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EZB: Sommerloch - Fokus auf September


19.07.24 10:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank hat auf ihrer Sitzung am 18. Juli 2024 wie erwartet ihre Leitzinsen unverändert gelassen, so die Analysten der Nord LB.

Der Einlagefazilitätensatz bleibe somit bei 3,75% und der Hauptrefinanzierungssatz bei 4,25%. Das Hauptaugenmerk habe hingegen einmal mehr auf den Zwischentönen gelegen, die zur Feinabstimmung der Erwartungen hinsichtlich des Zeitpunkts der nächsten Zinssenkung herangezogen würden.

Ein am aktuellen Rand überwiegend intakter Disinflationstrend, ein eingetrübtes Konjunkturbild samt Stimmungsindikatoren und erst im August erscheinende wichtige Lohndaten für Q2 hätten ohnehin auf einen unaufgeregten Übergang in die EZB-Sommerpause hingedeutet. Dazu würden auch die mahnenden Hinweise von Frau Lagarde zwei Wochen zuvor auf dem EZB-Forum in Sintra passen - Stichwort "datenbasiert" und "Meeting-by-Meeting", wie sie sich auch im wie üblich vorab veröffentlichten Statement wiederfinden würden. Mit dieser Vorsichtshaltung und dem gegenwärtigen Restriktionsgrad der Leitzinsen habe sich im Vorfeld bereits eine deutliche Mehrheit im EZB-Rat zufrieden gezeigt.

So sei die Sitzung am 18. Juli 2024 ein Balanceakt zwischen der Vermeidung einer Vorfestlegung auf September und gleichzeitig einer gewissen Legitimation der derzeitigen Markterwartungen an Zinssenkungen in diesem Jahr gewesen, denen der EZB-Rat ein vergleichsweise hohes Maß an Realismus abgewinnen könne. Die Tür zur nächsten Leitzinsrückführung im September habe sich damit ein Stückchen weiter aufgetan.

Tatsächlich stehe auf der nächsten turnusmäßigen EZB-Sitzung am 12. September ein breiter Datenkranz zur Verfügung. Neben zwei weiteren Inflationsdatenpunkten lägen dann auch die wichtigen Lohndaten für Q2 auf dem Tisch - inklusive neuer hauseigener Projektionen. Entscheidend bleibe für den Inflationsausblick vor allem nach wie vor die Lohnentwicklung im Euroraum.

Auf Basis der guten Arbeitsmarktlage habe die gestiegene Verhandlungsmacht der Beschäftigten vor allem im Dienstleistungssektor einen hohen Ausgleich der vorangegangen Kaufkraftverluste beschert. Die EZB rechne weiterhin mit einem verlangsamten Lohnwachstum in 2025, auch wenn offizielle Datenveröffentlichungen am aktuellen Rand und anekdotische Gewerkschaftsforderungen dies nicht vollumfänglich spiegeln würden.

Allerdings würden aus Sicht der Analysten die im Spätsommer zu erwartenden geringeren Inflationszahlen den Handlungsdruck im September wieder erhöhen. Zudem dürften die datengespickten geldpolitischen Sitzungen mit Aktualisierungen der Projektionen einen Vorzug für weitere Zinsanpassungen erhalten, was für einen Zinspfad von 25 Basispunkten je Quartal spreche. Diesem Tempo folgend würden die Analysten dann aber auch im Dezember eine nochmalige Leitzinsreduktion in gleicher Höhe erwarten. Erst dann werde man stärker auf die Handlungen der US-Notenbank schielen (müssen), von der man sich im Rat zwar nicht abhängig machen möchte - ein zu starkes Auseinanderdriften der jeweiligen Zinspolitiken jedoch auch in Frankfurt sicher vermeiden möchte.

Die Europäische Zentralbank habe auf ihrer Sitzung am 18. Juli 2024 in einem einstimmigen Entscheid wie erwartet ihre Leitzinsen unverändert gelassen. Dieser Termin sei ein Balanceakt zwischen der Vermeidung einer Vorfestlegung auf die September-Sitzung und gleichzeitig einer gewissen Legitimation der derzeitigen Markterwartungen an Zinssenkungen in diesem Jahr gewesen, denen der EZB-Rat ein vergleichsweise hohes Maß an Realismus abgewinnen könne.

Die Tür zur nächsten Zinssenkung im September mit dann aktualisierten Projektionen inklusive der wichtigen Lohndaten für Q2 habe sich damit ein Stück weiter geöffnet. Aus Sicht der Analysten würden die im Spätsommer zu erwartenden geringeren Inflationszahlen den Handlungsdruck wieder erhöhen. Mit dem ebenfalls datengespickten Sitzungstermin im Dezember würden die Analysten dann eine nochmalige Zinssenkung um 25 Basispunkte erwarten. Erst dann werde man auch stärker auf die Handlungen der US-Notenbank schielen (müssen), von der man sich sicherlich nicht zu weit entfernen möchte. (Ausgabe vom 18.07.2024) (19.07.2024/alc/a/a)