a/a)
Diverse Ratsmitglieder, darunter insbesondere der neue EZB-Chefvolkswirt Lane, hätten die Handlungsfähigkeit der Bank betont. Demnach schaffe eine Phase negativer Zinssätze die Voraussetzung für eine Normalisierung der Geldpolitik in der Zukunft, wenn sich die Inflationserwartungen wieder gefestigt hätten. In der Tat seien die Inflationserwartungen weit von der Zielgröße der Notenbank entfernt: Sowohl für 2019 als auch für 2020 würden sich die Inflationserwartungen weit unter der intendierten Zielgröße um 2% bewegen, was der EZB mehr und mehr Sorge bereite. Insbesondere bei den aus marktgehandelten Instrumenten abgeleiteten Inflationserwartungen sei zuletzt ein besonders starker Einbruch festzustellen gewesen.
Der weitere Fortgang der Geldpolitik werde auch maßgeblich davon bestimmt werden, welche Entwicklung diesbezüglich weiter zu verzeichnen sein werde: Vor dem Hintergrund des Handelskonfliktes habe der Rückgang der längerfristigen Inflationserwartungen zu einem Gutteil zyklischen - also temporären - Charakter. Vieles verweise aber auch darauf, dass die langjährige Stagnationsphase in der Folge der Lehman-Krise in Kombination mit den strukturellen Problemen der Währungsunion zu einer möglicherweise systematischen Verschiebung des Pfades der Inflationserwartungen geführt habe. In Europa zeichne sich insbesondere im Umfeld des Handelskonfliktes immer deutlicher ab, dass die gesamtwirtschaftliche Dynamik auch auf Dauer nicht ausreichen werde, um die Zielgrößen bei der Inflation zu erreichen.
Auch die US-Notenbank scheine sich immer stärker auf den Weg zu einer Zinssenkung zu begeben. Nachdem bereits aus jüngstem Protokoll herauszulesen gewesen sei, dass das FOMC mehr und mehr zu einer solchen neige, hätten die jüngsten Äußerungen von FED-Chef Powell darauf schließen lassen, dass die FED ihre Leitzinsen bereits auf der kommenden Sitzung zum Monatsende senken werde. Hintergrund seien die Abwärtsrisiken aus dem Handelskonflikt, der mehr und mehr auch in der US-amerikanischen Industrie spürbar geworden sei. Für den Kurswechsel der US-Notenbank sei aber auch die Inflationsentwicklung ursächlich, die trotz hohen Auslastungsgrades der Wirtschaft unterhalb der intendierten Norm um 2% verblieben sei.
Die Analysten der National-Bank AG seien aber weiterhin der Meinung, dass hier ein gerütteltes Maß an globalem deflationärem Druck eine Rolle spiele. Blicke man auf die marktgehandelten mittel- und längerfristigen Inflationserwartungen, lägen diese nach den hauseigenen Zeitreihen der FED nahe 2%. Dies stützt unsere Auffassung, dass die FED hier einen Versicherungsschritt nach unten unternimmt - geschuldet maßgeblich ihrer Rolle als Anker des Weltfinanzsystems, so die Analysten der National-Bank AG.
Insgesamt würden die Analysten der National-Bank AG ihre Schätzungen auf den bisherigen Niveaus belassen, nachdem sie diese zuletzt auf -10 Basispunkte auf Jahressicht gesenkt hätten. Die Konsensus-Schätzungen seien analog zu der Analysten-Einschätzung in den letzten zwei Wochen von +0,18% auf nunmehr -0,02% gesunken. Die Tendenz der zinsbestimmenden Kräfte sei also zumindest in Europa weiterhin spürbar abwärts gerichtet. (Ausgabe vom 19.07.2019) (22.07.2019/alc/a/a)


