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EZB vor Zinsstopp? Inflationstrend und Kernrate bremsen Erwartungen
05.09.25 11:37
Helaba
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der leichte Anstieg der Euro-Inflation von 2,0% auf 2,1% im August ist auf den ersten Blick keine große Bewegung, so Ulf Krauss von der Helaba.
Allerdings scheine das Jahrestief im Mai mit 1,9% ausgelotet worden zu sein. Seither weise der Trend nach oben. Die Kernrate der Inflation notiere seit Mai unverändert bei 2,3% und liege damit seit rund vier Jahren über dem EZB-Ziel von 2%. Der zuletzt inflationsdämpfende Rückgang der Energiepreise werde tendenziell schwächer. Das Gesamtbild sei damit nicht so positiv, um aus Sicht der Mehrheit im EZB-Rat eine weitere Zinssenkung zu beschließen. Diese Einschätzung dürfte durch die neuen Quartalsprognosen der EZB-Volkswirte gestützt werden.
Bei der Sitzung würden auch andere Themen eine wichtige Rolle spielen. So werde vermutlich über die Gefahren diskutiert, die von einer von Trump kontrollierten US-Notenbank ausgehen könnten. Vor allem eine damit drohende Dollar-Schwäche könne nicht nur eine Bürde für die Konjunktur in Europa werden, sondern das gesamte globale Finanzgefüge durcheinanderwirbeln.
Ein weiteres Thema werde vermutlich die politische und fiskalische Instabilität Frankreichs sein. Beide Themen würden sich zur allgemeinen Sorge vor steigenden Risikoaufschlägen an den globalen Anleihemärkten vermischen. Das Thema Staatsverschuldung betreffe viele Länder und der jüngste Anstieg der Renditen bei ultralangen Laufzeiten spiegele diese Entwicklung wider. So sei der Spread zwischen 30-jährigen und 10-jährigen Bundesanleihen seit Ende letzten Jahres von 20 Basispunkten auf zuletzt 65 Basispunkte gestiegen. Allerdings habe dies in etwa dem Durchschnittswert seit der Finanzkrise bis zur Zinswende der EZB (2008-2022) entsprochen. In der Spitze habe der Spread in diesem Zeitraum sogar bei rund 100 Basispunkten gelegen. Auch in Frankreich lägen die Werte noch nicht außerhalb des langfristigen 30/10-Renditebandes.
Dass die Situation gleichwohl von Unsicherheit geprägt sei, zeige ein Blick auf die Spreads gegenüber Bundesanleihen. Obwohl die Bund-Rendite ebenfalls bereits erhöht sei, habe der Aufschlag für 10-jährige französische Staatsanleihen mit fast 90 Basispunkten den höchsten Stand seit der Euro-Staatsschuldenkrise erreicht. Der temporäre Höchststand habe damals nochmals 50 Basispunkte höher gelegen, wobei nicht Frankreich, sondern Griechenland im Zentrum des Sturms gestanden habe.
Die EZB habe mit dem Transmission Protection Instrument (TPI) inzwischen jedoch ein auf solche Krisen zugeschnittenes Werkzeug in ihrem Instrumentenkasten. Im Kern könne die EZB damit gezielt Anleihen einzelner Länder am Sekundärmarkt kaufen, um eine ungerechtfertigte Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen zu verhindern. Wann dieser Punkt erreicht sei und was als ungerechtfertigt gelte, bleibe der Interpretation des EZB-Rats überlassen. Über die Nachteile solle an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Für die Anleger sei entscheidend, dass die EZB - anders als 2011/2012 - relativ schnell reagieren könne, um der Politik Zeit zum Handeln zu verschaffen und wilden Spekulationsgeschäften entgegenzuwirken. (05.09.2025/alc/a/a)
Allerdings scheine das Jahrestief im Mai mit 1,9% ausgelotet worden zu sein. Seither weise der Trend nach oben. Die Kernrate der Inflation notiere seit Mai unverändert bei 2,3% und liege damit seit rund vier Jahren über dem EZB-Ziel von 2%. Der zuletzt inflationsdämpfende Rückgang der Energiepreise werde tendenziell schwächer. Das Gesamtbild sei damit nicht so positiv, um aus Sicht der Mehrheit im EZB-Rat eine weitere Zinssenkung zu beschließen. Diese Einschätzung dürfte durch die neuen Quartalsprognosen der EZB-Volkswirte gestützt werden.
Ein weiteres Thema werde vermutlich die politische und fiskalische Instabilität Frankreichs sein. Beide Themen würden sich zur allgemeinen Sorge vor steigenden Risikoaufschlägen an den globalen Anleihemärkten vermischen. Das Thema Staatsverschuldung betreffe viele Länder und der jüngste Anstieg der Renditen bei ultralangen Laufzeiten spiegele diese Entwicklung wider. So sei der Spread zwischen 30-jährigen und 10-jährigen Bundesanleihen seit Ende letzten Jahres von 20 Basispunkten auf zuletzt 65 Basispunkte gestiegen. Allerdings habe dies in etwa dem Durchschnittswert seit der Finanzkrise bis zur Zinswende der EZB (2008-2022) entsprochen. In der Spitze habe der Spread in diesem Zeitraum sogar bei rund 100 Basispunkten gelegen. Auch in Frankreich lägen die Werte noch nicht außerhalb des langfristigen 30/10-Renditebandes.
Dass die Situation gleichwohl von Unsicherheit geprägt sei, zeige ein Blick auf die Spreads gegenüber Bundesanleihen. Obwohl die Bund-Rendite ebenfalls bereits erhöht sei, habe der Aufschlag für 10-jährige französische Staatsanleihen mit fast 90 Basispunkten den höchsten Stand seit der Euro-Staatsschuldenkrise erreicht. Der temporäre Höchststand habe damals nochmals 50 Basispunkte höher gelegen, wobei nicht Frankreich, sondern Griechenland im Zentrum des Sturms gestanden habe.
Die EZB habe mit dem Transmission Protection Instrument (TPI) inzwischen jedoch ein auf solche Krisen zugeschnittenes Werkzeug in ihrem Instrumentenkasten. Im Kern könne die EZB damit gezielt Anleihen einzelner Länder am Sekundärmarkt kaufen, um eine ungerechtfertigte Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen zu verhindern. Wann dieser Punkt erreicht sei und was als ungerechtfertigt gelte, bleibe der Interpretation des EZB-Rats überlassen. Über die Nachteile solle an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Für die Anleger sei entscheidend, dass die EZB - anders als 2011/2012 - relativ schnell reagieren könne, um der Politik Zeit zum Handeln zu verschaffen und wilden Spekulationsgeschäften entgegenzuwirken. (05.09.2025/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 24.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


