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EZB: Das bekannte Unbekannte (un)konventioneller Geldpolitik
14.06.23 08:30
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Mehr denn je ist bei der Beurteilung der EZB-Geldpolitik ein ganzheitlicher Ansatz wichtig, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.
Allzu oft werde die Geldpolitik auf die Leitzinsen reduziert. Spätestens seit der globalen Finanzkrise sei dies unzureichend, um den geldpolitischen Kurs und seine Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die Wirtschaft zu beurteilen.
Die Analysten der Raiffeisen Bank International AG sehen die Zeit der vergleichsweise einfachen Beschlüsse zur geldpolitischen Straffung enden, sodass sich die Kompromissfindung im EZB-Rat als zunehmend schwieriger erweisen könnte. Die Zeit der großen Leitzinserhöhungen sei vorbei und der Druck werde zunehmen eine Strategie zur Bilanznormalisierung zu kommunizieren und auch umzusetzen. Einige Schritte seien bereits unternommen worden, die sich in erster Linie auf den Abzug von Liquidität aus dem Bankensektor konzentrieren würden. Der politisch heiklere Schritt des Abbaus des Anleiheportfolios habe jedoch erst begonnen, und es sei noch nicht klar, welche "Höchstgeschwindigkeit" hier erreicht werde.
Gegenwärtig sehen die Analysten der Raiffeisen Bank International AG jedoch keinen Grund für die EZB, das geldpolitische Regime der Überschussliquidität in den kommenden Jahren (bis Mitte der 2020er Jahre) zu beenden. Ein gewisser Abbau der Überschussliquidität (derzeit ca. 4000 Mrd. EUR) in Richtung eines Punktes, an dem sich die Geldmarktsätze nicht mehr ausschließlich am Einlagensatz der EZB orientieren würden, sei aber sehr langfristig durchaus denkbar. Um die Bankenrefinanzierung über die EZB wieder kurzfristiger und dennoch berechenbarer zu machen, wären auch längere Refinanzierungsgeschäfte - von 1 bis 3 Monate Laufzeit - zum Hauptrefinanzierungssatz denkbar. Darüber hinaus müsse die EZB einen glaubwürdigen Ansatz zur Forward Guidance finden, da eine zu lange Bindung entweder die Glaubwürdigkeit gefährde, aber auch den Finanzsektor für externe Schocks anfälliger machen könnte.
Die EZB habe ihre Geldpolitik bereits stärker gestrafft, als viele es vor einigen Jahren für möglich gehalten hätten, ohne dass es zu ernsthaften Verwerfungen auf den Finanzmärkten gekommen wäre. Obwohl die EZB ihren Einfluss in den letzten zehn Jahren erheblich ausgeweitet habe, sei die finanzielle Dominanz bisher kein großes Hindernis am Weg zur Wiederherstellung der Preisstabilität gewesen. Die Bewährungsprobe für die fiskalische Dominanz habe jedoch gerade erst begonnen. Die EZB sollte nicht auf ihre Flexibilität verzichten, um in diesem Terrain zu navigieren. Es sei auch von langfristiger Bedeutung, dass die EZB nicht an Glaubwürdigkeit der zeitgerechten Erreichung des Inflationsziels verliere, was möglicherweise den einen oder anderen konstruktiven Kompromiss im EZB-Rat wert sei. (14.06.2023/alc/a/a)
Allzu oft werde die Geldpolitik auf die Leitzinsen reduziert. Spätestens seit der globalen Finanzkrise sei dies unzureichend, um den geldpolitischen Kurs und seine Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die Wirtschaft zu beurteilen.
Gegenwärtig sehen die Analysten der Raiffeisen Bank International AG jedoch keinen Grund für die EZB, das geldpolitische Regime der Überschussliquidität in den kommenden Jahren (bis Mitte der 2020er Jahre) zu beenden. Ein gewisser Abbau der Überschussliquidität (derzeit ca. 4000 Mrd. EUR) in Richtung eines Punktes, an dem sich die Geldmarktsätze nicht mehr ausschließlich am Einlagensatz der EZB orientieren würden, sei aber sehr langfristig durchaus denkbar. Um die Bankenrefinanzierung über die EZB wieder kurzfristiger und dennoch berechenbarer zu machen, wären auch längere Refinanzierungsgeschäfte - von 1 bis 3 Monate Laufzeit - zum Hauptrefinanzierungssatz denkbar. Darüber hinaus müsse die EZB einen glaubwürdigen Ansatz zur Forward Guidance finden, da eine zu lange Bindung entweder die Glaubwürdigkeit gefährde, aber auch den Finanzsektor für externe Schocks anfälliger machen könnte.
Die EZB habe ihre Geldpolitik bereits stärker gestrafft, als viele es vor einigen Jahren für möglich gehalten hätten, ohne dass es zu ernsthaften Verwerfungen auf den Finanzmärkten gekommen wäre. Obwohl die EZB ihren Einfluss in den letzten zehn Jahren erheblich ausgeweitet habe, sei die finanzielle Dominanz bisher kein großes Hindernis am Weg zur Wiederherstellung der Preisstabilität gewesen. Die Bewährungsprobe für die fiskalische Dominanz habe jedoch gerade erst begonnen. Die EZB sollte nicht auf ihre Flexibilität verzichten, um in diesem Terrain zu navigieren. Es sei auch von langfristiger Bedeutung, dass die EZB nicht an Glaubwürdigkeit der zeitgerechten Erreichung des Inflationsziels verliere, was möglicherweise den einen oder anderen konstruktiven Kompromiss im EZB-Rat wert sei. (14.06.2023/alc/a/a)


