EZB auf Stand-by: Inflation dürfte Zielwert unterschreiten


16.12.25 10:45
Vanguard

London (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank dürfte auf ihrer Sitzung am Donnerstag ihren abwartenden geldpolitischen Kurs bestätigen, so Josefina Rodriguez, Economist bei Vanguard.

Damit steige das Risiko, dass die Inflation im Euroraum den Zielwert 2026 unterschreite, prognostiziere Josefina Rodriguez, Economist bei Vanguard. Warum Deutschland weiter das Sorgenkind bleibe und warum 2026 geldpolitische Lockerungen wahrscheinlicher würden, erkläre die Finanzmarktexpertin in ihrem Kommentar.

Die EZB dürfte auf der Sitzung am Donnerstag den Einlagensatz unverändert bei zwei Prozent belassen. Es wäre bereits das vierte Mal in Folge, dass die europäischen Währungshüter ihren Zinssatz unangetastet ließen. Und es dürfte nicht das letzte Mal sein: Das stärker als erwartete Wirtschaftswachstum sowie die persistente Dienstleistungsinflation hätten mittlerweile den Spielraum für eine vorsorgliche Zinssenkung weitgehend geschlossen und das Vertrauen in den aktuellen geldpolitischen Kurs gestärkt. Daher dürfte das Komitee auch im neuen Jahr an seinem Kurs festhalten. Im Basisszenario werde sogar davon ausgegangen, dass die Währungshüter den Leitzins über das gesamte Jahr 2026 hinweg bei zwei Prozent hielten. Die sinkenden Energiepreise und die hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Inflation im kommenden Jahr über weite Strecken unter den Zielwert rutschen dürfte, verschöben die Risikobalance eher in Richtung geldpolitischer Lockerung als Straffung.

Gestützt werde diese Annahme dadurch, dass im Euroraum durchaus positive Tendenzen erkennbar seien. So sei das reale BIP im Euroraum im dritten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen, während die Beschäftigung um 0,2 Prozent zugelegt habe. Getragen worden sei dieser Trend vor allem von Spanien und Frankreich. Deutschland bleibe hingegen weiter das Sorgenkind, auch weil die fiskalischen Impulse aus dem Investitions- und Rüstungspaket bislang nur verzögert wirkten. Insbesondere die Schwäche im deutschen verarbeitenden Gewerbe halte an, auch wenn sie durch den Dienstleistungsbereich kompensiert werde. Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex habe im November ein 30-Monats-Hoch erreicht, gestützt durch eine anhaltende Stärke im Dienstleistungssektor. Ein anhaltendes Unterschreiten des Inflationsziels Anfang 2026 könnte die Erwartungen dämpfen, auch wenn die jüngste konjunkturelle Dynamik darauf hindeute, dass sich das Zeitfenster für eine vorsorgliche Zinssenkung weitgehend geschlossen habe.

Die jüngsten Aussagen von Mitgliedern des EZB-Rats untermauerten die Einschätzung, dass sich die Geldpolitik in einer guten Position befinde. Präsidentin Lagarde habe Aufwärtsrisiken für die Wachstumsprognosen signalisiert und die Resilienz des Euroraums gegenüber globalen Unsicherheiten hervorgehoben. Auch Villeroy de Galhau und Gediminas Simkus hätten die Einschätzung geteilt, dass Abwarten derzeit der richtige Kurs sei. Der Grundton sei zwar vorsichtig, aber dennoch deutlich konstruktiv. Dies signalisiere Vertrauen in die bestehende Geldpolitik. (16.12.2025/alc/a/a)