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EZB: Zinswende in Q3


11.04.22 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den USA stehen aussagekräftige Indikatoren auf dem Programm, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Bei den Zahlen zur realwirtschaftlichen Entwicklung (Einzelhandel, Industrieproduktion) werde mit Zuwächsen im Vormonatsvergleich eine solide Entwicklung erwartet. Das Konsumentenvertrauen werde sich nach Konsensus Einschätzung auf dem aktuellen (niedrigen) Niveau einpendeln. Dagegen werde die Inflationsrate weiter nach oben klettern und die 8%-Marke durchbrechen - die 70er würden grüßen lassen.

Die kommende Zinssitzung der Europäischen Zentralbank dürfte ruhiger verlaufen als von vielen gedacht. Immerhin gebe es einzelne Analysten-Stimmen, die angesichts der zuletzt erneut höheren Teuerung einen baldigen Zinsschritt (Juni?) für möglich erachten würden.

Den Analysten erscheine die jüngste Inflationsspitze aber kein Anlass, um die geldpolitische Vorgehensweise grundlegend zu überdenken. Im Gegenteil, die aktuelle Wortwahl zu den zukünftigen Schritten biete bereits genug Flexibilität für eine höhere Inflation als in den offiziellen Prognosen unterstellt. EZB-Direktoriumsmitglieder hätten auch bereits bekannt gemacht, dass sie bis zum Ende des Prognosehorizonts nicht mehr von einer Rückkehr der Inflation unter die 2%-Marke ausgehen würden.

Die Teuerung werde sich vielmehr am Zielwert einpendeln. Somit sei die letzte Bedingung für eine Zinsanhebung erfüllt. Die vorliegende Guidance der Notenbank sehe für diesen Fall vor, dass die Anleihekäufe im dritten Quartal ein Ende finden würden und nach ein wenig Zeit eine Zinsanhebung erfolge. Weder die Analysten noch der Markt würden von einem langen Zuwarten ausgehen und den ersten Schritt im September ansetzen. Die Analysten würden also damit rechnen, dass am kommenden Meeting die EZB weniger ihre möglichen unterschiedlichen Handlungsoptionen in den Vordergrund rücke als klarer formuliert, was die Spatzen ohnehin schon seit längerem vom Dach pfeifen würden - Ende QE & Zinswende in Q3.

Die Steilheit, oder besser gesagt die fehlende Steilheit, der US-Treasury Kurve werde derzeit von vielen Marktteilnehmern genau beobachtet. Nachdem der Spread zwischen zehn- und zweijähriger Laufzeit Ende letzter Woche negativ geworden sei, habe sich der Spread in dieser Woche wieder in positives Terrain vorgewagt und sei um etwa 20 Basispunkte gestiegen. Die Analysten würden die jüngste Versteilung der insgesamt immer noch sehr flachen Renditekurve im Zusammenhang mit der bevorstehenden Ankündigung des Bilanzabbaus (QT) durch die FED sehen.

Es habe in der Tat eine Fülle von Nachrichten zum Thema QT gegeben. Nachdem FOMC-Mitglied Brainard einen recht aggressiven Ansatz angekündigt habe, habe das Protokoll der letzten FOMC-Sitzung vom März weitere Details enthalten. Kurz gesagt, plane die FED den Bestand an Staatsanleihen um etwa das Doppelte der QT-Höchststände aus 2017-19 zu reduzieren. Dies bedeute, dass nur die Treasury-Tilgungen (ex Bills) reinvestiert würden, welche ein monatliches Volumen von USD 60 Mrd. übersteigen würden.

Das derzeitige Tilgungsprofil deute darauf hin, dass es nur in ausgewählten Monaten zu Reinvestitionen kommen werde. Die Analysten würden davon ausgehen, dass QT auf der nächsten Sitzung Anfang Mai beschlossen werde und dass das Ausmaß von USD 60 Mrd. nach einer dreimonatigen Einführungsphase erreicht werde, sofern die Marktbedingungen dies zulassen würden. Neben Staatsanleihen würden auch die MBS-Bestände abgebaut. Hier werde die monatliche Rate bei USD 35 Mrd. liegen, aber zu einem späteren Zeitpunkt könnten MBS-Bestände auch verkauft werden, da der Rückgang durch Tilgungen aufgrund des langen Laufzeitenprofils nur langsam passiere.

Angesichts der zunehmend aggressiven Haltung der FED hätten die Analysten ihre Prognosen für US-Zinsen und US-Renditen nach oben angepasst. Auf den Märkten scheinen die kurzfristigen Aussichten für steigende Renditen zu sprechen, auch da einige Ereignisrisiken noch vor uns lägen. Die Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex nächste Woche sei eines davon. Im März werde die Inflation den Anstieg der Rohstoffpreise widerspiegeln, wobei ein besonders starker Anstieg der Gesamtrate und weniger der Kernrate zu erwarten sei. Es werde jedoch erwartet, dass beide Inflationsraten im Jahresvergleich von einem bereits hohen Niveau aus weiter steigen würden. Da es sich um die letzte Inflationsveröffentlichung vor der nächsten FOMC-Sitzung handele, werde die FED eine Gesamtinflation von über 8% p.a. und eine Kerninflation von annähernd 7% p.a. vorfinden, was wohl in einer Zinserhöhung von 50 Basispunkten münden werde. (Ausgabe vom 08.04.2022) (11.04.2022/alc/a/a)