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EZB: Zinssenkungszyklus nähert sich dem Ende


30.05.25 16:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Anhaltende Konjunkturrisiken, niedrigere Inflationsraten und ein starker Euro sprechen für eine Senkung des Einlagensatzes auf 2,0% - der Ausblick danach ist diffus, so die Analysten der Helaa.

Der überraschende Rückgang der französischen Inflationsrate im Mai auf 0,6% im Vorjahresvergleich sei ein positives Signal für die am Dienstag veröffentlichte Euro-Gemeinschaftsrate. Der EZB-Rat dürften bei diesen günstigen Vorgaben keine Probleme haben, den Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf 2,0% zu senken. Daneben sollten die jüngste Trump-Drohung im Zollstreit mit der EU und die Stärke des Euro gegenüber dem US-Dollar die Reihen im Rat schließen.

Mit einem Einlagensatz von 2% wäre eine wichtige Wegmarke erreicht. Die EZB sei in einem gesicherten neutralen Bereich angekommen, in dem das Wirtschaftswachstum weder gebremst noch angeschoben werde. Die Übergänge zu einer unterstützenden Geldpolitik seien fließend. Unter 2% beginne jedoch der expansive Bereich, so die Meinung vieler Experten. Im zweiten Halbjahr 2025 dürften die unterschiedlichen Standpunkte zwischen Tauben und Falken daher stärker aufeinanderprallen. Die jeweiligen Meinungsführer würden sich bereits in Stellung bringen. So halte beispielsweise EZB-Direktorin Isabel Schnabel ein Ende der Zinssenkungen für angebracht. Dabei dürften ihr der geplante deutlich verstärkte Einsatz der Fiskalpolitik im Euroraum und die damit verbundenen möglichen Wachstums- und Inflationseffekte vor Augen sein. Zudem sei die Euro-Kerninflationsrate immer noch relativ hoch. Bei der Online-Verbraucherumfrage CES (Consumer Expectations Survey) der EZB im April hätten die Inflationserwartungen auf Sicht von 12 Monaten mit 3,1% zudem den höchsten Stand seit über einem Jahr erreicht. Auch die Verbraucherumfrage der EU-Kommission befinde sich trotz eines Rückgangs im Mai seit zwei Jahren in einem moderaten Aufwärtstrend.

An den Terminmärkten werde gleichwohl auf ein Szenario gesetzt, in dem der Einlagensatz der EZB unter die 2-Prozent-Marke sinke. Auch die Mehrheit der Analysten erwarte inzwischen einen zusätzlichen Zinsschritt der EZB. Hier könnten die quartalsmäßig veröffentlichten EZB-Wachstums- und Inflationsprojektionen neue Hinweise liefern. Die Erwartungen würden in Richtung eher niedrigerer Raten für beide Prognosefelder gehen.

Aktuell gelte für viele Entscheidungen von Tragweite: Die Welt sei in Aufruhr und man fahre auf Sicht. Bis mehr Klarheit über die Auswirkungen von Zöllen und die Inflationsentwicklung bestehe, dürfte die EZB in den Beobachtungsmodus gehen. In ihrem Basisszenario halten die Helaba die Wahrscheinlichkeit einer längeren geldpolitischen Seitwärtsphase derzeit für höher als die Wahrscheinlichkeit weiterer Lockerungen. Einiges dürfte aber auch von der Entwicklung des Euro-Dollar-Kurses abhängen. Eine weitere Aufwertung des Euros würde das Wachstum und die Inflation dämpfen. Die EZB könnte unter Druck geraten, dies durch eine Zinssenkung auszugleichen. (30.05.2025/alc/a/a)