EZB: Wie geht es weiter mit den Inflationsraten?


19.02.14 16:17
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Der Präsident der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann hat sich erneut als Gralshüter der Ordnungspolitik zu erkennen gegeben, so die Analysten der Nord LB.

In einem Interview habe Weidmann die Meinung vertreten, die EZB mache sich mit dem OMT-Programm zum "Gefangenen der Politik". Gemeint sei damit natürlich nicht nur der bisher ja noch ausstehende tatsächliche Ankauf von Staatsanleihen, sondern auch der Ankündigungseffekt, diese Option als Trumpf im geldpolitischen Ärmel zu haben. Mit diesem Ankündigungseffekt sei bekanntlich vieles erreicht worden, wie auch immer man zu der von EZB-Chef Draghi artikulierten Mandatsauslegung der Notenbank stehen möge. Durch die Blume habe der Italiener sich letzthin schon ein wenig genervt gezeigt von der nicht enden wollenden Kritik vornehmlich deutscher Institutionen. Die Bundesbank und das Bundesverfassungsgericht seien nur zwei von ihnen, wenn auch zwei besonders prominente.

Nun habe Weidmann wieder laut in das gleiche Horn gestoßen und auch gleich noch eine Vermögensabgabe ins Spiel gebracht, mit der man die Steuerzahler eines in Schieflage geratenen Landes heranziehen könne, anstatt sofort die Bail-out-Fahne zu hissen. Nicht allen im EZB-Rat dürfte das gefallen haben. Schon gar nicht Weidmanns Nachsatz, wonach die Bundesbank ausgerechnet für Deutschland sicher keine Vermögensabgabe vorschlage.

Unterdessen habe der Chef der Österreichischen Nationalbank Ewald Nowotny seine Zuversicht zum Ausdruck gebracht, dass die zuletzt unangenehm niedrigen Inflationsraten sich im weiteren Verlauf von selbst nach oben korrigieren würden. Voraussetzung dafür sei allerdings eine Verstetigung der konjunkturellen Stabilisierung. Dem sei aus Sicht der Analysten kaum zu widersprechen.

Für den Berichtsmonat Februar würden Ende nächster Woche vorläufige Verbraucherpreisdaten für Deutschland, Italien und die Eurozone veröffentlicht. Die Analysten würden davon ausgehen, dass die Preissteigerungsraten auf den niedrigen Werten des Vormonats verbleiben, allerdings auch nicht weiter nach unten absacken würden. Im März sei aufgrund der kalendarischen Lage des Osterfests und der damit verbunden Verschiebung von Saisonmustern allerdings eine Jahresteuerungsrate in der Eurozone unterhalb der zuletzt ausgewiesenen 0,7% nicht auszuschließen. Die werde sich zwar im April dann wieder nach oben auskompensieren, das müssten die Notenbank und die Finanzmärkte aber erst einmal aushalten, ohne wieder das Deflationsgespenst aus dem Hut zu holen.

Nowotny habe sich zwar nicht in der "weidmännischen" Stringenz, letztlich aber doch recht deutlich gegen den Ankauf von Staatsanleihen ausgesprochen und ein dem Quantitative Easing der FED ähnliches Programm als kaum mit dem Mandat der EZB vereinbar bezeichnet. Auch das Absenken der Einlagefazilität unter die Nulllinie sehe der Österreicher (neuerdings) kritischer. Dies könne psychologisch das Gefühl einer Krise stimulieren, die es tatsächlich gar nicht gebe. Die Analysten der Nord LB glauben denn auch nicht, dass die EZB in ihrer nächsten Ratssitzung am 6. März die Leitzinsen anfassen wird. Im Werkzeugkasten liquiditätsschaffender Instrumente läge da sicherlich der Verzicht auf eine Sterilisierung des Security Markets Programms ganz obenauf. Ob mit diesen rund 170 Mrd. EUR irgendetwas zur Öffnung der in den Krisenländern verstopften Kreditkanäle beigetragen werden könnte, möge man allerdings bezweifeln. (19.02.2014/alc/a/a)